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Meisterhafte Exzellenz

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Für Begeisterung und Beifall der Zuhörer sorgte das Mariani Klavierquartett beim Auftakt der Traunsteiner Sommerkonzerte mit (von links) Gerhard Vielhaber, Peter-Philipp Staemmler, Barbara Buntrock und Philipp Bohnen. (Foto: Aumiller)

Bei der programmatischen Ausrichtung der Traunsteiner Sommerkonzerte setzt Imke von Keisenberg in diesem Jahr auf Kammermusikwerke aus Frankreich und Belgien in Kombination mit den Klassikern und manch zeitgenössischem Beitrag. Den Eröffnungsabend gestaltete das Mariani Klavierquartett.


Diese Formation aus Klavier, Violine, Viola und Violoncello ist sowohl an Werkauswahl als auch an spezifischen Ensembles weit weniger bestückt als das breite Œvre an Streichquartetten. Aber die besonderen Reize liegen in der Bereicherung der Klangkomponente, die das Klavier den Streicherfarben zumischt.

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Der Geiger Philipp Bohnen, der auch Mitglied der Berliner Philharmoniker ist, die Bratscherin Barbara Buntrock, der Cellist Peter-Philipp Staemmler und der Pianist Gerhard Vielhaber begeisterten in ihrer besonderen Mischung aus pulsierender Schwerelosigkeit in der Klanggestaltung und gleichzeitiger Seriosität und Ernsthaftigkeit in der Herangehensweise an das jeweilige Werk.

Ihre Spielweise zielte nicht auf äußere Effekte, war aber von großer Wirkung in einer Art Sogkraft auf die Zuhörer, die zum aufmerksamen Miterleben zwang. Ihr Zusammenspiel schien von einem gegenseitigen inneren Magnetismus gesteuert, der eine perfekt austarierte Klangbalance zeitigte, die aber dennoch die eigenen instrumentalen Qualitäten voll auszuschöpfen erlaubte. Bemerkenswert waren auch die fabelhafte Legatokultur in den melodisch kantablen Phrasen, die minutiös ausgeführten Details ebenso wie eine Art rollende Wellenbewegung in großer dynamischer Bandbreite. Das Klavier, teilweise führend, brachte Virtuoses in klarem, perlenden Anschlag, mal kraftvoll mal zartbesaitet ins Spiel.

Der junge Ludwig van Beethoven war in seinem Quartett Es-Dur op.16 stark von Mozart inspiriert, hatte es zuerst als Quintett für Klavier und Bläser geschaffen, aber gleichzeitig alternativ als Klavierquartett veröffentlicht. Das Werk erfuhr in der Wiedergabe des Mariani Quartetts durch Akzentuierungen, dynamische und modulierende Kontraste sowie überraschende Wendungen lebensvolle Charakterisierung. Romantisch-poetische Qualitäten brachten die Musiker ins pulsierende Spiel bei Robert Schumanns Klavierquartett Es-Dur op. 47. Eine Vielfalt an Farben generierten sie zwischen fein sinnierender Qualität und kraftvollem Strömen. Das Klavier war hier führend, lebhaft brillierend oder feinzeichnend. Eine sehr überzeugende Wiedergabe und ein profiliertes Plädoyer für das Schumann-Opus.

Das französische Element bedienten die Musiker mit Gabriel Faurés Quartett Nr.2 g-Moll op.45. Spätromantische Einflüsse formten dabei schillernde Harmonien, die aufgemischt wurden mit kräftigen Kanten oder melodischen Farben.

Im Adagio-Satz kam kantable Melancholie auf, im Scherzo unbekümmerte Beschwingtheit und das Finale mutete beinahe wie eine rauschhafte Tanz-Ekstase an. Das Mariani Quartett ließ in der glänzenden Wiedergabe mit intensivem Einsatz große Affinität zu Faurés Klangstruktur erkennen.

Elisabeth Aumiller