Mehr Jugendsozialarbeit an Ludwig-Thoma-Grundschule

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An der Ludwig-Thoma-Grundschule steigt das Hilfsangebot: Pro Woche leisten Fachkräfte künftig nicht mehr 40, sondern 60 Stunden Jugendsozialarbeit. (Foto: Pültz)

Traunstein – Der Landkreis verstärkt die Jugendsozialarbeit an der Ludwig-Thoma-Grundschule in Traunstein. Einstimmig hat der Jugendhilfeausschuss beschlossen, die Wochenstunden von 40 auf 60 aufzustocken. Das Gremium hat das Jugendamt beauftragt, die Aufnahme einer zusätzlichen halben Stelle an der Ludwig-Thoma-Grundschule in das staatliche Förderprogramm für Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) zu beantragen und die vertraglichen Bedingungen entsprechend anzupassen. Dass die Aufnahme erfolgt, gilt als sicher. Auftragsnehmer ist Konis in Traunstein, ein freier Träger der Jugendhilfe. 


Zusammen mit weiteren Partnern finanziert der Landkreis die Jugendsozialarbeit an der Ludwig-Thoma-Grundschule. Die bislang bewilligten 40 Wochenstunden kosten insgesamt rund 81 000 Euro im Jahr. Allein der Landkreis zahlt 48 000 Euro. Wenn zu den 40 Wochenstunden, die auf zwei halbe Stellen aufgeteilt sind, noch 20 hinzukommen, steigen die Ausgaben auf 122 000 Euro. Der Landkreis übernimmt dann 73 000 Euro – und damit rund 25 000 Euro mehr als bislang.

Seit dem Schuljahr 2018/19 läuft an der Grundschule an der Ludwigstraße in Traunstein – mit 430 Schülern ist sie die größte ihrer Art im Landkreis – Jugendsozialarbeit. Vor rund zwei Monaten stellte die Schulleitung den Antrag, die Maßnahme aufzustocken.

»Da im Grundschulbereich die Elternarbeit eine besondere Bedeutung hat, ist der zeitliche Aufwand der Einzellfallarbeit hier im Schnitt wesentlich höher«, erläuterte Landrat Siegfried Walch im Ausschuss den Sachverhalt. »Durch einen hohen Anteil an Familien mit Migrationshintergrund ist die Kommunikation mit den Eltern oft schwierig, die derzeit aber besonders wichtig ist.« Als Schwerpunkte in der Arbeit mit den Schülern sehe die Schulleitung Konflikte, den Medienkonsum sowie Probleme in der Familie und in der Persönlichkeitsentwicklung.

Im Zuge einer Analyse sei das Amt für Kinder, Jugend und Familie zu dem Schluss gekommen, so Walch, dass ein weiterer Bedarf an Jugendsozialarbeit an der Grundschule im Rahmen von mindestens einer halben Stelle bestehe. Das staatliche JaS-Förderprogramm gebe ausdrücklich die Möglichkeit, in Schulen mit mehr als 400 Schülern – wenn ein entsprechender Bedarf vorliegt – über eine JaS-Vollzeitstelle hinauszugehen.

Wenn der Landkreis die Wochenstundenzahl erhöht, erhält er Unterstützung. So führte der Landrat auch aus, dass die Stadt Traunstein mündlich die Übernahme des steigenden kommunalen Anteils in Aussicht gestellt habe.

Landrat Siegfried Walch betonte in der Diskussion, dass die Aufstockung der Wochenstundenzahl an der Ludwig-Thoma-Grundschule in Traunstein nicht bedeute, dass der Landkreis nun alle JaS-Maßnahmen, die möglicherweise beantragt werden, »durchwinkt«. Der Bedarf werde im Einzellfall geprüft. »Wir schauen immer ganz genau hin.«

Auch Markus Schupfner befürwortete die Verstärkung der Jugendsozialarbeit an der Ludwig-Thoma-Grundschule. Er sei zwar »immer skeptisch«, wenn Anträge eingehen, doch im vorliegenden Fall gehe er davon aus, dass ein Bedarf bestehe.

Margarete Winnichner, die zweite Vorsitzende des Diakonischen Werks Traunstein, sagte, dass an der Ludwig-Thoma-Schule »viel zu tun ist«. Winnichner führte weiter aus : »Die Lehrer machen einen tollen Job« – doch sie bräuchten aber auch Fachkräfte an ihrer Seite, die Aufgaben neben der Bildung übernehmen.

Waltraud Jetz-Deser erinnerte daran, dass der Landkreis Traunstein ein Vorreiter in Sachen Jugendsozialarbeit an Schulen gewesen sei. Sie fragte an, ob denn die Landkreisverwaltung alle JaS-Maßnahmen einmal auflisten könne – was Walch zusagte.

Der Landrat meinte, dass die Jugendsozialarbeit nicht nur den Schülern helfe, die in einer schwierigen Phase sind, sondern auch allen anderen. Denn auf diese Weise könnten Konflikte bewältigt werden, die den Schulalltag beeinträchtigen. pü