weather-image
29°

Mit liebevoller Ironie und Direktheit

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Hannes Ringlstetter nahm seine Zuhörer mit auf eine musikalische Reise. (Foto: Heel)

Hannes Ringlstetters wahre Liebe gilt der Musik – damit hat der heute 47-jährige Niederbayer angefangen (»Schinderhannes«), und damit hat er auch bei seinem Gastspiel in der Laufener Salzachhalle das Publikum begeistert, wo er im Rahmen der Salzach-Festspiele sein neues Album »PNYA« vorgestellt hat – ein höchst vergnügliches »Reisealbum«, auf dem jedes Lied einen anderen musikalischen Stil hat, von Country über Rock bis zu Disco.


Als Erster (und Überraschungsgast) stand allerdings »Der Weiherer« respektive der 1980 in Burghausen geborene Liedermacher und Radikal-Poet Christoph Weiherer auf der Bühne, der im Herbst 2016 mit seinem millionenfach geklickten Facebook-Video »25541 Brunsbüttel« zum Medienstar avancierte. Mit seinem Aufruf, die Frage an der Kasse nach der Postleitzahl stets und überall mit »25541« zu beantworten, kam er auch in Laufen bestens an.

Anzeige

Mit einer achtköpfigen, fabelhaft aufspielenden Band im Rücken, trat Hannes Ringlstetter dann seine Weltreise an. Eine Reise mit vielen Geschichten, wie er eingangs betonte, manche davon wahr, manche eher fiktiv. Gut waren sie alle, denn Ringlstetter ist nicht nur ein hervorragender Musiker, sondern auch ein glänzender Erzähler, der die Zuhörer mit seiner unvergleichlichen Mischung aus liebevoller Ironie und kerniger Direktheit mitnahm, ob in die große Welt hinaus oder zurück in seine jugendlichen Niederungen in Niederbayern.

Zum Start spielte er mit »PNYA« einen flotten Countrysong über das Leben auf Tour: »Bau ma auf, bau ma ab, fahr ma wieder weida – München, Passau, Linz und Wien, Paris, New York, Alteiselfing«. Mit dem Lied »Dorfdisco« erinnerte er anschließend an seine Jugendzeit, als es noch kein Komasaufen gab, »das hieß damals einfach Wochenende«. Über »Bunga, Bunga in Budapest«, serviert mit feurigen Gypsy-Klängen und einem bissigen Seitenhieb auf die ausschweifenden Firmenpartys einer gewissen Versicherung ging es weiter nach Wien, wo Hannes Ringlstetter die Besonderheit der Würstelstände würdigte und erklärte, was unter einer Bestellung wie »a Eitrige, an Buckl und a Sechzehner-Blech, aber Jennifer« zu verstehen ist: ein Käsekrainer, ein Scherzl Brot und eine Dose Ottakringer-Bier – und Jennifer kommt von Jennifer Rush (»rasch«).

Bevor Hannes Ringlstetter mit dem »Folsom Prison Blues« den Johnny Cash gab, erzählte er von seinem Besuch in der JVA Straubing, als da mal Tag der offenen Tür war. Eine herbe Enttäuschung für den Halbwüchsigen, hatte er doch gehofft, dort die ganz harten Jungs anzutreffen. Stattdessen war es ein »Nachmittag des Grauens«: Die Häftlinge arbeiteten brav an irgendwelchen Maschinen oder gingen im Hof spazieren, verhielten sich ruhig und höflich. Und als Vorzeigeexemplar wurde ein mehrfacher Mörder präsentiert, der in der Haft das Abitur nachgeholt hatte.

Vom »Pimperlake« in Amerika ging es retour in die bayerische Provinz, wo Hannes Ringlstetter die Angst vor dem Halbmond mit dem »Vollmond über Oberammergau« konterkarierte und ein paar seiner Begleitmusiker mit Wolfsgeheul dazu Stimmung machten. Versöhnlich und sehr persönlich ging das Konzert zu Ende – mit einer fast schon pathetischen Liebeserklärung an seine Heimat »Niederbayern« und der wunderschönen Ballade »Bleib doch da«. Wolfgang Schweiger