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Die Zahl der Geburten in den heimischen Landkreisen ist wieder gestiegen, es gibt aber immer weniger Hebammen.

Mehr Geburten, weniger Hebammen – Landkreis fördert die »Netzwerkstelle Hebammenversorgung«

Einer steigenden Geburtenzahl steht in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land eine rückläufige Zahl an Hebammen gegenüber, so Verena Eisenberger, Geschäftsstellenleitung der Gesundheitsregion plus Landkreis Traunstein im Kreisausschuss. Sie berichtete von der 2019 von beiden Kreisen ins Leben gerufenen »Netzwerkstelle Hebammenversorgung«, welche von Benedict Arnds geleitet wird.


Das Gremium bewilligte seitens des Landkreises Traunstein ohne Gegenstimme für die Jahre 2023 bis 2025, dem derzeitigen Förderzeitraum des Freistaats, einen Zuschuss von 5880 Euro pro Jahr.

Eigentlich ist eine gesicherte Hebammenhilfe Aufgabe des Landkreises. Mit Gründung der Kreiskliniken Südostbayern AG (KSOB AG) im Jahr 2009 hat der Kreis die Verpflichtung delegiert an den Klinikenverbund mit dem Berchtesgadener Land. Seither unterhält die KSOB AG in Bad Reichenhall und in Traunstein die Geburtshilfestationen, in Traunstein zusätzlich ein Perinatalzentrum zur Versorgung von Früh- und Neugeborenen.

In beiden Geburtsstationen sind freiberufliche »Beleghebammen« tätig, wie Landrat Siegfried Walch erläuterte. Freiberufliche Hebammen kümmern sich auch um die Schwangerenvorsorge und -betreuung sowie die Wochenbettbetreuung. Eine Umfrage im Jahr 2018 zeigte eine sinkende Anzahl von Hebammen in beiden Landkreisen. Die Geburtenzahlen hingegen kletterten in den letzten Jahren nach oben. Insbesondere hinsichtlich der Wochenbettbetreuung informierten die Hebammen von Anfragen zu vieler Mütter, die eigentlich Hilfe benötigt hätten. Deshalb – so der Landrat – erließ der Freistaat vor drei Jahren eine »Richtlinie zur Förderung der Geburtshilfe in Bayern«. Die Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land beteiligten sich.

Ziel der Netzwerkstelle ist nach Landrat Walch, die regionale Versorgungssituation rund um die Geburtshilfe zu verbessern. Relevante Akteure werden vernetzt. Das bestehende Angebot wird optimiert. Gleichzeitig sollen Nachwuchskräfte gewonnen und aktive Hebammen unterstützt werden. Die Gesamtkosten des Projekts liegen bei 92.400 Euro pro Jahr. Die Landkreise treffen geringe Eigenanteile, die sich nach der Zahl der Geburten richten. Demnach kommt der federführende Landkreis Traunstein, an dessen Landratsamt auch die Netzwerkstelle angesiedelt ist, für 70 Prozent der Personal- und Sachkosten auf, das Berchtesgadener Land für 30 Prozent. Den Löwenanteil finanziert der Freistaat.

Verena Eisenberger lieferte Einzelheiten. Die von den »Gesundheitsregionen plus« begleitete Einrichtung arbeite eng zusammen mit den Kreiskliniken Südostbayern (KSOB) und den regionalen Hebammen. Unter den Aktivitäten der Netzwerkstelle seien regelmäßige Netzwerktreffen, eine stets topaktuelle Hebammenliste, Öffentlichkeitsarbeit und eine Homepage, ein wohnortnahes Fortbildungsangebot für Hebammen, Stipendien und in jedem Landkreis zwei »Wochenbettambulanzen«. Von der Arbeit der Netzwerk-stelle profitierten Hebammen durch regionale Fortbildungen und organisatorische Unterstützung wie Eltern, auch werdende, durch das Hebammenverzeichnis, durch Informationsmaterial und Wochenbettambulanzen. Für Nachwuchskräfte gebe es Bildungsmessen, ein Stipendienprogramm, Kooperationen mit Hochschulen und Unterstützung beim Start in den Beruf. Laut Verena Eisenberger ist beispielsweise geplant, die Versorgungskonzepte weiterzuentwickeln, die Suchfunktionen auf der Homepage zu erweitern und für Hebammen eine zentrale Anlaufstelle für Kursangebote zu schaffen.

kd