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Das Eröffnungskonzert des Chiemgauer Musikfrühlings als brillantes Kammermusikerlebnis

Mit Herz und Leidenschaft

Viel Applaus gab es nicht nur für Diana Ketler (von links), Thorsten Johanns und Julian Arp, die beim Eröffnungskonzert das Klaviertrio von Beethoven spielten. (Foto: Aumiller)

Für das Eröffnungskonzert des 14. Chiemgauer Musikfrühlings ist die Aula des Annette-Kolb-Gymnasiums zum Konzertsaal umfunktioniert worden – wegen der Sanierungsarbeiten an der Traunsteiner Klosterkirche. Der notwendige Einbau eines Konzertpodiums hatte die Organisatoren vor keine kleine Herausforderung gestellt, wie Intendant Razvan Popovic eingangs erläuterte. Aber zur Eröffnung des Chiemgauer Musikfrühlings zeigte sich die Aula als freundliches Auditorium mit ansprechender Akustik.


Der Eröffnungsabend wurde dort zu einem eindrücklichen Musikerlebnis. Die Interpreten glänzten mit ihren instrumentalen Fähigkeiten, blieben damit aber nicht an der Oberfläche des Ablieferns schöner Töne – als ihre Stärke erwies sich die Intensität ihres Einsatzes, fern aller Routine, der Blick hinter die Noten, die leidenschaftliche Hingabe an das Werk, um im emotionalen Ausdruck Mittler des Komponisten zu sein. Das herzerwärmende Spiel zwang zum Zuhören, ließ den Funken ins Publikum überspringen und erregte Bewunderung für die Künstler ebenso wie für die Kammermusikstücke von Beethoven, Heitor Villa-Lobos und Edward Elgar.

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Fülliger Klang in einem vielfarbigen Spektrum

Mit zwei frühen Beethoven-Werke begann das Konzert. Der Serenade für Streichtrio op. 8 gaben der französische Geiger Philippe Graffin, Razvan Popovic an der Viola und der Cellist Julian Arp ein heiteres Gesicht. Erstaunlich, welch fülligen Klang in einem vielfarbigen Spektrum die drei Musiker zum Erblühen brachten. Der Marschrhythmus zu Beginn modulierte überraschend nach Moll und die Solovioline fügte so manchen imaginären Seufzer in die musikalische Linie. Die Violine hatte immer mal die Nase vorn, die Viola mischte sich einstimmend dazu und das Cello tanzte mit tupfigen Pizzicati ebenso, wie es lyrische Bögen spann. Die lustig tänzerische Beweglichkeit setzte sich in eingängiger Melodik fort. Rhythmisch flott und in der Phrasierung klar akzentuiert, suggerierten die Streicher eine Art zauberisches Ständchen. Überraschend übernahm dann die Viola die schön phrasierte Melodieführung, welche das Cello fantasievoll übernahm und fortführte.

Das sogenannte »Gassenhauer-Trio« B-Dur op. 11 für Klarinette, Cello und Klavier hat seinen Namen von der Ohrwurmmelodie im Finalsatz. Beethoven zitierte darin einen »Schlager« aus der Oper »der Korsar« des damals populären Wiener Opernkomponisten Joseph Weigl. Beethoven variierte das Opern-Thema auf Wunsch des Klarinettisten, für den er das Trio schrieb. Der Klarinettist Thorsten Johanns, die Pianistin Diana Ketler und der Cellist Julian Arp brachten ein charmantes Stück zu Gehör, zogen in schlanker Spielweise schöne Linien voll sensiblen Ausdrucks.

Mal übernahm die Klarinette die gefühlvolle Kantilene des Cello-Themas, dann folgte eine feine Wendung nach Moll in Klavier und Cello, in die sich die Klarinette einfädelte. Die »Gassenhauer«-Variationen im 3. Satz flogen im flotten Miteinander dahin, zwischendurch vom Klavier rhythmisch prägend in Trab gehalten, um sich dann im fröhlich unterhaltsamen Ausklingen die Bälle zuzuspielen und schließlich klanglich ineinander zu verflechten.

Der italienische Gitarrist Alberto Mesirca bezauberte mit drei Preludien für Gitarre Solo von Heitor Villa-Lobos. Der Komponist habe aus seinen fünf Preludien diese drei seiner Frau gewidmet, erläuterte Mesirca. Die brasilianischen Klänge gab der Italiener in voll authentisch wirkender Weise wieder. Als ob er sein Instrument liebkosen wollte, so zart besaitet entfaltete er die wunderschönen Melodie-Elemente und brachte die brasilianische Couleur fantasievoll in feinen Nuancen zum magischen Klingen.

Faszinierendes Oeuvre mit dramatischem Zuschnitt

Erst spät in seinem Schaffen beschäftigte sich der englische Komponist Edward Elgar mit Kammermusik. Ein großer Beitrag zu diesem Genre ist sein Klavierquintett a-Moll op. 84. Pianistin Diana Ketler, die Violinisten Philippe Griffin und Pascale Rouilly, Bratscher Vladimir Mendelssohn und Cellist Julian Arp boten ein faszinierendes Oeuvre dramatischen Zuschnitts. Brahmsische Elemente glaubte man zu hören, auch östlich-folkloristische Farben mischten sich unter.

Mit großer Intensität, Spannung und überbordender Musizierfreude im sich gegenseitig inspirierenden und ergänzenden Miteinander zogen die Interpreten die Zuhörer in ihren Bann im überzeugenden Plädoyer für ein herrliches Werk. Viel Applaus gab es für alle am Ende dieses gelungenen Auftakts zum Musikfrühling-Festival. Elisabeth Aumiller