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Mit 50 Jahren immer noch »up to date«

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Das Kabarettduo »DaBertlundI« mit Herbert Bachmeier (links) und Stefan Wählt begeisterte im Grassauer Heftersaal mit einem Liebeslieder-Update. (Foto: T. Eder)

Männer um die 50 ticken anders, sehen ihre Umwelt kritischer und kommen wohl auch leichter in Rage. Diese Einsicht konnte man aus dem Kabarett von »DaBertlundi« mit nach Hause nehmen. Von der ersten Minute an begeisterten Herbert Bachmeier und Stefan Wählt mit Weisheiten aus dem ganz normalen Alltagswahnsinn.


Wortgewandt, aber auch musikalisch auf höchstem Niveau informierten die beiden Kabarettisten über den Männercharakter im Alter so um die 50 Jahre. Da komme man bei seinem Geburtstag schon zum Nachdenken, vor allem was die Feier betrifft, denn eigentlich sollte das Geburtstagskind eingeladen werden. Man bedenke auch, was bei so einer Feier alles benötigt werde. Wenn man eine Frau hat, dann ist auch Deko ganz wichtig, aber wer räumt den Saustall wieder auf, wenn man keine Frau hat, fragten »DaBertlundI«. Und wenn »Mann« dann noch richtig Pech hat, bekommt er noch Einlagen präsentiert, also für andere witzige Anekdoten aus der Jugend.

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Auch klärte Stefan Wählt über die feinen Unterschiede des Rauschzustands auf, kam vom »sauberen bis zum gewaltigen« Rausch mit Schubumkehr. Natürlich wurde im Programm auch der arme unterdrückte Mann hervorgehoben. Laut Wählt müsste es im Himmel zwei Türen geben, eine für die unterdrückten und eine für die freien Männer, wobei die Schlange vor der ersteren enorm sei. Und verirrt sich doch einer an die zweite Tür, dann nur, weil ihn seine Frau dort hingeschickt habe.

Mit ganz anderen Alltagsproblemen kämpfte da der Bertl, der seinem Rasenroboter ein Schaffell überstreifte und Probleme mit seinem Nachbarn bekam, weil wohl ein Schaf im Pool ertrunken ist. Auch betonte er, dass man wider Erwarten sich Gesundheit doch kaufen könne, nämlich als Privatpatient, und dann nicht im Feldlazarett auf den Medizinmann warten müsse, sondern auf das fünfgängige Menü von Schuhbeck.

Was liegt bei Männern näher, als sich selbst mit einem Auto zu vergleichen. Wählt jedenfalls outete sich als Mittelklassemodell, bei dem der Auspuff schon scheppert. Übrigens fährt er einen SUV mit Sprachsteuerung und LED-Anzeige in der Heckscheibe, um unverbesserliche Fahrer auf ihre Fehler hinzuweisen. Zudem haben er und sein Körper sich in den vergangenen Jahren auseinander gelebt. Er würde gerne durchschlafen, sein Körper aber müsse mehrfach »aufs Häuschen«.

Ab 50 werde auch an die gute alte Zeit gedacht, als man noch persönlich und nicht über Facebook gratulierte und man andere Schüler mit Brennesseln und nicht im Internet jagte. Heute fahre das Navi für einen, der Computer denke für einen und McDonald's koche für einen. Die beiden Kabarettisten machten sich auch die Mühe, alte Liebeslieder in die Jetztzeit zu übersetzen und boten ein Liebeslieder-Update 5.0.

Aber nun einmal ernst: die beiden Kabarettisten bewiesen eindrucksvoll, dass sie ein Update gar nicht nötig haben und stattdessen immer noch »up to date« sind. Der Ansicht war auch das bunt gemischte Publikum, das den launigen, lustigen und musikalisch perfekten Abend und die Zugaben mit begeistertem Applaus quittierte. Tamara Eder