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Mit Olympia-Gold den Onkel Rudi überholen

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Der Untersteiner Johannes Lochner vom Bob-Club Stuttgart Solitude gehört zu den größten deutschen Bobhoffnungen. (Foto: Wechslinger)

Schönau am Königssee – Nach seinem Sieg beim Bob-Europacup am Königssee hat sich Bobpilot Johannes Lochner die Messlatte für seine sportliche Zukunft sehr hoch gelegt. Mit einer Goldmedaille bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Südkorea will er seinen Onkel Rudi überholen, der neben einem WM-Titel bei Olympia »nur« Silber geholt hatte. »Wenn es da nicht zu Gold reicht, wird mir das mein Onkel das ganze weitere Leben vorhalten«, verkündet der 24-jährige Untersteiner, der für den Bob-Club Stuttgart Solitude startet, augenzwinkernd.


Jetzt muss Johannes Lochner aber erst einmal sein Können auf drei Bahnen beweisen. Winterberg und Königssee sind schon erledigt, Mitte Januar muss der Untersteiner auf der Naturbahn in St. Moritz zeigen, was er kann. Wenn die Leistungen stimmen, dann steigt er in den Weltcup auf. Allerdings auch nur dann, wenn die derzeitige Weltcupmannschaft die von ihr erwarteten Leistungen nicht bringt. Womöglich könnte Lochner auch bei den Weltmeisterschaften Ende Februar in Winterberg am Start sein.

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Johannes Lochner ist ein sportliches Allroundtalent mit vielen Facetten und Möglichkeiten. Als kleiner Bub hat er sich in den verschiedensten Sportarten bewährt und war auch ein sehr schneller Alpinläufer. Doch mit 14 Jahren stellte er die Skier in die Ecke und widmete sich fortan mehr seiner schulischen Ausbildung. Zum Bobsport kam er erst mit 20 Jahren, als er gerade sein Abitur gemacht hatte. Nachdem Lochner im ersten Jahr als Anschieber und Bremser nur etwas in den Bobsport hineingeschnuppert hatte, wurde es dann im nächsten Jahr schon ernster. Im dritten Jahr bat Matthias Böhmer den schnellen Anschieber in seinen Vierer, um sich für die Junioren-Weltmeisterschaften zu qualifizieren.

Nach und nach interessierte sich der Elektrotechnik-Student dann auch für die Lenkseile im Bob, die er nun als Pilot mit feiner Hand bedient. Es ist die Mischung aus technischem Know-how, hoher Geschwindigkeit und dem Spiel mit den Fliehkräften, die den 24-Jährigen begeistert. »Ich freue mich vor jeder Abfahrt, es macht immer wieder Riesenspaß und dadurch bin ich auch schnell«, sagt Lochner mit leuchtenden Augen.

Den Spagat zwischen Studium und Sport bringt der Untersteiner nach eigenen Aussagen gut hin, wenngleich es im Winterhalbjahr relativ anstrengend sei. »Da muss man viel in den Sommer verschieben, was jedoch mit meinen Professoren abgeklärt ist«. Der Vorsitzende des Bob-Clubs Stuttgart Solitude ist Professor an der Technischen Universität München und unterstützt seinen studierenden Bobpiloten Johannes Lochner wo es nur geht, so auch, wenn Prüfungen wegen Wettkämpfen verschoben werden müssen. Lochner: »Wir sind 2 000 Studenten in der Elektrotechnik an der Uni. Wenn ich zu irgendeinem Professor gehen und ihn auf Freistellungen ansprechen würde, dann würde er mich wahrscheinlich fragen, ob das Studium oder der Sport wichtiger sei. Durch Professor Dr. Jochen Buck kann ich meine Klausurarbeiten auch verschieben und bleibe im Studienplan.« Buck ist Präsident des Bob- und Schlittensportverbandes Baden-Württemberg und Begründer des Bob-Clubs Stuttgart Solitude. Einst war er Anschieber im Dostthaler-Bob.

Johannes Lochner arbeitet derzeit am Bachelor und wird im Frühjahr seine Masterstudien beginnen. »Die Sommerarbeiten sind recht hart. Aber wenn man den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, muss man am Abend halt ordentlich trainieren. Das ist dann mein Ausgleich«, so der 24-Jährige.

Als Ausgleich zum harten Bobtraining betreibt der Schnellstarter viele andere Sportarten wie Bergradfahren, Berggehen, Kajakfahren und Skibergsteigen. Und wenn endlich der Schnee kommt, dann wird Johannes Lochner auch wieder am Jenner beim Skifahren zu sehen sein. Christian Wechslinger