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Foto: Friso Gentsch/dpa-Archiv

Mit Bratpfanne erschlagen: Ukrainer verblutete – 62-Jähriger erneut vor dem Schwurgericht Traunstein

Traunstein – Aufgrund seiner massiven Kopfverletzungen durch Schläge auf den Kopf mit einer schweren Bratpfanne verblutete ein stark alkoholisierter 49-jähriger Ukrainer in der Neujahrsnacht 2021 langsam über Stunden in seinem Bett in einer Asylbewerberunterkunft in Burghausen. Sein damaliger Mitbewohner, inzwischen 62 Jahre alt, mit mindestens fünf Promille Alkohol zur Tatzeit musste sich nun erneut vor einem Traunsteiner Schwurgericht verantworten. 


Die Siebte Strafkammer mit Vorsitzender Richterin Christina Braune reduzierte die Strafe des Erstgerichts um zwei Monate auf eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und zehn Monaten. Die Fünfte Strafkammer hatte den Mann im Oktober 2021 wegen »Körperverletzung mit Todesfolge« zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte und sein Verteidiger, der auf eine Unterbringung seines Mandanten in einer Alkoholentzugsanstalt plädiert hatte, wandten sich danach per Revision an den Bundesgerichtshof. Das höchste deutsche Strafgericht hatte am Schuldspruch nichts auszusetzen, verwies den Fall dennoch zurück an das Landgericht. Eine andere Kammer sollte die Höhe der Strafe nochmals überprüfen.

Vor der Siebten Strafkammer stand somit der Sachverhalt rechtskräftig fest. Im ersten Prozess hatte sich der Angeklagte auf einen »Filmriss gegen 22 Uhr« wegen seiner hohen Alkoholisierung an Silvester und in der Neujahrsnacht berufen. Er behauptete, der Mitbewohner habe ihn als »Kinderschänder« beschimpft und mit einem Messer bedroht. Erst am Vormittag des 1. Januar 2021 habe die Erinnerung wieder eingesetzt. Er sei zurück in die Unterkunft gegangen. Der im Zimmer liegende 49-Jährige habe noch gelebt und jegliche Hilfe abgelehnt. Er, so der 62-Jährige im ersten Verfahren, habe den blutenden Mann gewaschen, den Raum gereinigt und sei eingeschlafen. Beim Erwachen habe er bemerkt, dass der 49-Jährige nicht mehr atmete.

Laut Anklage und Ersturteil hatte der Täter den auf dem Bett sitzenden 49-Jährigen irgendwann zwischen 22 und 4 Uhr morgens mit einer fast ein Kilogramm schweren Eisenbratpfanne mindestens viermal auf den Kopf geschlagen. Das Opfer fiel mit schwersten Schädelverletzungen rückwärts auf das Bett. Mutmaßlich in den Morgenstunden verstarb der 49-Jährige in Folge seines starken Blutverlusts.

In den Plädoyers war seitens der Staatsanwaltschaft vom »traurigen Ende eines Dauerrausches« die Rede. Der damals 61-Jährige habe den 49-Jährigen »verletzen, aber nicht töten« wollen. Seine Schuldfähigkeit bei der Tat sei erheblich eingeschränkt gewesen. Das Opfer habe ihn provoziert. Negativ wirkten zwei Vorstrafen und die »erhebliche Gewalt«.

»Zwei Alkoholiker wohnen auf engem Raum zusammen«, argumentierte der Verteidiger. Die Männer hätten über Russland politisch verschiedene Ansichten gehabt, häufig gestritten und sich gegenseitig beschimpft. Im »letzten Wort« bedauerte der Angeklagte »sehr, was passiert ist«. Er wolle die »Krankheit Alkohol« besiegen. Im Urteil der Fünften Strafkammer im Oktober 2021 hieß es, die Männer hätten seit 2018 unter erbärmlichen Verhältnissen zusammen gewohnt. Der Angeklagte habe mit großer Wucht zugeschlagen. An der Bratpfanne seien Blutanhaftungen nachgewiesen. Für eine Tötungsabsicht gebe es keine ausreichenden Anhaltspunkte. Die mehr als fünf Promille Alkohol hätten nicht zu einer völlig aufgehobenen Schuldfähigkeit geführt.

kd