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Der Keyboarder mit »Chris Aron & the Croackers« in Staudach

Mike Sanchez – musikalisch gegerbt

Der Mann ist weit gereist und hat viel erlebt. Er hat den Rock im spanischen Blut, seine musikalischen Wurzeln liegen jedoch (nach eigenem Bekunden) im ungeliebtem England. Mike Sanchez wurde 1964 als Sohn spanischer Eltern in London geboren, begann dort mit elf Jahren mit dem Klavierspiel und hatte den großen Jerry Lee Lewis zu seinem Vorbild erkoren.

Mike Sanchez trat zum zweiten mal nach 2009 auf der Staudacher Musikbühne auf. (Foto: Kewitsch)

So kam, was kommen musste: Mitte der 80er Jahre gründete er die »Big Town Playboys«. In den folgenden 15 Jahren avancierten die Playboys mit Frontmann Mike Sanchez zur erfolgreichsten R&B-Band Englands. Das etablierte Fach-Magazin »Blues In Britain« wählte ihn in den Jahren 2000-2004 alljährlich (!) zum »Besten Keyboarder des Vereinigten Königreiches«.

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Ab 2001 war Mike vier Jahre lang bei keinem geringeren als Bill Wyman und seinen »Rhythm Kings« beschäftigt. Die fabelhafte DVD vom Januar 2004 »Let The Good Times Roll«, zeigt deutlich die herausragende Rolle, die er in der Live-Band des Ex-Rolling-Stone Wyman spielte. Musikalisch stand Mike Sanchez schon mit Jeff Beck und Robert Plant auf der Bühne. Zuletzt stellte er seine neue CD »Almost Grown« mit der Sängerin Imelda May vor.

Mike Sanchez, der schon im Jahr 2009 einen grandiosen Auftritt mit seiner eigenen Band auf der Staudacher Musikbühne hatte, gab sich jetzt erneut die Ehre. Mit von der Partie war das Münchner Quintett »Chris Aron & the Croackers«, die die ersten Songs ohne Begleitung von Mike Sanchez zum Anheizen nutzten und nach dem ersten Set für eine gut gefüllte Tanzfläche sorgten.

Waren Chris Aron und seine Musiker (Ferdinand Roscher, Kontrabass / Wulf Behrend, Gitarre / Bodo Matzkeit, Drums / Harry Salzmann, Saxophon) schon gut und stimmig – Rock'n'Roll und Rockabilly waren Programm –, so kam mit dem Auftritt von Mike Sanchez im Wortsinn noch mal eine »Schippe obendrauf«. Die Jungs um Chris Aron spielten nett und adrett und musikalisch sauber, doch Sanchez sorgte einfach mit einem Schuss Charisma für besondere Ausstrahlung. Auch wenn das Klavier von Sanchez vergleichsweise leise eingestellt war, so war dessen Präsenz doch etwas prägender als die der begleitenden Musiker.

Zwei, drei Proben mussten im Vorfeld reichen, aber zu hören war dies nicht. Fehlerfrei und sauber wurden die bekanntesten Nummern präsentiert: »Down the Road a piece« oder das schnelle »I am Ready« sowie das temporeiche »Red Hot Mama«. Sanchez trieb die Combo nach vorne, die Saxophon-Soli von Harry Salzmann, jenem Mann, der so sehr an »Supercharge« erinnert, waren begeisternd, ebenso die gelegentlichen »Auswüchse« am Kontrabass. Ferdinand Roscher, ganz in sich versunken, spielte über den Abend in seiner eigenen Welt – faszinierend und sehr sympathisch authentisch, diese Form der Leidenschaft.

»Shake you hips« oder das bekanntere »Sapphire« waren dann die ausklingende Schlussphase. Sanchez hatte augenscheinlich nicht geplant, ein umfangreiches Zugabenprogramm zu spielen, aber letztlich ließ er sich zweimal auf die Bühne bitten und lieferte schließlich ein sauberes Finale ab. Die Tanzfläche im Gasthof Mühlwinkl war einmal mehr ausgelastet, das Publikum dankbar, der Abend rund, der weit gereiste Mann offensichtlich zufrieden. Udo Kewitsch