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Mit der Zither »von Oberbayern bis zum Wienerwald«

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Cornelia Mayer spielte an der Zither gemeinsam mit der Bad Reichenhaller Philharmonie. (Foto: Bauregger)

Unter dem Motto »Von Oberbayern bis zum Wienerwald« ließen Cornelia Mayer an der Zither und die Bad Reichenhaller Philharmonie unter ihrem Dirigenten Christian Simonis zum Abschluss der Strauss-Tage in Bad Reichenhall in der Konzertrotunde am Königlichen Kurpark markante Konzert- und Solostücke aus der Blütezeit der Zither erklingen.


Lieblich und leichtfüßig war der »Grützner-Walzer« von Franz Lehar, bei dem die Zither ein erstes Mal, gefühlvoll und rücksichtsvoll in das Klanggebilde der Bad Reichenhaller Philharmonie eingebettet, fein erklang. Wie Simonis erklärte, entstand dieser frühe Werk Lehars aus einer tiefen Freundschaft zu dem Münchener Maler Eduard von Grützner.

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Das zweite Konzertstück, »Oberbayrische Tanzweisen«, stammt aus der Feder des Herzog Max in Bayern, der Vater der späteren österreichischen Kaiserin Elisabeth. Herzog Max, der selber Zither spielte und für das Instrument komponierte, hat dem Ansehen der Zither, neben den Meisterkomponisten, zu einem mächtigen Aufschwung verholfen. Eingebettet in ein Ensemble allein aus Streichern erklangen die »Oberbayerischen Tanzweisen« in einem gemächlich, eher schreitend gehaltenen Tempo, verziert durch dynamische Steigerungen, in dem es Cornelia Mayer vorzüglich gelang, die Klangfülle der Zither mit starkem Ausdruck zu Geltung zu bringen.

In der Anmoderation zum folgenden Solopart »Paulinen-Galopp« von Johann Petzmayer ging Christian Simonis auf die besondere Beziehung zwischen Herzog Max in Bayern und dem Komponisten Johann Petzmayer (1803-1884) ein, der dem alpenländischen Instrument sogar in den Häusern der Erzherzöge und am Hofe des Kaisers Franz zu unglaublicher Popularität verhalf. Herzog Max war von seinem Spiel bei einem Konzert 1837 in Bamberg so angetan, dass er ihn als Musiklehrer auf sein Schloss berief.

Feiner Saitenanschlag und wirkungsvolle Tempowechsel

Mit feinem Saitenanschlag, wirkungsvollen Tempowechseln und einer markant herausgearbeiteten Hauptmelodie erklang der »Paulinen-Galopp« unter den flinken Fingern der Zithersolistin sicher im Sinne des Komponisten.

Gedanklich navigierte Simonis das Publikum im Anschluss in das Höllental und den Nasswald. Der dort gegründete »Verein der Nasswalder« veranstaltet jedes Jahr einen Benefizball zugunsten bedürftiger Kinder, für den namhafte Komponisten Stücke schrieben. Josef Strauss überraschte 1869 dort mit dem Stück »Die Nasswalderin«, Ländler im Tempo der Polka Mazurka op. 267, das Cornelia Mayer, im Klangkörper mit Violinen und einem Cello, in einem inspirierenden Miteinander zum Besten gab. Gemütliche, tänzerisch liebliche Parts wechselten sich hier spannend mit energischen Einlassungen ab. Hans Lanner widmete die Komposition »Erzherzog-Carl-Marsch« dem späteren ungarischen König Erzherzog Carl IV, der die Zither ebenfalls sehr liebte. Lanner war eigentlich ein Holzknecht, avancierte aber wegen seines musikalischen Wirkens für den Erzherzog sogar zum KK-Zitherspieler. Seine Würze erhielt der Vortrag des gemütlich gehaltenen Marsches durch einen wirkungsvollen Vorschlag im ersten Teil des Trios, durch gekonnte Tempoverschleppungen und markante, wuchtig klingende Lautstärkenanhebungen.

Alle Ausdruckformen der Traumsymbolik vereint

Hans Christian Lumbye, wegen seiner mehr als 700 Kompositionen auch »dänischer Strauss« genannt, schrieb das Stück »Traumbilder – Phantasie« in der laut Simonis alle Ausdruckformen der Traumsymbolik vereint sind. Simonis hatte nicht zu viel versprochen, denn der Komponist schuf mit wunderschönen Soloparts im Holzbläsersatz, im Fagott, einem feinen Violinen-Klangteppich, Hornmelodien, luftigen Bässen und der Spiegelung der Hauptmelodie in der Zither, tatsächlich traumwandlerische Leichtigkeit.

Einen wunderbar inspirierenden, anrührenden Farbpunkt fügte dem Programm im Anschluss der Tenor Wolfgang Dosch hinzu. Leidenschaftlich mitreißend, wienerisch charmant, unterstützt durch eine plastisch bewegte Körpersprache, animierte er das Publikum beim melancholischen Lied »Wie mei Ahnl zwanzig Jahr« aus »Der Vogelhändler« von Carl Zeller sogar dahinschmelzend dazu, mitzusummen.

Ein Höhepunkt der Matinee war auch das Zither-Solo und die Titelmelodie des gleichnamigen Films »Der dritte Mann«. Der Heurigenbesitzer Anton Karas gestaltete mit dem Harray-Lime-Thema die Filmmusik und erlangte so Weltruhm. Mit einer außergewöhnlichen solistischen Leistung trug Cornelia Mayer, wie sie eingangs selber sagte, den Welthit mit den original Fingersätzen und in der originalen Länge vor.

Den stimmigen Abschlusspunkt setzte Mayer schließlich zusammen mit der von Christian Simonis energisch befeuerten Philharmonie und dem Konzertwalzer »G'schichten aus dem Wienerwald« op. 325 von Johann Strauss. In einer wunderbar inspirierenden Symbiose aus Zither und dem großen philharmonischen Klangkörper gelang es noch einmal überzeugend, den berühmten Wiener Charme fühlbar werden zu lassen. Mit begeistertem, minutenlangem Applaus bedankte sich das Publikum zum Abschluss für diese meisterliche Leistung und wurde schließlich solistisch mit dem Zitherwalzer »Der Leuchtkäfer« von Anton Karas hinausgespielt. Werner Bauregger