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Melodien zum Schwelgen und Träumen

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Fred Ullrich, Cora Stiehler, Thorsten Köpke und Barbara Eger (v. l.) in der Aula der Mittelschule Teisendorf. (Foto: Mergenthal)

Richtig begeistert waren die etwa 100 Zuhörer in der Aula der Mittelschule Teisendorf über den Auftritt des Salonquartetts Reich an Hall auf Einladung des Kulturvereins Teisendorf: Berühmte Melodien von der Oper bis zu den 50er Jahren, mit Ausflügen nach Wien sowie nach Nord- und Südamerika, präsentierten die vier sympathischen Musiker beim ersten Konzert ihrer Salonmusik-Saison.


Sonst spielen Cora Stiehler (Violine), Barbara Eger (Violoncello), Thorsten Köpke (Viola) und Ensembleleiter Fred Ullrich (Violine) in »seriösen« Orchestern ernste Musik, erstere im Mozarteum Orchester Salzburg, die anderen drei bei der Bad Reichenhaller Philharmonie. In ihrer Quartett-Besetzung haben sie sich bewusst für die Unterhaltungsmusik entschieden. Dabei gehen sie über die typische »Salonmusik« hinaus und wollen künftig fast alles bis hin zur Rockmusik auf vier Streichern spielen.

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Alles an ihrem Auftritt ist stilecht und stimmig. Ohne ihre elegante bordeauxrote Notenpultverkleidung spielen sie nicht. Daran befestigt sind Messing-Pultlampen aus den 50er Jahren. »Die sind eines Tages im Keller der Kur GmbH aufgetaucht«, verrät Fred Ullrich. Er konnte überzeugend vermitteln, dass das Salonquartett sechs davon braucht – zwei als Reserve. »Zuerst habe ich sie eineinhalb Stunden lang geputzt«, erzählt er schmunzeln.

Das Weinrot der Pultverkleidung findet sich in der Fliege und an der Taille der Herren und im Abendkleid der Damen wieder. Alle tragen Lackschuhe und die Männer einen Smoking, wie er in den 20er und 30er Jahren »in« war.

Mit launigen Hinführungen begleitete Ullrich die Zuhörer durch das Programm für alle Generationen. Mit Oper und Operette begann der bunte Reigen. Feurige, liebliche, neckische und furios-virtuose Elemente hatte die Ouvertüre zu »Barbier von Sevilla« von Gioachino Rossini. Ausdrucksstark war das schwermütige Abschiedslied »Quando m'en vo soletta« aus »La Bohème« von Giacomo Puccini. »Vielleicht spielen wir das auch zur Eröffnung der Predigtstuhlbahn«, meinte Ullrich scherzend zum spritzig interpretierten Klassiker »Funiculì, Funiculà«, den Luigi Denza zur Eröffnung der Bahn auf den Vesuv komponiert hatte.

Warm und mit viel Schmelz mit schönen Linien gerade in den tiefen Streichern bot das Quartett »Plaisir d'amour« von Giovanni Battista Martini dar und bezauberte sodann mit einem charmanten Medley nach Carl Zellers »Der Vogelhändler« voller überschäumender Spielfreude und Vogelgezwitscher. Dass das 50er-Jahre-Stück »Sleigh Ride« von Anderson Leroy mehr verdient hat, als als vorweihnachtliche Kaufhausschnulze in Soft-Pop-Version mit Gesang heruntergenudelt zu werden, zeigte die pfiffige nächste Darbietung, gefolgt von einem farbenreichen, temperamentvollen Medley nach der Filmmusik zu »Fluch der Karibik« von Klaus Badelt. Mit kraftvollen Akzenten trieb das Cello das Stück voran.

Latino-Feuer versprühten die rassige Rumba »Tico Tico« und der durch den Film »Der Duft der Frauen« wiederentdeckte herrlich melancholisch musizierte Tango »Por una cabeza«. Eine Höchstleistung auf der Violine zeigte die gebürtige Rumänin Cora Stiehler bei dem bekannten Stück »Hora Staccato« ihres Landesmannes Grigoras Dinicu. Mit Walzerseligkeit mit »Geschichten aus dem Wiener Wald« von Johann Strauß und Maurice Ravels legendärem Bolero klang der für die Zuhörer auch durch die räumliche Nähe zu den Musikern unvergessliche Abend aus. Es machte Spaß, zu beobachten, wie sich der feine, transparente Klang beim Bolero immer mehr verdichtete und wie der Grundrhythmus vom Cello über die Viola in die Violine wanderte. Mit der Zugabe »Cäsar der Hund« von Peter Ludwig bedankten sich die Interpreten für den langen Applaus. Bei einem kleinen Imbiss plauderten Zuhörer und Musiker, die beim Heimgehen nochmals mit Beifall bedacht wurden, noch lange miteinander. Veronika Mergenthal