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»Mit allen musikalischen Wassern gewaschen«

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Unser Bild zeigt die »Lehrer-Band« mit (von links) Thomas Hartmann, Michael Alf, Hein Kraller, Dirk Bennert und Christian von LeSuire. (Foto: Engelbert Kaiser)

Auch heuer wieder haben sich die Lehrkräfte der Musikschule Traunstein zusammengetan, um im Kulturzentrum der Stadt Traunstein ein Konzert zu geben, dessen Spendeneinnahmen dem Förderverein der Musikschule zu Gute kamen. 18 »mit allen musikalischen Wassern gewaschene Musikerinnen und Musiker«, wie Musikschulleiter Georg Holzner erwartungsvoll ankündigte, gaben im vollbesetzten Saal in abwechslungsreichen Besetzungen außerhalb des gängigen Repertoires bewundernswerte Solobeiträge, barocke und romantische Kammermusik, aber auch groovige Jazznummern zu Gehör.


Den Anfang machten Irmgard Steib mit ihrer schon optisch bemerkenswerten Bassblockflöte und Andrea Brucker an der Viola, von Carmen Melendez (Cembalo) und Simon Nagl (Violoncello) begleitet, mit dem Trio F-Dur von Johann Gottlieb Graun (1703 bis 1771) in dieser seltenen Besetzung. Angenehm und dunkel gefärbt war der Klang der vier Instrumente in harmonischer Verbindung. Um den »puren Cembaloklang« zu präsentieren und auch als Hommage an ihre Heimat gab Carmen Melendez noch ein kapriziöses Stück des Katalanen Antonio Soler (1729 bis 1783) mit sehr spanischem Einschlag zu.

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Zu einer sphärischen Schilderung eines Abends am Mittelmeer in antiker Stimmung wurde »Soir paien« des französischen Komponisten und Flötisten Philippe Gaubert (1879 bis 1941), das Friederike Duetsch (Sopran), Johanna Hartmann (Flöte) und Maria Bittel am Flügel gestalteten. Paul Hindemiths (1895 bis 1963) Sonata für Horn und Klavier verlangte deutlichere Akzente: Sebastian Krause (Waldhorn) und Thomas Hartmann (Klavier) setzten sie in raffinierter Verbindung von Melos und vertracktem Rhythmus in souveräner Gestaltung. Dazu wiederum kontrastierten zwei Gitarrenstücke von Atahualpa Yupanqui (1908 bis 1992), einem der einflussreichsten Komponisten und Folkloremusiker aus Argentinien: »La Pobrecita« und »El Coyita« erklangen in dezent ausgefeilter und präzis-eleganter Gestaltung.

Mit klarem, offenem Flötenton und technischer Brillanz, begleitet von Maria Bittel, ging Andreas Schmidt im »La Traviata-Konzertwalzer« des deutschen Komponisten und Flötisten Wilhelm Popp (1828 bis 1903) den betörenden und mitreißenden Melodien dieser Verdi-Oper nach. Darauf spielte Isabel Melendez-Alba auf dem Flügel drei kostbare Preludes aus dem op.11 von Alexander Skrjabin (1872 bis 1915), die, entstanden zwischen 1893 und 1896, noch sehr an Chopin orientiert, aber in der Harmonik offener und raffinierter klangen – die Künstlerin gestaltete sie sehr ausdrucksstark, dabei sensibel und aussagekräftig.

Als ein Bergidyll legten Johanna Hartmann, Sebastian Krause und Thomas Hartmann das »Souvenir du Rigi« op. 38 des österreichisch-ungarischen Komponisten Albert Franz Doppler (1821 bis 1883) an; auch das Alphorn, zu dem Sebastian Krause zum Schluss griff, und ein »Glockenspiel« (ein winziges Metallophon: Dirk Bennert) bereicherten die Stimmung.

Nach der Pause gab es einen Tupfen »Boarisch«: Uschi Rieth und Martina Nieder spielten im Gitarrenduo »Nach da Jaus’n«, eine recht g’führige Polka, und ein trotz seines bedrohlichen Titels eher beruhigendes Stück, den »Weltuntergangswalzer«. Kurz, aber heftig ging Maria Bittel zur Sache beim »Motive force« des ukrainischen Komponisten und Pianisten Nikolai Kapustin (geb. 1937), der seine Jazzimprovisationen bis ins letzte Sechzehntel auskomponiert niederschreibt – mitreißend in vollgriffiger Klarheit.

Danach saß wieder Thomas Hartmann am Flügel und begleitete Friederike Duetsch bei drei Songs aus den heißen Jahren 1928/29, dem schwärmerischen »Berlin im Licht-Song« (Text und Musik: Kurt Weill (1900 bis 1950), dem »Chanson für Hochwohlgeborene« aus Erich Kästners Hörspiel »Leben in dieser Zeit«, zu dem Edmund Nick (1891 bis 1974) diesen sehr bösen Tango und weitere Melodien komponiert hat, und bei Weills Vertonung des bitter-brutalen Brecht-Textes »Lied von der harten Nuss«.

In gewohnter Brillanz und quicker Lebendigkeit steuerte Michael Alf einen »spontanen Boogie Woogie ohne Titel« bei, bevor er zur »Lehrer-Band« wechselte und mit Hein Kraller (Saxophon), Christian von LeSuire (Fünfsaiter-E-Bass) und Dirk Bennert (Drums) über »Billies Bounce« von Charlie Parker improvisierte. Thomas Hartmann löste ihn ab bei der heißen »Sudden Samba« von Neil Larsen. Beim »Road Song« von Wes Montgomery saßen sie dann gemeinsam am Flügel und jazzten, was das Zeug hielt - auch der Saxophonist musste seine Pfote kurz dazwischen halten – eben: »mit allen musikalischen Wassern ...« Engelbert Kaiser