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»Messi and Maud«: Roadmovie über Kinderwunsch

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"Messi & Maud"
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Maud (Rifka Lodeizen, r) begegnet dem kleinen Messi (Cristobal Farias, l) und schlägt ihm vor, so zu tun, als wäre sie seine Mama. Foto: déjà-vu film Foto: dpa

Wenn das Leben von einem einzigen Wunsch bestimmt wird: In ihrem Langfilmdebüt berichtet Marleen Jonkman von einer Frau, die nichts mehr ersehnt als ein eigenes Kind. Auf einer Reise durch Chile versucht sie, mit sich ins Reine zu kommen.


Berlin (dpa) - Der Wunsch nach eigenen Kindern gehört bei vielen Menschen zu den stärksten Triebfedern überhaupt. Welche Auswirkungen das Nicht-in-Erfüllung-Gehen des Wunsches mit sich bringen kann, das zeigt nun eine kleine deutsch-niederländische Produktion mit dem Titel »Messi and Maud«.

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Es geht um ein junges Paar, dessen Beziehung wegen des unerfüllten Kinderwunsches auf eine Belastungsprobe gestellt wird. Frank und Maud begeben sich daraufhin auf eine Reise durch Chile, bei der sie einen Teil des Traumas zu verarbeiten suchen. Nach einer Reihe von Kurzfilmen ist dies das Spielfilmdebüt der 1979 geborenen, in Berlin lebenden Holländerin Marleen Jonkman.

Acht geschlagene Jahre haben es die beiden versucht. Acht Jahre, in denen ein Großteil des Freundes- und Bekanntenkreises Kinder bekam. Auch Mauds Bruder hat in dieser Zeit Kinder bekommen - Zwillinge, die er eigentlich gar nicht wollte. Nach einer weiteren Fehlgeburt, ausgerechnet während des Chile-Trips, hält es Maud nicht mehr aus. Kurzerhand packt sie ihre Sachen, um den verdatterten Frank zu verlassen. Allein schlägt Maud sich durch, trifft die verschiedensten Menschen, denen sie mal erzählt, dass sie Kinder habe, mal, dass sie Kids nicht ausstehen könne. Schließlich begegnet sie dem kleinen Messi, einem kaum achtjährigen Jungen, der sich ohne Mutter mehr schlecht denn recht über Wasser hält. Immer näher kommen sich die beiden, bis Maud schließlich Messi sogar vorschlägt, doch einfach so zu tun, als wäre sie seine Mama.

Unweigerlich muss man beim hierzulande verwendeten Film-Titel (andernorts wird er als »La Holandesa« vertrieben) an ein Kult-Werk der 1970er Jahre denken: »Harold and Maude«, entstanden unter der Regie von Hal Ashby. Ein ungleich skurrilerer, ein deutlich unkonventionellerer Film als Jonkmans Roadmovie. Und doch lassen sich, neben dem Titel, weitere spannende Gemeinsamkeiten finden: So handelt es sich nun bei Messi und Maud um ein ebenso ungleiches Paar wie es einst Harold, der junge wohlstandsüberdrüssige Mann, und Maude, die betagte, von Ruth Gordon verkörperte Lebenskünstlerin, waren.

Beide Filme leben zudem zu einem Gutteil von ihrer, das Leinwandgeschehen kongenial flankierenden Musik: 1971, bei »Harold and Maude«, waren es die wunderbaren Lieder von Cat Stevens. Diesmal ist es eine zwischen leichter Melancholie und Euphorie oszillierende, prägnante Frauenstimme.

Und manchmal, da ist ganz einfach nur ein luftiger Gitarrenlauf zu vernehmen - eine Gitarre, die ganz wunderbar passt zu dem, was gerade zu sehen ist: Maud (sehr glaubwürdig: Rifka Lodeizen) und Messi, wie sie etwa durch eine von viel Sonne durchleuchte, nicht näher benannte chilenische Stadt streunen, sich einfach treiben lassen. Es gibt manch luftig-leichten Moment dieser Art in diesem, dabei doch stets von tiefer Melancholie grundierten, von einem reinen Frauen-Team eingefangenen Roadmovie. Einem Film, der bei aller Ernsthaftigkeit, bei allen Dialog-Szenen, die es auch gibt, doch viel Raum und viel Platz lässt zum Nachdenken, zum Nachempfinden. Selten jedenfalls hat man das Thema Kinderwunsch im Kino auf zugleich so unaufdringliche wie eindrückliche Art behandelt gesehen.

Messi and Maud, Niederlande/Deutschland 2017, 92 Min., FSK o.A., von Marleen Jonkman, mit Rifka Lodeizen, Cristóbal Farias, Guido Pollemans

Messi and Maud