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Meisterliche Bläser mit A-cappella-Chor

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Meisterliches Zusammenspiel: das Grassauer Blechbläserensemble unter Leitung von Wolfgang Diem (links) trat an Erntedank in der Baumburger Stiftskirche zusammen mit dem »Collegium Vocale Friedberg« unter Bernd-Georg Mettke (Mitte, dirigierend) auf. (Foto: Schlaipfer)

Sie setzen mit jedem Auftritt Akzente und sind offen für Neues: Die Grassauer Blechbläser unter Wolfgang Diem sorgten auch bei ihrem 31. Auftritt in der Baumburger Stiftskirche zu Erntedank für eine Überraschung. Erstmalig gastierten sie mit einem A-cappella-Chor, dem »Collegium Vocale Friedberg« unter der Leitung von Bernd-Georg Mettke.


Durchs Programm führte nach der Begrüßung von Gemeindereferentin Irmi Huber diesmal Jo Schmuck. Nach dem letztjährigen Jubiläumskonzert sollte es dieses Jahr etwas ruhiger werden, aber dennoch besonders – so präsentierten die Blechbläser das »Collegium Vocale Friedberg« als »Co-Interpreten«: Auf der einen Seite die zehn Mann starken Grassauer Blechbläser – Matthias Linke, Konrad Müller, Rupert Schmidhuber, Peter Boschner (Trompete), Johannes Kaltenbrummer (Waldhorn), Wolfgang Diem, Oswald Mayr, Tobias Spörlein (Posaune), Johann Schmuck (Bassposaune) und Peter Gassner (Tuba) –, deren 36-jähriges Bestehen von großen Auftritten in Süddeutschland, in Funk und Fernsehen geprägt war. Auf der anderen Seite ein renommierter Chor aus Friedberg bei Augsburg, der heuer sein 30-Jähriges feierte und bei regionalen als auch internationalen Wettbewerben erfolgreich war. Eine vielversprechende Kombination, die bereits Ende Juli in Friedberg Premiere feierte.

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Die Musiker glänzen auch an Trommeln und Tamburin

In Baumburg eröffneten die Blechbläser mit einem Reigen alter französischer Tänze das musikalische Miteinander. Diesmal aus der Feder von Claude Gervaise (arrangiert von Peter Reeve). Sie erinnerten an die Anfänge des Barock, mal heiter lebendig, mal getragen und höfisch ernst. Die zehn Musiker glänzten dabei nicht nur gewohnt an Posaunen und Trompeten (ihrem angestammten Metier) auf höchstem Niveau, sondern sorgten zudem für den Rhythmus an Trommeln und Tamburin. Bemerkenswert dabei: Für den erkrankten Sebastian Krause sprang kurzfristig Johannes Kaltenbrunner am Waldhorn ein und füllte die Lücke mit nur einer Probe – Chapeau!

Die folgenden drei Stücke zeichneten ein Bild der Stärken des Friedberger Chors und trugen die Handschrift seines Leiters Bern-Georg Mettke. Der langjährige Akademische Direktor am Lehrstuhl für Musikpädagogik in Augsburg ließ in Baumburg die Werke zeitgenössischer Komponisten aufleben. Zunächst mit Maurice Duruflés »Notre Père« – ein kurzer Chorsatz, ein Abendlob, ruhig und voller Emotion.

Die »Missa brevis« mit Gloria, Sanctus und Angus Dei von Zdenek Lukás zeigte die Stärken des 25 Frau und Mann starken Chores: Exakt, leicht und schwebend waren die Gefühlswelten, die dieses stimmige Ensemble nach außen trug. Auch das rhythmische »Cantate Domino« des litauischen Komponisten und Chorleiters Vytautas Miskinis zeugte von dieser Leichtigkeit, dieser musikalischen Heiterkeit, die den (Kirchen-)Raum erfüllte.

»Mund«-werkskunst vom Feinsten

Dazu passten die barocken Klänge Antonio Vivaldis. Mathias Linke hatte das »Concerto con 2 Trombe« auf die Blechbläser sowie speziell die Piccolo-Trompeten von Konrad Müller und ihm neu arrangiert. Auch ihre Soli waren präzise, »Hand«- respektive »Mund«-werkskunst vom Feinsten.

Seinen »persönlichen« Schlusspunkt setzte das »Collegium Vocale« mit einem Klassiker: Felix Mendelssohns »Denn er hat seinen Engeln befohlen«, ehe die Grassauer nochmals die Anhänger barocker Blasmusik verwöhnten. Wolfgang Diem, Tobias Spörlein, Oswald Mayr und Jo Schmuck ließen Chorale, Fugue und Prélude von Johann Sebastian Bach im Posaunen-Quartett zu einem Klangerlebnis werden.

Den musikalischen Höhepunkt ihres gemeinsamen Auftritts schufen die beiden »Klangwelten« zum Schluss mit dem »Prolog im Himmel« aus Goethes Faust. Der Holländer Jan Koestier hatte dieses Werk für Chor und zehn Blechbläser komponiert. Die Zuhörer erklatschten sich eine Zugabe: ein kollektiv im Kirchenschiff gesungenes »Im schönsten Wiesengrunde« (Wilhelm Ganzhorn) – meisterlich auch hier das Zusammenspiel vom Friedberger Chor und den Grassauer Blechbläsern, die einmal mehr ihre spontane Offenheit für Neues unter Beweis stellten. Stephan Schlaipfer