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Fröhliches Weihnachtskonzert mit Quadro Nuevo im Traunreuter k1

Mehr beschwingt als besinnlich

Dass es kaum eine Musik- oder Stilrichtung gibt, in der sich Quadro Nuevo nicht heimisch fühlen würde, hat die Band in ihrer bald 20-jährigen Bandgeschichte unzählige Male eindrucksvoll bewiesen. Ob Tango oder orientalische Musik, französische Valse Musette oder Flamenco, Balkan-Swing oder Lieder aus Italien, immer waren die vier Ausnahme-Musiker, von Fernweh getrieben, auf der Suche nach Inspiration, neuen Klängen und magnetischen Melodien.

Ein Weihnachtskonzert der beschwingten Art mit (von links) Mulo Francel, Andreas Hinterseher, D. D. Lowka und Evelyn Huber im Traunreuter k1. (Foto: Heel)

So auch zum Thema Weihnachten, dem sie bislang mit »Weihnacht« und »Bethlehem« zwei Alben gewidmet haben, auf denen sie die Suche der Menschen nach Trost, Licht und Liebe musikalisch umgesetzt haben, sehr persönlich und mit Erinnerungen an die eigene Kindheit. Entsprechend groß war der Andrang im Traunreuter k1, wo die Band jetzt ein Weihnachtskonzert gab. Ein Konzert allerdings, bei dem Weihnachtslieder eine eher untergeordnete Rolle spielten, weil »Weihnachten ja noch weit weg ist«, wie mir D. D. Lowka, der Bassist, erklärte.

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So ging es letztendlich mehr beschwingt und fröhlich als besinnlich zu, was dem Vergnügen natürlich keinen Abbruch tat, zumal Mulo Francel (Saxophon/Klarinette), Andreas Hinterseher (Bandoneon), D. D. Lowka (Kontrabass, Percussion)) und Evelyn Huber (Harfe) wie üblich mit unbändiger Spielfreude ans Werk gingen und mit virtuosem Können jedem der Stücke ihren Stempel aufdrückten. Folgte auf die wunderschöne alte Volksweise »Maria durch ein’ Dornwald ging« noch mit »Still, die Nacht ist voller Sterne« die instrumentale Bearbeitung eines jiddischen Liedes, bevor es in Richtung Tango weiterging, genauer gesagt, in die Hauptstadt des Tangos, in die brodelnde 15-Millionen-Metropole Buenos Aires.

Dorthin war das Ensemble Anfang 2014 nämlich aufgebrochen, um sich für sein neues Album »Tango« inspirieren zu lassen. Man bezog Quartier in einer alten Stadtvilla, probte tagsüber und gab nachts Konzerte, und ließ sich mitreißen von der nostalgischen Atmosphäre der Tanzsäle und den Begegnungen mit so vielen Menschen, netten und gefährlichen, wie Mulo Francel zwischendurch anmerkte. Mitreißend war auch, was sie an diesem Abend davon präsentierten, darunter mit »Kommissar Garcia« die Melodie zu einer Krimiserie.

Wieder besinnlich wurde es mit dem Lied »Ich steh an deiner Krippe hier«, das der Theologe Paul Gerhardt unter dem Eindruck des 30-jährigen Krieges gedichtet hatte und das später von Johann Sebastian Bach musikalisch ausgestaltet wurde. Und wer kennt es nicht, das aus dem Brixental stammende Lied »Es wead scho glei dumpa«, wo es zur Weihnachtszeit von den Stern- und Klöpflsingern vorgetragen wird, die verkleidet von Haus zu Haus ziehen und Glück wünschen, und mit dem sich Quadro Nuevo vom Publikum verabschiedete.

Wer an diesem Abend im k1 nicht dabei sein konnte bzw. sich mehr Weihnachtslieder gewünscht hätte, dem sei das Album »Bethlehem« ans Herz gelegt. Wunderschöne Musik, die nahe am Urgedanken der Weihnacht ist: Die Ankunft einer neuen Zeit, die Licht und Wärme ins Dunkel bringt. Und wer lieber Tango pur hören möchte, sollte schnell um Tickets bei der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS anfragen, wo Quadro Nuevo am 19./20. Januar zwei Konzerte geben wird. Wolfgang Schweiger