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»Mia san hoid a lustige Musi«

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Fetzige Lieder in Mundart, mal kritisch und mal lustig, aber immer am Puls der Zeit, haben die drei Musiker des »Bairisch Diatonischen Jodelwahnsinns« in der fast ausverkauften Traunsteiner Kulturfabrik NUTS präsentiert. 1986 von Otto Göttler gegründet und im Lauf der Jahre mehrfach umbesetzt, standen neben Göttler nun Geli Huber (Harfe und Hackbrett) und Tobias Andrelang (Kontrabass) auf der Bühne. Drei Vollblutmusikanten, die sich gefunden haben, um »echte« oder »wahre« Volksmusik zu betreiben, rein akustisch, schwungvoll und mit aussagekräftigen Texten. Nur gejodelt wird dabei wenig.


So gesehen war es eine nette Untertreibung, als sie zum Auftakt ihrer Show das Lied »Mia san hoid a lustige Musi« anstimmten. Denn ob Energiewende, Wohnungsnot oder die Machenschaften der deutschen Autobauer – viele aktuelle Themen thematisierte Göttler mal spöttisch, mal angriffslustig, erfindungsreich und spielfreudig. So verteilte er zum Lied »Plastiktüte« ebensolche unter den Zuschauern, die damit rhythmische Begleitgeräusche erzeugen sollten, oder positionierte sich als Windrad im Stillstand. Zwischendurch erfuhren die Zuhörer, dass er in Giesing aufgewachsen ist und daher den Grantler-Blues hat, heute aber höchst idyllisch auf dem Land wohnt, zusammen mit seinem schulpflichtigen Sohn, der nur hochdeutsch mit ihm spricht.

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Hin und wieder meldeten sich auch Geli Huber und Tobias Andrelang zu Wort, die Göttler ansonsten genau den Klangteppich lieferten, den er für sein beschwingtes Spiel am Akkordeon, an der Concertina oder der Ukulele benötigte.

Nach Giesing kehrte Göttler dann noch mal mit dem wunderschönen Lied »Nach mir (scheint die Sonne genauso weiter)« von Werner Schlierf zurück, und dass die drei Musiker auch rein instrumental ein Spitzenteam sind, bewiesen sie mit dem melancholischen, Barack Obama gewidmeten Stück »Der letzte Tanz«.

In der Endrunde brachte Göttler dann noch eine singende Säge ins muntere Spiel und bei den drei Zugaben gefiel vor allem das bretonische Volkslied. Kurzum, ein so unterhaltsamer wie engagierter Auftritt, und somit das beste Hausmittel gegen den alltäglichen Wahnsinn. Der Applaus war entsprechend kräftig. Wolfgang Schweiger