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Michael Grießer in der Kritik - Bürgermeister Franz Rasp bestätigt Risiko eines Zuschussgeschäfts

Berchtesgaden - Die Watzmann Therme wird zur Personalie. In der Kritik: Michael Grießer, Noch-Geschäftsführer des Freizeitbades. »Es kocht elendig«, sprudelte es aus Werner Sliwa, Vorsitzender des Kur- und Tourismusvereins Berchtesgaden, bei der jüngsten Jahreshauptversammlung heraus. Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp versuchte zu erklären. Dennoch blieben viele Fragen unbeantwortet.

Die Watzmann Therme im Fokus: Aufsichtsratsvorsitzender und Bürgermeister Franz Rasp. Foto: Anzeiger/Pfeiffer

Das Thema sei jedem bekannt - und trotzdem wisse niemand die ganze Wahrheit. Fakt sei, dass sich die Bilanzsituation von Jahr zu Jahr verschlechtert habe, sagte Sliwa. Wurden einst über 1 000 Besucher gezählt, sind es jetzt nur noch 660 pro Tag, so Sliwa. »Es scheint so, als hätte der Geschäftsführer viel zu wenig getan.« Betriebswirtschaftliche Fehler seien offensichtlich gemacht worden.

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Auch die Wassertemperatur sei seit Jahren deutlich zu niedrig. Kritik hagelte es bei der Versammlung auch von Mitglieder-Seite. Und überhaupt, meinte Sliwa: »Der Geschäftsführer hätte halt mal selbst in die Therme gehen sollen, dann hätte er gesehen, was schlecht läuft.«

Sliwa warf den Verantwortlichen Versäumnisse vor. Viel früher hätte man etwas tun müssen. »Immerhin sind es wir, die Steuerzahler, die dafür aufkommen müssen.«

Dass es um die Watzmann Therme nicht gut bestellt ist, das haben inzwischen auch die Verantwortlichen bestätigt. Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender Franz Rasp sagte bei der Versammlung, dass die Watzmann Therme einst als Infrastrukturmaßnahme installiert worden war. Ein »Schlechtwetterangebot«, das bereits in der Planungsphase »immer größer wurde.« Ein Schwimmerbecken kam schließlich auch noch dazu, die Kosten schnellten in die Höhe. In einer »Kampfabstimmung« gab es für die Watzmann Therme schließlich grünes Licht.

»Das Ziel war immer, die laufenden Kosten zu decken«, sagte Rasp. Der Erfolg des Bades sei unerwartet groß gewesen. Die Besucherzahlen übertrafen die Erwartungen der Verantwortlichen deutlich. »Jetzt sind wir bei 660 Tagesbesuchern angekommen, wir schreiben derzeit eine schwarze Null.« Das Problem an der Sache: Die Therme kann ihre Pachtzahlungen nicht mehr leisten. »In den letzten Jahren haben wir negative Ergebnisse eingefahren«, so Rasp. Aber alle finanziellen Rücklagen wurden bereits aufgebraucht. Grund dafür ist unter anderem die als Familienbad erweiterte Rupertustherme in Bad Reichenhall. Derzeit sei man nicht mehr in der Lage, die Pacht zu leisten: »Wir können es uns abschminken, dass wir je wieder so viel zahlen können«, so Rasp. Das Ziel: Wenigstens die Betriebskosten zu erwirtschaften.

Deshalb möchte man jetzt Maßnahmen ergreifen. Die Werbung werde künftig umgestellt und optimiert. Und zum Thema Wassertemperatur: »Das ist gar nicht so kalt, wie man meint. Es fühlt sich nur kälter an. Das liegt an der Luftfeuchtigkeit«, so Rasp, der mit dieser Antwort so manchen Besucher ratlos im Saal zurückließ. Sliwa meinte, dass es doch möglich sein müsse, die Temperatur einfach hochzuregeln. Weitere Vereinsmitglieder gaben ihm recht.

Der Vorsitzende des Kur- und Tourismusvereins Berchtesgaden äußerte sich im Folgenden zum Geschäftsführer: Michael Grießer habe es doch schon lange auffallen müssen, wo es fehlt, so Sliwa. Rasp antwortete, dass die zurückgehenden Besucherzahlen ja nichts Neues seien. »Die Qualität im Umfeld habe sich erhöht, neue Bäder sind entstanden.« Rasp gab zu, dass es in der Prognose aber nicht ersichtlich war, dass der Einbruch der Besucherzahlen so groß sein würde.

Als kurzfristige Maßnahmen, die nun getroffen wurden, nannte er eine personelle Konsequenz: »Es wird einen neuen Geschäftsführer in Vollzeit geben.« Momentan ist Grießer sowohl Geschäftsführer der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee als auch der Watzmann Therme. »Jemand in Vollzeit kann sich einen besseren Überblick verschaffen«, so Rasp. Bereits der Posten der Prokuristin der Watzmann Therme, die das operative Geschäft geleitet hatte und wegen gesundheitlicher Probleme ausgeschieden war, wurde nicht nachbesetzt.

Geklärt werden müssten, so Hans-Jürgen Kortenacker, die Verantwortlichkeiten. Bürgermeister Franz Rasp bestätigte, dass durchaus ein Risiko besteht, das künftig Geld zugeschossen werden müsse. Derzeit sei man dran, neue Pakete zu schnüren. Außerdem sollen vermehrt Busse die Watzmann Therme ansteuern.

Werner Sliwa betonte, dass es nicht tragbar sei, wenn der Geschäftsführer nach seinem Rücktritt auch weiterhin seine Bezüge erhielte. »Es wäre nicht das erste Mal, dass so was vorkommt«, sagte er. Außerdem forderte Sliwa, dass ein Überblick gegeben werden solle, wie sich der Posten des Geschäftsführers mit dem des Tourismusdirektors zueinander verhalte. Zur Personalie wollte Bürgermeister Franz Rasp aber keine Auskünfte geben. Kilian Pfeiffer