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Mit »Mellowtonin« im siebten Jazz-Himmel

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Unser Bild zeigt von links am Piano Pablo Held, am Kontrabass Phil Donkin, am Saxophon Johannes Enders und am Schlagzeug Nasheet Waits. (Foto: Benekam)

Wer schon immer einmal so richtig guten Jazz erleben wollte, aber nicht über die finanziellen Mittel verfügt, sich ein Flugticket nach New Orleans oder Chicago zu leisten, der hatte im k1 in Traunreut die ultimative Chance, sich einen Traum zu erfüllen. Johannes Enders (Saxophon), Pablo Held (Piano), Phil Donkin (Bass) und Nasheet Waits (Drums) ließen bei allen Jazzfans im k1-Studio die Herzen höherschlagen und versprühten in hochprofessioneller Manier musikalische Lebensfreude.


Das hochkarätige Jazz-Quartett in internationaler Besetzung präsentierte Stücke seiner neuen Platte »Mellowtonin«, swingte und groovte das k1-Studio und riss seine Zuhörer vom ersten Ton an mit. Schon die Auswahl des Titels ihres neuen Albums zeugt von Kreativität und Ideenreichtum. »Mellowtonin«, zu Deutsch Melatonin, ist ein Hormon, welches zur Regulation des Biorhythmus' aus der Hirnanhangdrüse ausgeschüttet wird. Zudem wird es auch als Anti-Krebs-Mittel gehandelt. Nun erschließt sich einem der Zusammenhang, denn wer diese Musiker und ihren Jazz erlebt, der reguliert in ihrem Konzert seinen Biorhythmus und vertreibt eventuelle, ruhende Krebszellen aus dem Organismus.

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Musik, die heilt? Mit zuweilen geschlossenen Augen, hörten und spürten sich die Musiker, ließen sich ganz aufeinander ein, schienen sich mittels ihrer Instrumente Fragen zu stellen und zu beantworten. Alles mit verblüffender Lockerheit und Coolness und so gar nicht privat, sondern ganz öffentlich, mit viel Nähe zum Publikum, was die intime Atmosphäre im, mit kleinen Tischen ausgestatteten, k1-Studio erlaubte.

Am Piano saß der junge deutsche Shootingstar Pablo Held, der für sein Alter ein höchst feinsinniges Spiel und eine erstaunliche Souveränität und Tiefe darbot. Der aus Großbritannien stammende Kontrabassist Phil Donkin gehört zu den gefragtesten Musikern seines Fachs in Europa. Als Meister der tiefen Töne, zupfend, greifend, fast immer ohne Bogen, begeisterte er an seinem Instrument. Auch der phantastische New Yorker Drummer Nasheet Waits, Sohn des legendären Jazz-Drummers Freddie Waits, zählt zu den angesagtesten Musikern seiner Generation. Kaum zu fassen, dass menschliche Handgelenke so locker sein können, und die Beine eines Drummers so elastisch. Frontman Johannes Enders gilt als Deutschlands einflussreichster Tenorsaxophonist und hat seit 2009 eine Professur für Jazzsaxophon an der Musikhochschule Leipzig inne.

Im Traunreuter k1 war es sein dritter Auftritt, so Thomas Kazianka, der sich durch das Engagement der Weltklassejazzer erhofft, eine Nische im Kulturangebot zu finden. Alles in allem war das Konzert ein wahrer Jazz-Leckerbissen für die begeisterten Studiogäste, die die Weltklassemusiker mit lang anhaltendem Applaus belohnten. Hinter der Bühne fanden die Jazzer »Gott sei Dank« noch ein Stück, so Enders. Mit Thelonious Monks »We see« beschlossen sie das Konzert und verabschiedeten sich von ihrem Publikum. Kirsten Benekam