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Melancholie und Ekstase

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Bringen die unterschiedlichsten musikalischen Zutaten unter einen Hut (von links): Geiger Aliosha Biz, Alexander Lackner (Kontrabass), Krzysztof Dobrek (Akkordeon) und Luis Ribeiro (Percussion). (Foto: Heel)

Auch wenn der Begriff »Weltmusik« inzwischen geradezu inflationär verwendet wird, auf die Musik der Wiener Formation »Dobrek Bistro« trifft er in Bestform zu.


Um die Jahrtausendwende von dem polnischen Akkordeonisten (und Komponisten) Krzysztof Dobrek und dem russischen Geiger Aliosha Biz gegründet, leitet sich der Name aus dem russischen bystro (schnell) ab. Im Verbund mit dem Österreicher Alexander Lackner (Kontrabass) und dem aus Brasilien stammenden Luis Ribeiro (Percussion) haben die beiden eine Form des Zusammenspiels entwickelt, die nach allen Seiten hin offen ist und die unterschiedlichsten musikalischen Zutaten unter einen Hut bringt, von lateinamerikanischen Rhythmen über Gypsy Swing und Musette-Walzer bis hin zu slawischen Volksweisen.

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Wie das klingt, konnte man jetzt im gut besuchten Studiotheater des Traunreuter k1 miterleben, wo das Quartett, um es gleich zu sagen, einen wahrhaft furiosen Auftritt hingelegt hat. Abwechselnd moderiert von Aliosha Biz und Krzysztof Dobrek, entführten die vier Musiker ihr Publikum dabei so kühn wie kreativ in ihr eigenes musikalisches Universum, in dem, so Krzysztof Dobrek in einem Interview, der Salsa zigeunerisch, der Tango wienerisch und der Jazz jiddisch klinge und die Musette einen russischen Touch habe. Musik eben, die keine Grenzen oder Berührungsängste kennt, so einfühlsam wie spielfreudig präsentiert, wobei viele ihrer Stücke eher langsam, mit viel slawischer Schwermut begannen und sich dann kraftvoll bis in ekstatische Höhen schraubten und das Publikum immer wieder zu spontanem Beifall anregten. Ein Spiel, das zudem viel Raum für Improvisationen bot, dynamisch und sensibel.

Seinen Anfang nahm die Geschichte einst im Theater an der Wien, als sich Krzysztof Dobrek und Aliosha Biz Mitte der 1990er Jahre erstmals bei Proben zu dem Musical »Anatevka« als Mitglieder des Orchesters über den Weg gelaufen sind. Man freundete sich schnell an und erkannte bald, dass der folgende künstlerische Weg ein gemeinsamer sein würde. Und so erwuchs, nach Engagements als Begleitmusiker der Sängerin Maria Bill und beim »Acoustic Drive Orchestra« mit der Zeit der Wunsch, es auch einmal selbst mit einer eigenen Formation zu versuchen. Aber nicht fremdbestimmt, sondern ausgehend von den eigenen Wurzeln und Traditionen, verknüpft mit Klangsprachen, die ihnen ebenfalls zusagten, und am Puls der Zeit. In Summe ergab dies ein ebenso unkonventionelles wie weltoffenes Quartett, das sich in keine Schublade einordnen lässt und 2003 mit »Bistro Live« auch schon das erste Album veröffentlichte.

Bei ihrem Auftritt im k1 spielten die vier Ausnahme-Musiker hauptsächlich Stücke aus »Bistro III«, ihrem neuen, mittlerweile dritten Album, mit dem sie erneut bewiesen haben, dass ihnen in puncto Kreativität und musikalischer Innovation noch längst nicht die Ideen ausgegangen sind. Entsprechend kräftig fiel der Applaus aus. Wolfgang Schweiger