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Misstrauen gegen EU-Projekt am Untersberg

Marktschellenberg - Das Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet) Untersberg wurde wegen seiner wertvollen Natur und seltenen Lebensräume ins europaweite Naturschutzprojekt »Natura 2000« aufgenommen. Ziel dieses Projekts ist es, eine nachhaltige und schonende Bewirtschaftung der Natur zu gewährleisten. Um nun für die entsprechenden Gebiete einen Managementplan zu erarbeiten, lud Alois Rückauf vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein die Betroffenen am Dienstag zur Auftaktveranstaltung ins Feuerwehrhaus ein. Dabei entwickelte sich eine hitzige Diskussion um die Rechte und Pflichten der Bauern und Grundbesitzer.

Stellten sich den Fragen (v.l.): Albert Lang und Regierungsdirektor Elmar Wenisch von der Oberen Naturschutzbehörde sowie Gerhard Märkl und Dr. Martin Bachmann vom Landwirtschaftsamt. Fotos: Anzeiger/Voss

Neben Alois Rückauf waren vier weitere Experten zur Stelle, um das Vorhaben »Natura 2000« vorzustellen: Dr. Martin Bachmann und Gerhard Märkl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ebersberg, Regierungsdirektor Elmar Wenisch sowie Albert Lang von der Oberen Naturschutzbehörde der Regierung Oberbayern. Im überschaubaren Publikum saßen neben Berchtesgadens Bürgermeister und Grundbesitzer Franz Rasp auch Hans Sleik vom Deutschen Alpenverein und Maria Stöberl vom Verband der Forstberechtigten Chiemgau.

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Zunächst sprach Bürgermeister Franz Halmich ein Grußwort. Er erinnerte an die enorme Wichtigkeit einer intakten Natur für den heimischen Tourismus und somit die Lebensgrundlage des Ortes. Es sei schwierig, »den Spagat zwischen Kommerz und verantwortlicher Bewirtschaftung« zu schaffen. Er gab ab an Dr. Martin Bachmann, der einen kurzen Überblick über »Natura 2000«, dessen Rechtsgrundlage und Umsetzung gab.

Es handele sich dabei um das größte Naturschutzprojekt der Welt. Er brachte auch den zentralen Begriff des »Verschlechterungsverbotes« in den Mittelpunkt des Interesses. Das bedeutet, dass die Bauern eine nachhaltige Natur gewährleisten sollten und es keine Verschlechterung des bestehenden natürlichen Zustandes geben dürfe. Bachmann äußerte sich ebenso über die nun folgenden Schritte: »Wir fangen an mit der Kartierung des Untersbergs. Wir beschreiben den Lebensraum, die Arten und deren Vernetzung und schauen, in welchem Zustand die Natur ist.«

Auch Gerhard Märkl referierte über die Kartierung des Berges. Besonders die Waldflächen, die den Untersberg zu 80 Prozent bedecken, lägen den Naturschützern am Herzen. Und das aus einem besonderen Grund: Der EU sind nämlich zwei besonders schützenswerte Tierarten gemeldet, die ihren Verbreitungsschwerpunkt im Berchtesgadener Land haben. Zum einen ein Schmetterling namens »Spanische Flagge«, zum anderen der Alpenbock- Käfer. Bei Begehungen des FFH-Gebiets soll festgestellt werden, wo diese besonders häufig vorkommen. Diese Tatsache sorgte neben erwarteten Einschränkungen in der Nutzung ebenfalls für Missgunst unter den Bauern, denn damit würden auch strenge Richtlinien einhergehen. Zum Beispiel fühle sich der Alpenbock-Käfer in Totholz besonders wohl, und somit dürfe dieses nicht mehr entfernt werden.

Zum Abschluss der Vortragsreihe und vor der Diskussion mit den Grundbesitzern referierten Elmar Wenisch und Albert Lang von der Oberen Naturschutzbehörde über Lebensraumtypen und Arten im Offenland. »Der Untersberg ist nicht nur wegen seines Waldes wertvoll, er ist auch bekannt für seine Höhlen und die ausgedehnten Latschengebüsche«, erklärte Lang. Auch die verschiedenen Offenland-Typen sprach er kurz an, wie Quellen oder alpine Heiden.

Darauf eröffnete Alois Rückauf die Diskussion. Besonders ungehalten äußerte sich der Marktschellenberger Gemeinderat Nikolaus Rußegger: »Es muss endlich damit aufgehört werden, die Bauern ans Gängelband zu legen. Das wollen wir nicht.« Er kritisierte die Vorschriften und Einschränkungen, die das Leben der Bauern erschwerten.

Franz Rasp hatte einen ganz anderen Einwand: »Wir wurden bei dem Dialogverfahren im Jahr 2000 angelogen.« Damit meinte er das Verfahren, bei dem der Untersberg zum FFH- Gebiet bestimmt worden war und es viele Einwände gegeben hatte, die trotz Versprechungen seiner Meinung nach nicht berücksichtigt wurden. Das dementierte Elmar Wenisch in einer Stellungnahme: »Damals gab es viele Einwände, die aber bearbeitet wurden. Die Beschwerdeführer fühlten sich übergangen, nur weil man nicht jeden einzelnen über den Vorgang informierte.«

So äußerten sich viele der Anwesenden misstrauisch gegenüber dem neuen Projekt. Die meisten befürchteten nur eine Erschwerung ihrer täglichen Arbeit. Aber laut Elmar Wenisch gebe es einen runden Tisch, bei dem alle Bedenken noch einmal besprochen werden könnten. »Es wird sowieso bis zu drei Jahre dauern, bis die Kartierungen und die Erfassung der Lebensräume am Untersberg abgeschlossen sind. Bis dahin kann sich jeder an Alois Rückauf und das Amt wenden, der ein Problem oder eine Bitte hat.« Annabelle Voss