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Mehr Transparenz beim Videobeweis - Fehler beim Supercup

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Joshua Kimmich (r) diskutiert nach der Gelben Karte mit Schiedsrichter Daniel Siebert, der ihm für das Foul Sancho nur verwarnte. Foto: Guido Kirchner Foto: dpa

Mehr Transparenz, mehr Kameras und ein sogenannter »3er-Split« für die TV-Zuschauer - der von vielen Fußball-Fans noch immer kritisch beäugte Videobeweis soll besser werden. Doch schon beim Supercup lief nicht alles nach Plan.


Köln (dpa) - Die Präsentation der künftigen Fortschritte beim Videobeweis begann mit der Schilderung des jüngsten Missgeschicks.

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Als DFB und DFL am Rande eines Workshops mit Clubvertretern in Köln über die geplanten Weiterentwicklungen der vor zwei Spielzeiten in der Bundesliga eingeführten Technologie informierten, begaben sich die Protagonisten zunächst in die Defensive.

Mit dem Hinweis auf ein Fehlverhalten des Videoassistenten beim Supercup nahmen sie Stellung zu der von vielen Beobachtern kritisierten Entscheidung, dass der Münchner Fußball-Nationalspieler Joshua Kimmich nach seinem Foul gegen Dortmund-Profi Jadon Sancho nur Gelb gesehen hatte.

»Eigentlich hätte es so sein müssen, dass der Videoassistent den Schiedsrichter bittet, sich die Szene am Monitor selbst anzuschauen. Das ist nicht erfolgt. Deshalb war die regeltechnische Umsetzung nicht korrekt. Das hätten wir uns anders gewünscht«, bekannte Jochen Drees, DFB-Projektleiter für den Bereich Videoassistent.

Der Münchner Außenverteidiger hatte bei der 0:2-Niederlage des FC Bayern dem Engländer Sancho in der 76. Minute auf den Fuß getreten. Viele Beobachter werteten diese Szene an der Außenlinie jedoch als rotwürdig. Ähnlich sah es Lutz Michael Fröhlich, Sportlicher Leiter der Elite-Schiedsrichter: »Er tritt ihn zwar nicht mit großer Dynamik, aber ungebremst auf den Fuß. Das wird regeltechnisch als ein Feldverweis eingeordnet.«

Drees versprach Besserung und hielt wenig davon, den Vorfall zu dramatisieren: »So etwas kann passieren. Aber das ist kein großes Drama. Es stand 2:0 für Dortmund und hatte keinen Einfluss auf die Partie. Aber wir werden diese Szene natürlich aufarbeiten müssen.« Nicht ohne Stolz verwies er auf den insgesamt positiven Trend beim Videobeweis in der vergangenen Saison: »Wir haben 82 Fehlentscheidungen verhindert. Das ist für mich super.«

Mit großem Eifer arbeiten alle Beteiligten an der Verbesserung des 2017/18 in der Bundesliga und in diesem Jahr auch im Fußball-Unterhaus eingeführten Videobeweises. So soll ein schnellerer Informationsfluss künftig für mehr Transparenz sorgen. Kompakte textliche Erklärungen auf den Leinwänden informieren die Stadion-Besucher in Zukunft umgehend darüber, warum der Video-Assistent eingeschaltet wurde und welche Szene gerade überprüft wird. Für TV-Zuschauer stehen dieselben Informationen über ein sogenanntes Basissignal als Grafik zur Verfügung, die von den DFL-Medienpartnern optional genutzt werden können.

Darüber hinaus sollen neue Kameraperspektiven die Arbeit der Video-Assistenten nachvollziehbarer machen. So bekommt der Zuschauer einen sogenannten »3er-Split« geboten, auf dem sowohl die zu überprüfende Szene als auch der Schiedsrichter am Spielfeldrand beim Bildschirm-Check und der Videoassistent im Kölner Keller bei der Arbeit zu sehen sind. Damit soll nachvollziehbarer werden, auf welcher bildlichen Grundlage der Referee seine Entscheidung trifft. »Da guckt jeder daheim im Prinzip Schiedsrichter-TV«, sagte Ansgar Schwenken, Direktor der Deutschen Fußball Liga (DFL).

Die Anfang März vom International Football Association Board (IFAB) und vom Weltverband FIFA beschlossenen Regeln sollen ebenfalls helfen, Fehlentscheidungen in Zukunft zu minimieren. Insbesondere die Präzisierungen der Handspielauslegung dienen den Schiedsrichtern als Entscheidungshilfe. »Insgesamt sind nun mehr Fälle explizit beschrieben und eindeutig geklärt. Aber es wird weiter Streitfälle geben«, kommentierte DFB-Lehrwart Lutz Wagner.

Infos des DFB zum Videobeweis