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»Meine Oma ist wie eine Katze«

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90 Jahre alt wurde Margareta Tremmel aus Traunwalchen am gestrigen Sonntag. (Foto: Rasch)

Traunreut – »Meine Oma ist wie eine Katze: Essen, Schlafen und um das Haus rum gehen«. Über diesen Satz ihrer Enkelin Ramona kann Margareta Tremmel aus Traunwalchen herzhaft lachen. Und es ist schön, die aufgeweckte betagte Dame lachen zu sehen.


Wenn man ihr Leben so betrachtet, hatte sie weiß Gott nichts zu lachen. Ihr Leben war geprägt von Armut, schwerer Arbeit und harten Schicksalsschlägen. Am gestrigen Sonntag feierte Margareta Tremmel ihren 90. Geburtstag. Im Rückblick auf ihr Leben sagte sie dem Traunsteiner Tagblatt: »Ich kann es gar nicht glauben, dass ich 90 Jahre alt bin.«

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Am 24. Juni 1928 im rumänischen Wolfsberg (Banat) geboren und aufgewachsen, musste sie schon früh auf dem Bauernhof mitarbeiten. Die Familie war völlig verarmt. »Ich bin in Armut aufgewachsen. Wir haben nichts gehabt«, erzählt sie und wischt sich die Tränen aus den Augen. Ein sorgloses Leben mit Wohlstand hat sie nie gekannt. Süßigkeiten waren ihr fremd. »Schokolade habe ich gar nicht gekannt.«

Das Jahr 1945 bedeutete nicht nur das Ende des Zweiten Weltkriegs, sondern auch den Beginn des Leidenswegs von Rumäniendeutschen in der Sowjetunion. Margaretha war 17 Jahre alt, als die Menschen aus ihrem Dorf in die Sowjetunion verschleppt wurden, um dort Zwangsarbeit zu verrichten. Darunter war auch ihr Vater, der die Deportation nicht überlebte. »Mein Vater ist in Russland verhungert.« Sie selbst konnte sich der Verschleppung entziehen. »Ich habe mich versteckt und konnte so mit meiner Mutter in meiner Heimat bleiben.«

Ihren späteren Ehemann durfte sich Margareta nicht aussuchen. Den bestimmte ihre Mutter, die ein zweites Mal geheiratet hatte. Deren neuer Mann hatte einen Sohn, den die Mutter für ihre Tochter Margaretha ausgesucht hatte. »Ich musste den Josef heiraten.« Das erste gemeinsame Kind, eine Tochter, wurde nur zwei Monate alt. 1950 kam Tochter Veronika zur Welt und zehn Jahre später Tochter Anna.

Nach dem politischen Umsturz 1989 reisten fast alle Bewohner aus ihrem Dorf nach Deutschland aus. »Es hat fast kein Mensch mehr in unserem Dorf gewohnt. Sie sind alle ausgewandert.« Ihre älteste Tochter, die mit ihrer Familie in Sankt Georgen lebt, war mit ihrer Familie bereits 1991 nach Traunreut gezogen. 1993 wagte auch der Rest der Familie Tremmel den Schritt in Richtung Bayern. Zunächst wurde die Familie in Traunstein untergebracht, bevor sie ein Jahr später in Traunreut eine eigene Wohnung beziehen konnte.

Nach dem Tod ihres Mannes 2014 zog Margareta Tremmel zu ihrer Tochter Anna nach Traunwalchen. In dem neuen Zweifamilienhaus »Am Frauenbrunn« fehlt es der dreifachen Oma und zweifachen Uroma an nichts. Sie wird von ihrer Familie liebevoll umsorgt und werkelt nach wie vor im Garten. »Unsere Mutter braucht immer was zu werkeln. Ihre Hände waren nie ruhig«, sagt Tochter Veronika.

Was sie in Traunwalchen aber vermisst, ist der Kontakt zu ihren Bekannten: »In Traunreut habe ich viele Bekannte gehabt. In Traunwalchen kenne ich niemanden«, bedauert sie. Dass sie ihren Lebensabend im Kreise ihrer Familie verbringen kann, weiß sie dennoch zu schätzen: »Ich bin froh, dass ich eine gesunde Familie habe und wünsche mir, dass es mir auch die nächsten zehn Jahre noch so gut geht und ich nicht gepflegt werden muss.«

Auch wenn es hin und wieder in den Beinen zwickt: »Ich bin fit, mir tut nix weh«, sagt sie. Und damit das auch noch lange so bleibt, schwört sie auf ihr tägliches Frühstück: »Ich trinke jeden Morgen ein Glas lauwarmes Wasser mit einem Schuss Wein. Dazu esse ich ein dünnes Honigbrot.« ga