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Mit bitterem Witz und komischer Tragik

Zwei Männer on the road. Zwei Männer, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Hier der schweigsame, derb-bodenständige Kleinbürger und eifrige Schnitzelesser Heinz Bösel, dort der geschwätzige, ernährungsbewusste und fernöstlichen Weisheiten zugeneigte Pseudointellektuelle Kurt Fellner. Was sie zusammenhält, ist ihr Job als Inspektoren des Hotel- und Gaststättengewerbes, der sie durch die österreichische Provinz führt. Dennoch kommen sich die beiden näher, erzählen sie von ihren Frauen und anderen Unglücksfällen, wagen schließlich sogar eine vorsichtige Freundschaft. Bis Fellner unheilbar an Krebs erkrankt und im Krankenhaus dem Tod entgegensieht, und ihre Freundschaft plötzlich das einzige ist, was sie noch auf der Welt haben.

Johann Anzenberger (l.) und Gerhard Wittmann in dem Theaterstück »Indien« im Traunreuter k1. (Foto: Heel)

»Indien«, 1991 von den Kabarettisten Josef Hader und Alfred Dorfer ursprünglich als Theaterstück geschrieben, wurde zwei Jahre später unter der Regie von Paul Harather mit den Autoren in den Hauptrollen verfilmt und genießt heute Kultstatus. Jetzt waren die Luisenburg-Festspiele Wunsiedel mit einer Produktion des Stücks zu Gast im ausverkauften Studiotheater des Traunreuter k1. Besetzt mit den Schauspielern Gerhard Wittmann (Bösel) und Johann Anzenberger (Fellner) sowie mit Bettina Meindl (Wirtin, Krankenschwester) und k1-Chef Thomas Kazianka (Wirt, Arzt, Priester) in Gastrollen.

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Getreu der Vorlage in zwei Abschnitte gegliedert, führte uns der erste, komische Teil in eine Reihe von Gasthäusern, die von Bösel und Fellner von Berufs wegen unter die Lupe genommen werden. Hier spielten Wittmann und Anzenberger mit exakter Körpersprache und punktgenau gesetzten Dialogen ihre gegensätzlichen Ansichten vom Leben voll aus, überzeugend dumpf-brütend der eine, aufgedreht und nie um einen (alt)klugen Spruch verlegen der andere. Etwa wenn Bösel von sich behauptete: »I bin gern im Außendienst. I bin a Cowboy«, und Fellner erwiderte: »Nein, sind Sie nicht. Sie sind ein Versager!« Wobei tragische Szenen nicht fehlten, etwa wenn Bösel von seiner gescheiterten Ehe erzählte bzw. dass er mit seiner Frau nur noch schlafen würde, um sie zu ärgern.

Nach der Pause dann ein abrupter Stimmungswechsel. Nun liegt Fellner im Krankenhaus, unheilbar an Hodenkrebs erkrankt. Aber noch hält er seinen Zustand für eher harmlos, sonst wäre der behandelnde Arzt ja nicht in Urlaub gefahren, oder? Bösel macht ihm Mut, doch bald schon schlägt für Fellner die Stunde der Wahrheit. Ein letztes Aufbäumen noch, ein letzter Anflug von Galgenhumor, und er stirbt in Bösels Armen, getröstet und vielleicht sogar versöhnt mit der Welt. Ein etwas gezwungen wirkendes »Happy End«, das ein wenig im Widerspruch zur Schärfe des ersten Teils stand, das jedoch kaum den positiven Gesamteindruck und erst recht nicht die Leistungen von Wittmann und Anzenberger schmälerte. Überzeugend auch die Regie von Christoph Zauner, der neben der präzisen Führung seiner Schauspieler auch die Übergänge so geschickt einrichtete, dass alles wie am Schnürchen ablief. Kurzum, ein so unterhaltsamer wie nachdenklich stimmender Abend. Wolfgang Schweiger