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»Mit hoher Belastung treffen und dabei keine Zeit verlieren«

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Er ist seit Mai der Schießtrainer der deutschen Biathleten: der Ruhpoldinger Engelbert Sklorz. (Foto: Wukits) Foto: Ernst Wukits

Die ganz großen Dramen spielen sich im Biathlonsport oft am Schießstand ab. Da werden sicher geglaubte Siege im wahrsten Sinne des Wortes verschossen und vermeintlich abgeschlagene Athleten bekommen plötzlich die Chance auf einen Podestplatz.


Das Schießen beim Biathlon ist eine sehr komplexe Angelegenheit. Der Sportler muss ganz genau in seinen Körper hineinhorchen, bevor er mit dem ersten seiner fünf Schüsse beginnt. Seit Jahren kümmern sich bei fast allen Nationen ausgebildete Schießtrainer darum, die Zielsicherheit der Skijäger zu optimieren. Bei den deutschen Biathleten ist seit Mai ein neuer Mann dafür zuständig.

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Arbeit als Schießtrainer von Arnd Peiffer

Für viele kam die Nominierung von Engelbert Sklorz überraschend, für Insider im Biathlon allerdings nicht. Schließlich hatte sich der 55-jährige Ruhpoldinger bereits seit vielen Jahren einen guten Namen als Trainer gemacht – unter anderem als persönlicher Schießtrainer von Olympiasieger und Weltmeister Arnd Peiffer.

Sklorz arbeitet bei der Bundespolizei in Bad Endorf und hat auch dort gute Erfahrungen mit Sportlern gemacht. Zuletzt war er für den Biathlon-Nachwuchs am Stützpunkt Ruhpolding für die Skijäger im Deutschlandpokal zuständig. Trainer im Bereich Biathlon ist er nunmehr seit 30 Jahren, in dieser Zeit hat er viele Trainerlizenzen im Biathlon und Sportschießen erworben.

Als er noch sportlich aktiv war, brachte ihm sein damaliger Trainer Gerd Winkler die Sportart näher. »Ich habe mich damals damit beschäftigt, die Zielscheiben in der Mitte zu treffen. Das schien mir immer die sicherste Variante zu sein«, sagt er lapidar. »Ich habe damals schon viel mitbekommen, das Meiste habe ich aber in der Zusammenarbeit mit den Sportlern gelernt. All das versuche ich weiterzugeben und weiterzuentwickeln. Das Rezept für gutes Schießen ist es, mit hoher Belastung zu treffen und keine Zeit dabei zu verlieren.«

Während er bisher überwiegend nur mit Sportlern arbeitete, ist er in seiner neuen Position auch in der Trainer- Aus- und Weiterbildung tätig. Mitte Juli wurden vom DSV erste Workshops in Ruhpolding und Oberhof abgehalten, bei denen etwa 85 Trainer jeweils drei Tage weitergebildet wurden. Dazu kommen rund 70 Einzelanalysen mit verschiedenen Sportlern.

Die Tätigkeit als Schießtrainer ist sehr vielsichtig, Sklorz sieht es als Unterstützung der jeweiligen Kader-, Disziplin- und Stützpunkttrainer. »Im Prinzip arbeite ich mit allen Kadersportlern von weiblich bis männlich und von jung bis alt. Da ich in Ruhpolding wohne, läuft sehr viel an diesem Stützpunkt«, beschreibt er seine Aufgabe.

Im weiteren Verlauf der Saison wird er bei ausgewählten Lehrgängen und im Winter bei den Weltcups dabei sein. Die aktuelle Zusammenarbeit mit dem DSV als Biathlon-Schießtrainer hat eine lange Vorgeschichte.

»Ich habe schon viele Jahre für den DSV in verschiedenen Positionen gearbeitet. Vor acht Jahren wurde mir nach einer Umstrukturierung im Juniorenbereich die Funktion eines übergeordneten Schießtrainers angeboten. Das habe ich aus persönlichen Gründen abgelehnt und die Zusammenarbeit mit dem DSV erst einmal ruhen lassen. Nun wurden die Gespräche mit der neuen sportlichen Führung geführt und so kam es zur Zusammenarbeit«, erzählt er. Dazu war auch die Zustimmung seines Arbeitgebers – der Leitung der Bundespolizei-Sportschule Bad Endorf – nötig. Engelbert Sklorz ist ein ausgesprochener Fachmann, was das Schießen betrifft. Bei der Feuerschützengesellschaft Ruhpolding nimmt er an Wettkämpfen teil. Hier tritt er in den Disziplinen Luftgewehr, Kleinkaliber-Liegend, KK 100 m, KK 3 x 20 und KK 3 x 40. Die Dreistellungsdisziplinen werden kniend, liegend und stehend geschossen.

In seiner täglichen Trainingsarbeit mit den Sportlern kann er auf das modernste Equipment bauen – unter anderem auf Systeme mit Laserbasis und mit Infrarotstrahlen. Die neuesten Systeme nutzen dabei sogar eine Hochgeschwindigkeitskamera. Alle diese Systeme machen die Bewegungen sichtbar, die der Sportler mit dem Gewehr tätigt und zeigen dies auf dem Computer an, ebenso die Treffer und Trefferlage.

»Über die große Bandbreite der Nutzbarkeit kann man sie so einsetzen, wie es notwendig ist«, erklärt Sklorz. Um das Schießtraining komplett zubekommen, wird zusätzlich ein Abzugsmess- und Trainingssystem verwendet. Der sogenannte Abzugstrainer kommt von der Teisendorfer Firma Mösenlechner. Damit können die Druckverhältnisse am Abzugsbügel optisch und akustisch angezeigt werden.

Ziel ist es, nach dem Ladevorgang direkt ein Druckplateau von rund 80 Prozent des Abzugsgewichtes zu erreichen, um ohne zeitlichen Verzug und ohne störende Abzugsbewegungen den Schuss auszulösen. Entscheidend für den Erfolg ist es, das im Training gelernte im Wettkampf umzusetzen. »Ein guter Schütze beherrscht die einzelnen Techniken von Atmung, Zielen und Abziehen unter schwierigen Bedingungen. Dazu muss der Athlet während der kurzen Aufenthalte am Schießstand die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche behalten, auch bei hohen physischen und psychischen Druckbedingungen.«

Im Biathlon ist in den vergangenen Jahren die Luft an der Weltspitze von Jahr zu Jahr dünner geworden. Auch am Schießstand wird immer schneller geschossen. »Wer Erfolg haben will, muss in der Lage sein, situationsgerecht zu handeln. Also muss man beides können, schnell und langsam schießen«, so seine Antwort auf das Thema »Schnelles oder langsames Schießen«?

Die Zusammenarbeit mit den Sportlern sieht der 55-Jährige als ein Geben und Nehmen. »Das heißt, bei den Einzelanalysen werden auch immer sehr intensive Gespräche geführt, um individuelle Lösungsansätze zu definieren, um letztendlich einen perfekten Handlungsablauf – sprich Schuss – zu ermöglichen.«

Kein Geheimnis um den fünften Schuss

Oft verhindert der »verflixte« fünfte Schuss eine makellose Bilanz am Schießstand und wird damit für Sportler, Trainer und Zuschauer zum Drama. »Manchmal schwenkt die Konzentration zu diesem Schuss bereits in Richtung Weiterlaufen. Da fehlt dann die nötige Aufmerksamkeit und es schleichen sich technische Fehler ein, die es verhindern, diesen wichtigen Schuss als Treffer absichern zu können«, erklärt er. SHu