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Franz Prinke und Ingrid Bauer stellen Werke im Gut Edermann in Holzhausen aus

Meister der Form und Magierin der Farbe

Ingrid Bauer und Franz Prinke stellen Werke wie Bauers Gemälde »Herzblut« (links) und Prinkes Meditationsbild (ganz rechts) in Gut Edermann aus. (Foto: Mergenthal)

Klarheit und Ruhe strahlen die Skulpturen von Franz Prinke aus. Die explosive Farbigkeit der Gemälde von Ingrid Bauer geht mit ihnen in der aktuellen Ausstellung in Gut Edermann in Holzhausen eine reizvolle, kontrastreiche Symbiose ein. Bis Ende des Jahres zeigen der Uferinger und die Wagingerin ihre Werke im täglich von 7 bis 23 Uhr öffentlich zugänglichen Hotelbereich.


Bereits vor dem Eingangsportal stehen farbig gefasste Figuren und »Flora«, eine Art Allegorie der Blumen- und Pflanzenwelt. Wie eine unbemalte Musikergruppe im Garten hat Prinke sie aus Modellierbeton kreiert.

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Im Innenbereich des Hotels zeigt Prinke, der vor allem für seine Großskulpturen an markanten öffentlichen Plätzen im Gemeindegebiet bekannt ist, bewusst kleinere Arbeiten. Er fordert den Ausstellungsbesucher zum genauen Hinschauen auf, um im Foyer zwischen dem Inventar, das natürlich auch ablenkt, an passenden Plätzen seine Werke zu entdecken. So findet sich hier ein Keramik-Falke oder ein weitgehend abstrahiertes Bison aus geschliffenem Kirschbaum.

Franz Prinke zeigt Können und Vielseitigkeit

In seinen Kleinskulpturen zeigt der Bildhauer, der die Schnitzschule in Berchtesgaden und die Meisterschule für Holz- und Steinbildhauer in München absolviert hat, sein ganzes Können und seine erstaunliche Vielseitigkeit in der Materialwahl und der Materialbearbeitung. Sehr gern arbeitet er mit Untersberger Marmor, etwa bei seinen Paar-Skulpturen. Bei einem Paar hat er die Oberfläche glatt geschliffen, bei einem anderen hat er sie nur »gestockt«, also sie nach dem Heraushauen der Form mit einem speziellen Werkzeug geklopft, damit die Oberfläche feiner wird – eine Vorstufe des Schleifens.

Im Gang zum Wellnessbereich sticht eine archaisch wirkende Kuh aus patinierter Bronze ins Auge, an der Prinke die weißen Gipsreste vom Guss bewusst belassen hat. Daneben tummeln sich ein Keramik-Eisbär, eine Taube aus Ulme und eine Katze aus Akazie, bei der der Künstler sich beim Schnitzen von den vorgegebenen Linien im Naturwerkstoff leiten ließ. »Oft springt mich das Holz oder die Maserung an«, erklärt er. Die Form ergebe sich dann. Die Negativabdrucke der Oberseite von Zaunpfosten hat Prinke in Raku gebrannt und aus acht Keramikplatten und einer zentralen Bronzeplatte mit einer eingeritzten Spirale ein eindrucksvolles Meditationsbild gestaltet. Verspielte Tierkeramiken und eine Kugel aus Metallverschlingungen bereichern den Saunagarten.

Ingrid Bauer begann bereits 1975 durch Eigenstudium mit der Malerei und 1995 mit der Acryltechnik sowie mit der Aus- und Weiterbildung in der Sommerakademie in Bad Reichenhall. Seit 1982 gehört sie der Gruppe »Frauenart« an und hat seit 2002 ihr eigenes Atelier in Waging.

Ingrid Bauer ist »eine Bauchmalerin«

»Ich bin eine Bauchmalerin«, erklärt sie. In der Früh fängt sie mit ihrer Arbeit an der Staffelei an. »Entweder es wird was oder nicht.« Im Schaffensprozess lässt sie sich vom spontan Entstehenden die Hand führen und sucht am Ende passende Titel aus, wie »Wasserfall«, »Herzblut«, »Indian Summer« oder »Der Tag war pink«.

Zu 90 Prozent malt sie gegenstandslos. »Das Abstrakte muss auch stimmig sein«, betont die Malerin. Einige gegenständliche Bilder von Bergen, teils konkrete und teils Fantasielandschaften, zieren das Foyer. Ansonsten hat der Betrachter in den Gängen, im Restaurant und im Frühstücksraum viel Raum für seine eigene Deutung der meist wild bewegten Linien und kraftvollen Farben, die zu teils explosiven, teils meditativen Impressionen komponiert sind. Manchmal verbindet Ingrid Bauer die Acrylfarbe mit Materialien wie Sand, Kohle oder Grafit.

Nachhaltigen Eindruck hinterlassen das großformatige »Terra X«, das an Lava und Erdstrukturen erinnert und in Kontrast steht zu den kühlen Türkis- und Blautönen beim Bild »Auftauchen«, und die Arbeit »Afrika«: Mit reduzierten Mitteln und konzentriert setzt Letzteres das Beieinandersitzen von drei Menschen, Exotik, Gemeinschaft und Wärme in Szene. Spannend ist es, den Dialog und die Wechselwirkungen zwischen Prinkes Plastiken und Bauers so ganz andersartiger Malerei einfach auf sich wirken zu lassen. Veronika Mergenthal