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Meiler am Teisenberg entzündet

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Segnend umschritt Pfarrer Martin Klein den Meiler, begleitet von der Köhlerliesl Theresa Zollhauser mit dem Weihwasserfass. (Foto: Mergenthal)

Teisendorf – Es raucht wieder unter dem Teisenberg: In etwas kleinerem Rahmen wurde der Kohlenmeiler entzündet. Der Köhlerverein Neukirchen hat sich entschlossen, unter Beachtung der üblichen Hygiene- und Abstandsregeln trotz der Corona-Situation einen Meiler aufzustellen, aber mit verändertem Konzept. Statt der üblichen Veranstaltungen und Feste während der Köhlerwochen, gibt es nur ein schlichtes, gemütliches Beisammensein an der Köhlerhütte.


Im vergangenen Jahr waren die Köhlerwochen ja ausgefallen wegen der Neukirchner Festwoche im Sommer. Der Wintermeiler 2019 hatte nicht so viel Kohle erbracht, die magere Ernte waren 1,4 Tonnen. Daher ist die Kohle des Vereins nun knapp geworden, doch die Nachfrage der Abnehmer ist groß. Eine gute Kohlenernte seien 90 Kilo Kohle von einem Ster (Kubikmeter) Holz, erklärt Vereinsvorsitzender Alois Prechtl. Der aktuelle Meiler sei aus 50 Ster Holz gebaut, sodass man auf eine Ausbeute von 4,5 Tonnen Kohle hoffe.

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Mit Unterstützung von Mesnerin Juliane Obermayer und der neuen Köhlerliesl Theresa Zollhauser segnete Pfarrer Martin Klein im Rahmen einer kleinen Andacht den Meiler. Theresa Zollhauser (21) aus Achthal war zur Nachfolgerin der letzten Liesl Tine Maier gewählt worden. Die junge Achthalerin spielt bei der See-Doi-Musi Gitarre und ist von Beruf Erzieherin. Derzeit kümmert sie sich in der Kinderkrippe um die Allerkleinsten. Im Herbst wechselt sie in den Kindergarten Teisendorf. »An meiner Aufgabe als Köhlerliesl reizt mich den Zusammenkommen, einmal den ganzen Ablauf mitmachen«, verriet sie. Eine solche Tradition habe nicht jeder.

Als Lesung hatte der Pfarrer eine Stelle aus dem ersten Korintherbrief ausgewählt: »Der Gnade Gottes entsprechend, die mir geschenkt wurde, habe ich wie ein weiser Baumeister den Grund gelegt; ein anderer baut darauf weiter. Aber jeder soll darauf achten, wie er weiterbaut. Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus«, heißt es darin.

»Ihr habt, liebe Köhler, den Grund gelegt, jetzt muss ein anderer weiterbauen«, sagte der Pfarrer. In das Gebet wurde unter anderem die Bitte um eine reiche Kohlenernte und um heitere, unbeschwerte Tage eingeschlossen. Alle Gebete waren passend zur Köhlerei formuliert. Mit Weihwasser und Weihrauch umschritt der Priester den Meiler und segnete ihn. Den Weihwasserkessel trug die Köhlerliesl, die Prechtl vor der Andacht mit einer Schärpe offiziell in ihrem Amt begrüßt hatte.

Danach entzündete Manuel Baumgartner mit Hilfe anderer Köhler einen Stab mit einer Lunte. Blitzschnell schoben ihn die Liesl und Bürgermeister Thomas Gasser durch einen frei gelassenen Kanal ins Innere des Meilers. Die Enkel des Vorsitzenden, Max (8) und Tobi (7), Söhne von Musikmeister Thomas Prechtl, und einige andere Kinder aus dem benachbarten Gschwendt schauten nach, ob der Meiler brennt. »Mia derfn heier beim Abbauen helfen«, verriet Max stolz. Und die Kleineren dürften beim Ablöschen mit anpacken. Der Nachwuchs ist also gesichert.

Manuel Baumgartner kontrollierte selber nochmal, ob alles geklappt hatte. »Leute, er brennt, Applaus«, konnte Alois Prechtl schließlich erleichtert verkünden.

»Es ist schön, dass wir über diese Schiene wieder ein bisserl zur Normalität zurück finden«, sagte Bürgermeister Thomas Gasser danach beim gemütlichen Beisammensein an der Köhlerhütte. Eigens aus dem Frankenwald waren Peter Mannigel und Hartmut Biesinger von den Thiemetztaler Köhlerfreunden, auch Mitglieder in Neukirchen, angereist und hatten einen »Altfränkischen Kräuterlikör« mitgebracht. Am Abend hielt die Musikkapelle hier ihre Probe.

Damit die Bedienungen in der Hitze nicht mit Masken herum laufen müssen, gibt es heuer Selbstbedienung. Man kann den Meiler jederzeit besichtigen und bei Durst etwas trinken. Das Köhlerfest am 15. August entfällt laut Prechtl. Stattdessen versuchten die Köhler heuer eine neue Methode, die den Abbau erleichtern soll und weniger Wasser erfordert: Der Meiler werde ab Mitte August luftdicht abgeschlossen und »abgetötet«. Geerntet werde die Kohle aus dem bereits etwas ausgekühlten Meiler dann am 29. oder 30. August je nach Witterung. Diese Methode praktizierten auch einige andere Köhlervereine. »Die Wanderköhler haben das oft so gemacht und inzwischen einen anderen Meiler gebaut. Sie haben im Wald auch nicht so viel Wasser gehabt.« vm