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Mercedes wartet auf den Volltreffer

Hockenheimring (dpa) - Es begann mit einer Ansage von ganz oben. «Wir haben ein denkbar klares Ziel: Wir wollen Weltmeister werden», sagte Konzernchef Dieter Zetsche im Januar 2010 bei der offiziellen Vorstellung des Formel-1-Werksteams von Mercedes.

Rekord-Weltmeister
Michael Schumacher ist trotz seiner Erfahrung nur WM-Zwölfter. Foto: Jens Büttner Foto: dpa

Auch wenn der schwäbische Autobauer mit dem Rennstall BrawnGP den Weltmeister von 2009 übernommen hatte, mahnte Zetsche damals aber auch Geduld mit der selbst ernannten deutschen Nationalmannschaft der Motorsport-Königsklasse an. «Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass es im ersten Jahr klappen muss. Wir sind ein neues Team - geben Sie uns ein bisschen Zeit.»

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Nicht im ersten, nicht im zweiten Jahr gelang es. Und auch im dritten Jahr spielt die namhafte Formation mit Rekord-Weltmeister Michael Schumacher und Champion-Sohn Nico Rosberg im Titelrennen keine Rolle. 909 Tage nach der Präsentation im Mercedes-Museum wäre es deshalb sicherlich eine gute Zeit für einen Heimsieg auf dem Hockenheimring, gerade mal 120 Kilometer von der Firmenzentrale entfernt.

Nach dem Premierensieg des Rückkehrer-Teams durch Rosberg beim Großen Preis von China im April sah es so aus, als könnten die Silberpfeile im Titelrennen mitmischen. In Monte Carlo legte der Wahl-Monegasse mit Rang zwei nach. Mittlerweile ist Rosberg WM-Sechster mit 75 Punkten - 54 Zähler weniger als Spitzenreiter Fernando Alonso. Schumacher, siebenmaliger Weltmeister und 91-facher Grand-Prix-Gewinner, ist WM-Zwölfter. Sein Rückstand auf Alonso: 106 Punkte.

Sein Trost: Rang drei in Valencia und damit der erste Podestplatz von Schumacher seit dem 1. Oktober 2006. Der Anspruch aber ist höher - bei Schumacher, bei Rosberg, bei Mercedes, das nach mehr als fünf Jahrzehnten wieder ein eigenes Werksteam ins Rennen geschickt hat.

Das Problem ist in diesem Jahr die erstaunliche Dichte im Feld. Mehr als ein halbes Dutzend Teams kann um die vorderen Plätze mitfahren. Das Gute: «Wir haben sie alle in den ersten neun Rennen schon geschlagen», sagt Norbert Haug. Das Schlechte: «Sie uns auch», so der Motorsportchef.

Die Folge: In der Konstrukteurswertung rangiert Mercedes lediglich auf Platz fünf mit 98 Punkten. Red Bull hat schon 216 Zähler, Ferrari 152, Lotus 144 und McLaren 142. Ein starker Auftritt von Schumacher und Rosberg beim Großen Preis von Deutschland vor vielen Mitarbeitern des Konzerns mit dem Stern täte also in jeder Hinsicht gut.

Zumal auch andere Dinge noch geklärt werden müssen. Noch immer verhandelt Mercedes mit Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone über das neue Concorde Agreement, das die Verteilung der Gelder regelt. Mercedes beharrt auf seiner Formel-1-Tradition, Ecclestone stuft sie als Neuling ein - um Zuschüsse zu sparen.

Hinzu kommt die Frage nach der Zukunft von Schumacher, der sich bei der Beantwortung von nichts und niemanden drängen lassen will. Ein Sieg wie 2006 - der bislang letzte eines deutschen Piloten auf dem Hockenheimring - am Sonntag könnte die Entscheidungsprozesse womöglich beschleunigen. Auf jeden Fall aber dürfte es in diesem Fall von ganz oben ein paar sehr nette Worte geben.

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