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Mit der Stimme was bewegen

Berchtesgaden - Eine leere Dose. Am Boden eine einzelne Nudel. Dann ein Ton, Franziska Wagenlehners Stimme erfüllt den Raum, die Nudel bewegt sich. »Das war bei mir der Aha-Moment«, erzählt die Sängerin und Museumsführerin. Seit geraumer Zeit arbeitet sie als Klangheilerin. Und erzielt damit durchaus Erfolge.

Klangheilerin: Franziska Wagenlehner »betönt« Menschen mit ihrer Stimme. Foto: Anzeiger/Pfeiffer

»Alles ist Schwingung«, sagt Franziska Wagenlehner. »Bis in die letzte Zelle.« Dort, wo es nicht mehr so schwingt, wie es soll, herrschen Blockaden. Mit Hilfe der Stimme spürt sie die Sperren auf und versucht diese zu lösen. Vergleichbar seien diese mit einem fließenden Gewässer, in das man einen Stein wirft. Das Wasser bahnt sich seinen Weg drumherum, der Stein wirkt als Hindernis. »Blockaden sind unter anderem stressbedingt«, weiß Wagenlehner. Gründe gebe es aber zahlreiche.

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Die ausgewiesene Gesangsexpertin hatte schon früh im Gespür, dass ihr der Gesang gut tut, dass Gesangsübungen zu einem besseren Wohlbefinden beitragen. Als sie dann von der Klangheilung erfahren hat, war sie sofort begeistert, denn scheinbar könne man hervorragende Erfolge erzielen, so hörte sie damals. »Die Klangheilung ist nur ein Zusatzangebot, das den Hausarzt natürlich nicht ersetzt«, sagt Wagenlehner vorsichtig. Vorbeugen und unterstützen, ja, das sei durchaus möglich und ja, diese Erfahrungen habe sie bereits machen können. Etwa in der Volkshochschule, wo sie erst kürzlich zwei Kurse anbot, die sich mit der sensitiven Resonanz-Klangheilung befassen.

Ein Jahr lang hat Wagenlehner eine spezielle Schule in Wolfratshausen besucht, um die Ausbildung zur Klangheilerin zu absolvieren. Das Grundlegende hat sie dort mit auf den Weg bekommen, darüber hinaus spezielle Techniken, die man lernt, um seine Kunden zu behandeln.

Viele Hilfsmittel, die Klang erzeugen, kommen in den Sitzungen zum Einsatz, etwa Klangschalen, Trommeln, Zimbeln, Rasseln - oder eben die eigene Stimme, was für so manchen angehenden Klangheiler eine große Überwindung darstellt. Immerhin muss man seinen Kunden »betönen«, wie Franziska Wagenlehner das nennt. Das kann in Form von Tonfolgen sein, aber auch nur einzelne Töne sind möglich. Betönen kann man etwa mit dem eigenen Namen, verschiedenen Tonlagen und -längen, mit Vokalen.

Wenn Wagenlehner nicht die Stimme zum Einsatz bringt, vertraut sie auf Rasseln und Schalen, die lange im Raum verweilende Frequenzen hinterlassen. Menschen, die innere Unruhe und Stress verspüren, die emotional vorbelastet sind oder auch Schmerzen haben, könnten mit Klängen Erfolge erzielen.

Sitzungen laufen im Liegen, im Stehen oder Sitzen ab. Erklingt ein Ton, wird dieser nicht nur als solcher wahrgenommen. »Vielmehr wird ein Nervenimpuls an das Gehirn abgegeben, der dann in alle menschlichen Organe ausstrahlt«, weiß die Fachfrau. Nur wenn die Bereitschaft da ist, habe die Klangheilung einen Effekt. Demente Personen zeigten sich nach dem »Betönen« deutlich lebendiger.

Wie man Blockaden im Körper feststellt, hat scheinbar auch eine ganze Menge mit einer besonderen Feinfühligkeit zu tun. Allerdings, sagt Wagenlehner, könne jeder Mensch die Klangheilung erlernen. »Betritt ein Mensch den Raum, weiß man in der Regel ja auch, ob dieser jetzt gut oder schlecht gelaunt ist.« In die Esoterik verorten möchte Wagenlehner die Klangheilung aber nicht. »Es gibt viele wissenschaftliche Abhandlungen über das Thema.« Schon in der Vergangenheit haben die Menschen mit Klängen gearbeitet. Und schon damals versuchte man, das Schwingungssystem der Leute mit Klängen in einen Fluss zu bringen. Dass Töne eine besondere Auswirkung haben können, zeigte sich schon recht früh am berühmten »Hohen C«: Der große Tenor Mario Lanza hatte eine gewaltige Stimmkraft. Bei seinem Besuch bei Produzent Artur Brauner in Rom führte Lanza seinen »Zaubertrick« vor. Zunächst atmete er tief ein, dann setzte er zum Hohen C an. Die Folge: Die Weingläser auf dem Tisch zersprangen.

»Das habe ich bislang noch nicht geschafft«, lacht Franziska Wagenlehner. Auf ihre Nudel in der Dose ist sie trotzdem stolz. Kilian Pfeiffer