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Metz lockt mit größtem Picasso der Welt

Metz (dpa) - Groß, größer, am größten: Seit dem fulminanten Start vor zwei Jahren setzt die Dependance des Pariser Centre Pompidou in Metz auf Superlative. Die Eröffnungsausstellung vereinigte nicht weniger als 700 Meisterwerke aus aller Welt.

Centre Pompidou-Metz
Mit einer kühnen Dachkonstruktion, die an einen chinesischen Strohhut erinnert, präsentiert sich das Centre Pompidou-Metz. Foto: Jörg Fischer Foto: dpa

In diesem Sommer trumpft der Kunsttempel unter dem Titel «1917» mit 800 Werken von rund 350 Künstlern und 100 Leihgebern auf. Die größte Sommerausstellung Europas, wie Museumsdirektor Laurent Le Bon verkündet.

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Damit ist die Liste der Superlative noch nicht zu Ende. Metz zeigt zudem den größten Picasso der Welt: über 170 Quadratmeter groß und 45 Kilo schwer. Ein Werk, das 1917 entstanden ist, so wie alle Werke der Ausstellung, die zeigt, was Kunst im Kriegsjahr 1917 sein konnte. Mit der Ausstellung eröffnet Metz den Reigen der Veranstaltungen zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914.

Der monumentale Bühnenvorhang «Parade» ist in Frankreich erstmals wieder seit 20 Jahren zu sehen. Er entstand im Jahr 1917, dem Jahr, das von den Historikern auch als «Epochenjahr» bezeichnet wird. In Russland brach die Februarrevolution aus, die Vereinigten Staaten traten in den Krieg ein und im Westen verlangten die Grabenkämpfe immer mehr Opfer.

Auch kunsthistorisch bedeutete 1917 einen Wendepunkt: «Die Großen wie Renoir, Monet, Rodin sind noch da. Aber auch die junge Avantgarde. Neue Bewegungen wie De Stijl und Dada tauchen auf und Picasso kehrt dem Kubismus den Rücken», erklärte der Direktor.

Wie sieht Kunst in Zeiten des Krieges aus? Vielfältig und widersprüchlich, wie die Fülle der Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen und Objekte zeigt. So hält Otto Dix, der sich freiwillig zum Kriegsdienst meldete, das Grauen und den Irrsinn in seinen Werken fest. Er machte sich zum Chronisten des Schreckens so wie George Grosz, der in seinem Bild «Explosion» die Themen Zerstörung und Neuanfang zum Ausdruck bringt.

Während die Expressionisten das Kriegsgeschehen zum Gegenstand machen, verherrlichen die Futuristen den Militarismus, den Krieg und seine Maschinen. Die Dadaisten machten Tabula rasa in der Kunst und läuteten mit ihren radikalen und provokativen Werken eine neue Ära ein. Zu den bekanntesten Vertretern zählen Marcel Duchamp, der ein Pissoir in den Kunststatus erhob, oder Constantin Brancusis, der mit seiner «Prinzessin X», einer phallischen Bronze, für einen Skandal sorgte.

Picasso hingegen wandte sich vom Kubismus ab. Mit seinem Bühnenvorhang für das Ballett «Parade» löste er sich sowohl vom Kriegsgeschehen als auch von der Avantgarde. Sein größtes Werk kann als Rückkehr zur Ordnung verstanden werden. Picasso bildet darauf ab, was bis dahin seine wichtigsten Bildmotive waren: Gaukler- und Harlekinfiguren.

Die Ausstellung verspricht bis zum 24. September eine der meist besuchten Werkschauen zu werden. Die erdrückende Fülle der Werke hält die Besucher nicht davon ab, sich durch die Säle zu drängen. Womit die Ausstellung zeigt, das 1917 ein «Epochenjahr» war, nicht nur in der Geschichte.

Ausstellung «1917»