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Minister Davis: Großbritannien verlässt EU-Binnenmarkt

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David Davis
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Brexit-Minister David Davis gibt in Cambridge ein Interview. Foto: Rob Pinney/London News Pictures via ZUMA/Archiv Foto: dpa
Nach der Parlamentswahl
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Die britische Premierministerin Theresa May. Foto: Jonathan Brady Foto: dpa
May
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Nach einem Gespräch mit der Queen verlässt Premierministerin May am Freitag den Buckingham Palast in London. Foto: Victoria Jones/PA Wire Foto: dpa
DUP-Chefin Foster
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Arlene Foster, Chefin der Democratic Unionist Party (DUP), freut sich am Freitag über das Wahlergebnis. Foto: Niall Carson Foto: dpa
Brexit
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Werbetafel einer Wechselstube zum Tausch von Pfund und Euro an der Grenze zwischen der Republik Irland und der britischen Region Nordirland. Foto: Brian Lawless Foto: dpa
Canary Wharf
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Durch den Brexit-Beschluss vor einer ungewissen Zukunft: Londons Finanz- und Bankendistrikt "Canary Wharf" in London. Foto: Hannah Mckay Foto: dpa
Brexit
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Anti-Brexit-Aktivisten, von denen sich einige als Zöllner verkleidet haben, protestieren im nordirischen Belfast gegen den EU-Austritt. Foto: Brian Lawless Foto: dpa

Nächste Woche sollen endlich die Brexit-Verhandlungen beginnen. Der britische Brexit-Minister will dabei am harten Kurs festhalten. Doch der Zeitplan enthält Unbekannte.


London/Brüssel (dpa) - Trotz des Wahldebakels will Großbritannien am harten Kurs beim EU-Ausstieg festhalten. Das Land wolle die Kontrolle über seine Grenzen zurückgewinnen, sagte Brexit-Minister David Davis in Interviews.

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Das bedeute die Trennung von der EU, vom Europäischen Binnenmarkt und von der Zollunion. Ob die Brexit-Gespräche pünktlich nächste Woche beginnen können, blieb allerdings offen.

Nachdem Premierministerin Theresa May vorige Woche ihre absolute Mehrheit bei der Parlamentswahl verloren hatte, war über einen weicheren Brexit-Kurs spekuliert worden. Viele Abgeordnete ihrer Konservativen Partei waren enttäuscht vom Ergebnis der vorgezogenen Parlamentswahl und forderten mehr Nähe zur EU trotz Trennung.

Ein Regierungssprecher in London konnte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Montag zunächst keine Antwort geben, ob die Brexit-Gespräche wie geplant am 19. Juni losgehen. Minister Davis hielt zuletzt Verzögerungen um wenige Tage für möglich. Auch die EU-Kommission ließ die Frage offen.

Die Brüsseler Behörde führte nach Angaben von Diplomaten am Montag erste Vorgespräche mit britischen Regierungsvertretern über den Ablauf der geplanten Verhandlungen. EU-Kommissar Johannes Hahn sagte nur, man hoffe, dass die Gespräche wie geplant nächste Woche beginnen könnten. Für die EU gelte: »Wir sind komplett vorbereitet.«

In London wackelt nach Angaben des Kabinettschefs Damian Green auch der 19. Juni als Termin für die »Queen's Speech«. Königin Elizabeth II. verliest dann im Parlament das Regierungsprogramm. Bevor die angestrebte Minderheitsregierung der Konservativen mit der nordirischen Democratic Unionist Party (DUP) nicht stehe, könne auch kein Datum genannt werden, sagte Green.

Brexit-Minister Davis nahm May vor Kritik aus der eigenen Partei in Schutz. Das sei eine selbstbezogene Diskussion. »Es ist unsere Aufgabe, das Land weiter zu regieren«, sagte Davis. Ex-Finanzminister George Osborne, den May nach ihrer Amtsübernahme 2016 entlassen hatte, nannte die Regierungschefin am Sonntag eine »wandelnde Tote«. Ihr Rücktritt sei nur eine Frage der Zeit.

Der erzkonservative Davis bestritt wie zuvor schon Außenminister Boris Johnson, dass er May als Premier beerben wolle.

Zu den wichtigsten Themen der Brexit-Verhandlungen zählt das Schicksal der EU-Ausländer in Großbritannien und der Briten auf dem EU-Festland. Im Vereinigten Königreich leben mehr als drei Millionen EU-Ausländer. Die größte Gruppe stellen die Polen.

Weitere Topthemen bei den Verhandlungen sind die Schlussrechnung, die Großbritannien nach dem Brexit für eingegangene Verpflichtungen begleichen soll, und die neue EU-Außengrenze zwischen der Republik Irland und dem britischen Nordirland. Bislang ist die Grenze im grünen Hügelland kaum erkennbar. Eine feste EU-Außengrenze könnte in Nordirland zu wirtschaftlichen Einbußen führen und alte Wunden in der früheren Bürgerkriegsregion wieder aufreißen.

Nach dem Wahldebakel streben May und ihre Konservative Partei eine Minderheitsregierung mit Hilfe der nordirischen Democratic Unionist Party (DUP) an. Die DUP-Vorsitzende Arlene Foster bezeichnete erste Gespräche als »sehr gut«. Sie wird am Dienstag in London erwartet.

Die Opposition und auch Konservative kritisierten, dass die rechte DUP Vorbehalte zum Beispiel gegen die Homo-Ehe und Abtreibung habe. Änderungen an der Rechtslage stünden aber bei einer Minderheitsregierung mit der DUP nicht zur Diskussion, betonte Davis.

Bereits am Sonntag hatte May ihr Kabinett neu geordnet. Die weitaus meisten Minister bleiben im Amt.

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