weather-image
21°

Mit Leidenschaft und Ehrhoff: DEB-Team startet in WM

Helsinki (dpa) - Christian Ehrhoff muss es richten. Der NHL-Profi soll die deutsche Eishockey-Auswahl bei der Weltmeisterschaft in Finnland und Schweden als Erfolgsgarant vor dem Absturz in die internationale Bedeutungslosigkeit bewahren.

Nationalspieler
Christian Ehrhoff soll der Abwehr im DEB-Team Stabilität bringen. Foto: Siegfried Kerpf Foto: dpa

Zum Turnierstart könnte die Aufgabe für die Truppe von Coach Pat Cortina komplizierter kaum sein: Am Freitag ist Gastgeber Finnland der erste Gegner, die Suomis liegen den Deutschen traditionell überhaupt nicht. Aber da ist ja noch Ehrhoff, der sehnsüchtig erwartete Star aus Nordamerika, bei dem Coach Cortina ganz ins Schwärmen gerät.

Anzeige

«Seine Professionalität, seine Arbeitsmoral, sein absoluter Wille, immer das Beste aus sich rauszuholen», zählt der Trainer auf. Er kann es kaum noch erwarten, den Superstar auf das Eis zu schicken.

Am Donnerstagnachmittag absolvierten Ehrhoff und sein NHL-Kollege Marcel Goc ihr erstes Training mit der Auswahl, nur knapp vier Stunden zuvor waren die beiden in der finnischen Hauptstadt gelandet. «Ein bisschen Müdigkeit ist noch da, vor allem stand ich schon fünf, sechs Tage nicht mehr auf dem Eis», berichtete Ehrhoff, der einen «guten Eindruck» von der Mannschaft gewonnen hatte. «Die Jungs sind alle gut drauf und freuen sich darauf, wenn es los geht».

Dass der erste Gegner Finnland heißt, sei nicht unbedingt ein großer Nachteil, findet der Moerser. «Das ist sicherlich ein schwerer Brocken gleich zum Anfang, aber das gibt uns die Gelegenheit, gleich 100 Prozent zu geben», sagte der Verteidiger, den Coach Cortina am Donnerstag auch zum Turnier-Kapitän machte. Für die erste Partie nominierte der Trainer zunächst nur 21 Spieler aus seinem 25er-Kader, kann während der WM aber jederzeit nachmelden.

Die Vorfreude auf Ehrhoff und Goc war in Helsinki groß, zumal einige Spieler aus Mannheim und Krefeld mit beiden schon in dieser Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zusammengespielt haben - Grund war der Arbeitskampf in Nordamerika. «Ihre Klasse haben sie ja schon in der Liga gezeigt», erinnert sich Christoph Ullmann, für mehrere Wochen Sturmpartner von Goc bei den Adler Mannheim. «Die beiden werden unserer Mannschaft sehr helfen - wir freuen uns.»

Die unumstrittenen Fähigkeiten des Duos mit Schläger und Puck stellt Bundestrainer Cortina noch nicht mal in den Vordergrund. «Was sie auf dem Eis tun, kann jeder sehen. Ich hoffe, den größten Einfluss haben sie außerhalb der Eisfläche», sagt er. Cortina setzt darauf, dass vor allem Ehrhoff mit seiner Erfahrung und Routine die jungen Spieler - sechs Akteure stehen vor WM-Debüts - mitreißt.

Beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) denken viele an den bis dato letzten Auftritt des Eishockey-Millionärs von den Buffalo Sabres im Nationaltrikot zurück. Bei der Heim-WM 2010 führte er die Auswahl bis ins Halbfinale und war einer der besten Spieler des Turniers. Von so einem Coup wagt dieses Mal aber niemand zu träumen, der 30 Jahre alte Ausnahmeprofi hat vor allem den Klassenverbleib im Fokus.

Nach den Pleiten im Vorjahr und bei der Olympia-Qualifikation ist die Tiefstapelei in der deutschen Mannschaft verständlich. Als seine Auswahl-Kollegen das Ticket für die Winterspiele 2014 verspielten, musste Ehrhoff vor dem Fernseher in den USA tatenlos zusehen. Danach hielt er sich mit Kritik am Verband nicht zurück. Seine Zusage für die WM ehrt ihn - war angesichts der Kritik aber nur konsequent.

Übrigens: Dass das DEB-Team nach Rückschlägen zu Überraschungen fähig ist, hat es in seiner jüngsten Vergangenheit bewiesen. Der Blamage bei der WM 2009 in Bern - als Deutschland der Abstieg in die B-Gruppe nur erspart blieb, weil es im Jahr darauf Gastgeber war - und den schwachen Olympischen Spielen in Vancouver folgten 2010 die famosen Mai-Tage mit WM-Platz vier vor heimischem Publikum.

Und 2013? «Wir können nur erfolgreich sein, wenn wir defensiv gut stehen und leidenschaftlich auftreten», betont Cortina. Zwei Attribute, für die Ehrhoff wie kaum ein anderer steht.