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Der Kreisausschuss Traunstein tagte – Zuzüge aus Flüchtlingsländern und der EU lassen auch die Schülerzahlen ansteigen

Mehr junge Menschen im Landkreis: Alterspyramide an der Basis breiter

Traunstein – Durch Zuzüge von Menschen mit Migrationshintergrund und aus der EU kletterte die Einwohnerzahl im Landkreis Traunstein zwischen Ende 2016 und Mitte Februar 2018 von 175.431 um rund 2000 auf 177.443 Personen.

Die vielen Zuzüge vor allem jüngerer Menschen lassen die Alterspyramide an der Basis wesentlich solider und breiter werden.

Dabei übersteigt die aktuelle Zahl der EU-Ausländer mit erstem Wohnsitz im Landkreis von 7606 die der Flüchtlinge unabhängig vom Status mit 2819 deutlich. In der gestrigen Kreisausschusssitzung mit Landrat Siegfried Walch, in der es um die Schulbedarfsplanung bis 2030 ging, wurde auch deutlich: Die Übertrittsquoten auf Realschulen und Gymnasien werden sinken, die Mittelschulen werden durch wachsende Schülerzahlen aufgewertet.

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Die Fakten sind Teil einer neuen Studie, erstellt von Dr. Herbert Thekles von der Firma Demosplan, Gesellschaft für demographische und soziale Planungen. Sie führte die letzte Schulbedarfsplanung aus dem Jahr 2010 fort. Wie der Landrat betonte, haben sich die damaligen Prognosen für die Realschulen und Gymnasien in Sachaufwandsträgerschaft des Landkreises weitgehend bestätigt. Durch veränderte Rahmenbedingungen wie der Wiedereinführung des G9 und der zwischenzeitlichen Bevölkerungsstruktur sei die neue Studie notwendig geworden – um Aussagen für die nächsten Jahre treffen zu können.

Die Anzahl der Schüler an Gymnasien entwickelte sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten wechselnd – von 3895 im Schuljahr 1997/98 auf den vorläufigen Höhepunkt von 5035 im Jahr 2008 und zwischenzeitlich 4042 jungen Leuten. Die Prognose von Dr. Thek-les geht von weiter leichter Tendenz nach unten bis 2024 und danach Zunahme auf einen Endstand 2030 von 4400 Schülern aus.

Die Fachfirma ermittelte anhand des jeweiligen Einzugsgebiets für einzelne Schulen Vorhersagen. Das Annette-Kolb-Gymnasium Traunstein wird demnach weiter enorm an Beliebtheit gewinnen. Besuchten es im vergangenen Jahr 750 Schüler, so rechnet man 2024 bereits mit einer Zahl von etwa 1100. Anders sieht es beim Chiemgau-Gymnasium Traunstein aus. Die Schülerzahl von aktuell gut 900 sehen die Fachleute von Demosplan bis 2024 fallen auf etwa 650, ehe sie wieder nach oben geht.

Mehr Schüler für Traunreuter Gymnasium

Einen positiven Verlauf mit Anstieg von derzeit ungefähr 540 Schülern auf rund 800 im Jahr 2030 soll das Johannes-Heidenhain-Gymnasium Traunreut aufweisen. Die Gesamtzahl der Schüler am Hertzhaimer-Gymnasium Trostberg von zurzeit etwa 630 soll leicht fallen, sich zwischen 2019 und 2024 um einen Wert von 600 Schülern bewegen und sich anschließend bis 2030 auf 750 junge Leute erhöhen.

Bei allen Realschulen zusammen mit aktuell etwa 3300 Schülern prognostiziert die Planungsgesellschaft erst einen Rückgang auf rund 3100, dann wieder eine Zunahme der Schülerzahl auf 3200. Diesem Trend folgen die Reiffenstuel-Realschule in Traunstein und die Achental-Realschule in Marquartstein. Die Realschule in Trostberg mit jetzt ungefähr 820 Schülern hingegen wird nach Dr. Thekles immer mehr Schüler anziehen – bis zu über 1100 im Jahr 2030.

Die Zahl der Grundschüler von etwas über 6000 im laufenden Schuljahr werde auf Werte von um die 7000 Schüler ab 2026 klettern, die Zahl der Zehn- bis 15-Jährigen von 7600 auf 9000 am Ende der Planungsperiode. Dr. Thekles dazu: »Die Grundschule wird im Landkreis Traunstein eine größere Zukunft haben. Das gilt auch für die Realschule.«

Der Referent schloss seinen Vortrag mit einem interessanten Hinweis: Die Zahl der zwischen 1969 und 2016 im Kreis gebauten Wohnungen zeigte Spitzenwerte in den Jahren 1971, 1994 und 1996. Das Fazit des Fachmanns: »Wie in den 1990er Jahren kommen erst die Menschen. Dann wird gebaut.«

Schulhäuser gut gerüstet – bis auf das AKG

»Unsere Schulhäuser sind für die künftigen Schülerzahlen gerüstet – mit Ausnahme des Annette-Kolb-Gymnasiums. Und dort können wir nicht erweitern«, eröffnete der Landrat gestern die Diskussion. Von »einem Signal, dass sich alles wieder normalisiert«, sprach Heinz Wallner, Bayernpartei. Die Mittelschulen bekämen wieder Zuwachs, auch aus Kreisen von Flüchtlingen und EU-Zuzüglern. Der Kreisrat befürchtete ein Konfliktpotenzial im Wohnungsbereich: »Wir müssen überlegen, wie wir mit dem Flächenverbrauch, dem Wohnungsbau und dem Naturschutz umgehen.«

Einen anderen Aspekt führte der Landrat an. Die Erwartungshaltung bei Wohnraum pro Bürger sei angestiegen. Deshalb baue der Landkreis bei Wohnraummaßnahmen »in die Höhe«, benötige aber auch Flächen. Dr. Lothar Seissiger, FW/UW, forderte wie andere Kreisräte, das Bundesbaugesetz zu ändern.

Die von Willi Geistanger, Bündnis 90/Die Grünen, angeschnittene Diskrepanz bei den Schülerzahlen der zwei Gymnasien in Traunstein erklärte Siegfried Walch mit der Vorliebe von Mädchen für das Annette-Kolb-Gymnasium wegen bestimmter Fächerkombinationen. »Wunschschulen« erteilte der Landrat eine Absage: »Wir können nicht eine Schule leer stehen lassen und eine andere ständig ausbauen.«

Arbeitsplätze ziehen Menschen an

Angesichts von Kindern mit Migrationshintergrund, die verstärkt Mittelschulen besuchen, gab Dr. Thomas Graf, ÖDP, zu bedenken: »Produzieren wir nicht sozialen Sprengstoff, wenn einheimische Kinder in höhere Schulen gehen?« Das sei eine Herausforderung, meinte Dr. Herbert Thekles: »Es gibt mehr Flüchtlingskinder, vor allem aber aus der EU. Die Eltern ziehen wegen Arbeitsplätzen in den Landkreis. In Traunreut stammen 150 der 154 Flüchtlingskinder aus der EU. Und in Traunreut gibt es ein attraktives Lehrstellenangebot.«

Namens der Landkreisbürgermeister stellte Konrad Schupfner, CSU, fest: »Es ist ein Widerspruch, mehr Wohnungen zu bauen und gleichzeitig den Flächenverbrauch einzuschränken. Das ist kontraproduktiv.« Weiter zeigte sich Schupfner erfreut über die Stabilisierung der Mittelschulen. Mit höherem Anteil von Schülern aus Flüchtlingsfamilien werde der Unterricht anspruchsvoller. Die Mittelschule erfahre eine erhebliche Aufwertung, vertrat Waltraud Wiesholler-Niederlöhner, SPD. Nicht zu unterschätzen sei die Rückkehrerquote aus weiterführenden Schulen. kd