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Mit Gefühlswärme die Eisheiligen ausgetrickst

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Warmer Applausregen für den Solisten Edgar Gredler, Augustin Spiel und das Musik-Kollegium Traunstein. (Foto: Aumiller)

Draußen prasselte ungemütlicher Regen hernieder, aber drinnen in der Aula der Berufsschule Traunstein brachte der Wonnemonat ein mildes Maienlüftchen wonniger Musizierfreude. Das Musik-Kollegium Traunstein spielte unter Leitung von Augustin Spiel ein schönes Programm mit Werken von beschwingter Anmut und reizvoller Klanglichkeit. Solist war an diesem Abend der Cellist Edgar Gredler. Die Reihe »Sinfonische Konzerte« des Musik-Kollegiums Traunstein, in der auch öfter die Philharmonie Bad Reichenhall gastiert, erfreut sich offensichtlich großer Beliebtheit, wie sich aus der gut besuchten Aula und dem herzlichen Applaus schließen ließ.


Aus überwiegend ambitionierten Amateurmusikern hatte Augustin Spiel 1984 das Musik-Kollegium gegründet und leitet seitdem diese Orchestervereinigung, der auch Lehrer der Musikschule und professionelle Musiker angehören. Im Repertoire finden sich Werke von der Klassik bis zur Moderne, wie auch Unterhaltsames. Die Stadt Traunstein hat in den sinfonischen Konzerten mit dem Musik-Kollegium einen Klangkörper, der eine Bereicherung für das Kulturangebot darstellt.

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Beim dritten diesjährigen Konzert dieser Reihe war die Liebe zur Musik zu spüren, mit der die Musiker die Stücke von Johann Christian Bach, Luigi Boccherini und W. A. Mozart zum Klingen brachten.

Die Sinfonia D-Dur op. 18 Nr. 4 von Johann Christian Bach ist ein heiterer Notentanz mit reicher Melodik, der gleich Stimmung und unbeschwerte Freude im Saal aufkommen ließ. Glanzlichter setzten die Flötistinnen, und die Bläsergruppe insgesamt überstrahlte mit kantablen Linien die Streicher. Johann Christian Bach, der jüngste Sohn von Johann Sebastian, war einer der großen Vorbilder des jungen Mozart, der ihm als Achtjähriger in London begegnete und zeitlebens eine große Verehrung für den Londoner Bach hegte.

Luigi Boccherini gilt als einer der wichtigsten Komponisten für die Begründung der virtuosen Cello-Technik. Sein berühmtestes Cello-Konzert in D-Dur war aber lange Zeit nur in der Bearbeitung von Friedrich Grützmacher bekannt, und obwohl inzwischen eine anerkannte Originalfassung aufgefunden wurde, bevorzugen nach wie vor viele Cellisten die Grützmacher-Version. So auch hier Edgar Gredler, der die anspruchsvolle Virtuosität mit Bravour meisterte, die Doppelgriffe und Registerwechsel mit erfahrenem Technikgriff spielte. Das Werk ist eine Mischung aus Boccherini- Grazie und Romantik im Zeitgeist des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

Den Adagio-Satz in träumerischer Empfindung machten Gredler und das Musik-Kollegium unter Spiel zu einem musikalischen Höhepunkt, dem sich das Rondo Allegro in beweglicher Munterkeit und Frische anschloss. Edgar Gredler war 39 Jahre lang Solocellist des Münchner Rundfunkorchesters. Daneben profilierte er sich auf Auslandsreisen auch als erfolgreicher Solist. Seit zwei Jahren pflegt er nur noch seine Soloauftritte und kann seine langjährige Erfahrung mit neuen Impulsen nähren. Das Publikum feierte den Solisten und die Orchestermusiker mit großer Zustimmung.

Nach der Pause kam noch Mozarts D-Dur-Sinfonie KV 2012 zu Gehör. Sie steht zwar ein wenig im Schatten der bekannten Sinfonien des Salzburger Genies, trägt aber deutlich seine Handschrift und ist, wie bei allen seiner Werke, eine Freude zum Anhören. Man konnte beobachten, wie gut die Musiker aufeinander eingestimmt sind, wie sie sich Mozart mit Konzentration und Hingabe verpflichtet fühlten, und so schenkten sie den Konzertbesuchern eine launige, frohgemute Wiedergabe, spielerisch und umsichtig von Spiel zum schwungvollen Klangergebnis animiert. Elisabeth Aumiller