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Mit Musik und Humor geht vieles besser

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Vorzüglich unterhalten wurde das Publikum in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS von (von links) Andreas Martin Hofmeir, Stefan Waghubinger, Axel Pätz und Michael Altinger. (Foto: Heel)

»Die Menschen werden immer unhöflicher. Erst kürzlich habe ich einer Dame die Tür aufgehalten, und was war die Reaktion? Sie sagt: Ich möchte doch gar nicht zu Ihnen«. Mit dieser schwerwiegenden Klage, der noch ein paar weitere folgen sollten, eröffnete der Kabarettist Michael Altinger das Frühjahrs-Kabarett-Brettl in der ausverkauften Traunsteiner Kulturfabrik NUTS.


So monierte er auch die neue Unsitte, in sogenannten Boutique- oder Designer-Hotels Bad und Toilette hinter einer Glastür aus zu installieren, was selbst Schwerstverliebten unbeliebte Eindrücke verschaffen würde. Über Donald Trump wollte er sich dagegen nicht beklagen. Den sprach er stattdessen mit »My lovely Trumperer« an und erklärte ihm anhand einiger Märchen der Brothers Grimm auf deutsch-englisch, wie die Deutschen wirklich tickten.

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Altingers erster Gast war der Musik-Kabarettist Axel Pätz aus Hamburg, der gleich zweimal an der Hamburger Musikhochschule studiert hat und von sich sagt: »Ich bin jetzt dort angekommen, wo ich künstlerisch immer hinwollte. Unternehmerisch bin ich noch auf dem Weg«. Ein wahrer Tastenvirtuose, der Auszüge aus seinem Programm »Chill mal« präsentierte, aberwitzige Geschichten, kombiniert mit eingängigen Melodien. Etwa die vom Mann, der erst auf dem »Aufsitzrasenmäher« sein wahres Gesicht zeigt und »rüde den räudigen Rasen rasiert«, oder der verschlampten Tochter, die auf alle Vorhaltungen entgegnet: »Locker bleiben, Mama, chill doch mal«.

Dazwischen erklärte er anhand des Lieds »Hänschen klein, ging allein …« stolz sein System der »Notenhäufelung«, damit endlich mehr mitgesungen werden kann. Das glückte an diesem Abend zwar nicht ganz, war aber zumindest eine interessante Erfahrung. Schmissig am Akkordeon entführte er die Zuschauer zuletzt noch auf eine Ü-80-Party, wo die letzte Pflegestufe gezündet wird und der Prosecco aus den Schnabeltassen schwappt. Sehr schön und sehr schräg.

Auf Axel Pätz folgte Stefan Waghubinger, ein Oberösterreicher, der in Deutschland Theologie studiert hat und seit 1993 in Stuttgart lebt, wo er seit 1999 mit Andrea Waghubinger regelmäßig Cartoons wie »A-men«, »Tim und Laura« oder »Unsere besten Jahre« veröffentlicht. Als Spezialist für »außergewöhnliche Belastungen«, so auch der Titel seines aktuellen Programms, plauderte er so locker wie anregend darüber, wie man Eheprobleme NICHT löst und trotzdem seinen Humor behält. Etwa dann, wenn man seiner Angetrauten einen Entschuldigungsbrief (nach einer Vorlage aus dem Internet) geschrieben hat, im Eifer des Abschreibens aber mit »Max Mustermann« unterzeichnet hat. Nicht gerade optimal sei es auch, der Gattin einen Gutschein für eine Schönheitsoperation zu schenken, oder auf ihre Frage »Sag mal, bin ich zu dick« zu antworten: »Wofür?«

Belastend für Waghubinger ist auch das Engagement seiner Frau bei Greenpeace. Da verstehe er nicht, wieso sie gegen das Abholzen des Regenwalds sei, bei sich selbst aber so manche Körperbehaarung, die ja auch ein Lebensraum sei, abrasieren würde. Das Publikum verstand es auch nicht und zeigte sich hingerissen von dem lässigen Charme, mit dem der Kabarettist das Bild des Frauenverstehers konterkarierte.

Altingers letzter Gast war der Tubaspieler und Kabarettist Andreas Martin Hofmeir aus der Holledau, einst Gründungsmitglied der bayerischen Kultband LaBrassBanda und heute Professor für Tuba am Mozarteum in Salzburg. Er brachte dem Publikum mit launigen Worten die Eigenarten dieses Instruments näher, »Keiner will uns hören, keiner schreibt für uns – und wenn, dann nur aus Versehen«, und servierte dazu einige Kostproben wie etwa die »Flötenfantasie« des Komponisten Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767). »Erfunden« wurde die Tuba übrigens erst 1835, »nachher kam nur noch das Saxophon, aber das ist ja eigentlich kein Instrument«.

Noch spannender wurde es allerdings, als Hofmeir eine Passage aus seiner »eigentlich vollkommen überflüssigen Autobiografie« vortrug, in der er eine Bahnfahrt von Berlin nach München beschreibt. Da kommt er mit einer jungen Dame »mit enormen Brüsten, die nicht wirklich angeboren schienen«, ins Gespräch, die sich als Pornodarstellerin outet. So dass plötzlich alle im Abteil zuhören und von ihm erwarten, dass er nachbohrt: »Weiter, du Idiot ...«. Leider stoppte Hofmeir an dieser Stelle seinen Vortrag und präsentierte stattdessen zusammen mit Axel Pätz abschließend noch einen fetzigen Samba.

Kurzum, wieder einmal ein Kabarett-Brettl vom Feinsten mit Topbesetzung. Entsprechend kräftig und lange anhaltend fiel der Applaus aus. Wolfgang Schweiger