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Serie über die Sagengestalt Cuchulinn anlässlich der Uraufführung von Patrick Pföß am 9. April

Mit einem Ball einen wilden Hund besiegt

Die Idee zur Kammeroper »Cuchulinn« hatte der Komponist Patrick Pföß im Frühjahr 2005 – als er auf einer Reise nach Irland ein Sagenbuch im Gepäck hatte. Es war sein Traum, dieses Werk in seiner Geburts- und Heimatstadt Traunstein zu präsentieren. Am 9. April ist es endlich so weit: Das Werk über den Helden »Cuchulinn« aus dem irischen Sagenzyklus der Kelten wird um 20 Uhr in der Klosterkirche in konzertanter Form uraufgeführt. Eine dreiteilige Serie unserer Zeitung führt die Leser in die wundersame Welt der Sage ein.

Dieter Schröder hat die Szenenbilder zur Kammeroper mit Cuchulinn im Knabenalter, der mit seinem Schläger und einem Ball auf den wilden Wachhund zielt, gezeichnet.

Pföß freut sich, dass er für diesen besonderen Abend den Botschafter von Irland, Michael Collins, als Schirmherrn gewonnen hat. Eine Einführung durch Peter Michael Hamel und Karlheinz Stockhausens »Tierkreis« runden das Konzert im Rahmen der Reihe »ARTS Akzente« der ARTS Kulturfördervereinigung Traunstein ab.

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Interdisziplinäre Arbeit mit anderen Kunstrichtungen

Patrick Pföß studierte Komposition und Flöte in Hamburg, schrieb Kammermusik, Chorwerke und Orchestermusik und arbeitet auch gern interdisziplinär mit anderen Kunstrichtungen wie Malerei, Performance oder Dichtung zusammen. Sein Projekt »Musik für eine Stadt« im Rahmen der Oberbayerischen Kulturtage 2013 in Traunstein spiegelt seine konzeptionelle Herangehensweise wider.

In Abständen arbeitete Pföß bis zum Frühjahr 2015 immer wieder an der Oper »Cuchulinn«. In Absprache mit dem Librettisten Jürgen Arnold wurde die episch breit erzählte Sage auf ihren Kern reduziert: Um Cuchulinns Geburt ranken sich viele geheimnisvolle und dunkle Mythen. Der Lichtgott Lug mac Ethnend erschien der Königsschwester Dechter im Traum und verkündete ihr, dass sie einen Sohn gebären werde, obwohl sie Jungfrau ist. Zur rechten Zeit gebar sie einen Sohn und nannte diesen Setanta. König Conchobar verlobte Dechter daraufhin mit Sualtach. Dieser nahm den Jungen als seinen Sohn an.

Als Setanta fünf Jahre alt war, besiegte er – nur mit einem Hurlingschläger und einen Ball bewaffnet – die anderen Kinder, die auf einem »Spielplatz« zu Kriegern ausgebildet wurden. Eines Tages ritt König Conchobar aus, um einer Einladung in das Haus des Schmiedes Chulann zu folgen. Unterwegs kam er an der Spielwiese der Knaben vorbei und sprach Setanta an, ob er ihm nicht folgen wolle. Der kleine Setanta war aber zu beschäftigt. So ritten der König und sein Gefolge weiter zum Hause des Chulann – der ließ seinen wilden Wachhund von der Kette, um den Hof zu bewachen, weil der König vergessen hatte, dass Setanta noch nachfolgen wollte.

Als Setanta zum Hof des Chulanns kam – wieder nur mit seinem Hurlingschläger und dem Ball in der Hand –, griff der Hund den Jungen an, doch dieser schoss den Ball so fest in das Maul des Hundes, dass es diesem die Eingeweide aus dem Körper riss.

Setanta wird der berühmteste Krieger des Landes

Weil der Schmied laut darüber klagte, dass er nun keinen Wachhund mehr hätte, bot sich Setanta dafür an, bis er wieder einen vergleichbaren Hund gefunden hätte. Plötzlich erfuhr der Druide des Königs eine Vision und weissagte Setanta, dass er der berühmteste Krieger des Landes werden würde. Er bestimmte seinen Kriegernamen Cuchulinn (»Hund des Chulann«).

Jeder Person oder Gruppe (die Knaben/die Tiere) hat Pföß ein Instrument zugeordnet. Die Flöte oder Bassflöte repräsentiert beispielsweise Cuchulinn und die Celesta die Knaben und Tiere. Die Viola gibt die harmonischen Felder vor, eine Art der Grundstruktur, mit der sich der Musiker seit einigen Jahren beschäftigt. Das Schlagwerk kommentiert das Geschehen. Im Kontrabass ist die musikalische Formel, aus der alles entsteht, auf die Gesamtzeit der Oper gedehnt zu hören.

Die Dramaturgie der Szenen ist wie im japanischen Nô-Theater-Zyklus angelegt: Die Oper beginnt mit einem »Götter-Stück«, es folgen Stücke über den jungen Helden, das »Frauen-Stück« und zum Schluss das »Dämonen-Stück«. Wie ein roter Faden zieht sich für Pföß das Thema »Nähe und Distanz« durch die Geschichte. Wie es mit Cuchulinn nach seinem spektakulären Auftritt beim Schmied weiter geht, steht in der nächsten Folge unserer Serie. Veronika Mergenthal