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Mit »Quadro Nuevo« ans Ende des Regenbogens

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Eine fabelhafte und kurzweilige Reise über den Regenbogen der Musik unternahmen die Musiker von »Quadro Nuevo« bei ihrem Konzert in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS. (Foto: Ortner)

Es waren einmal drei Musikanten – und eine Musikantin. Diese brachten zahlreichen Erdenbürgern wunderbare und vielschichtige Weisen dar. Sie reisten von Stadt zu Stadt, von Land zu Land – quer durch die ganze Welt. Sie sahen und hörten den Menschen genau zu, und erzählten in ihren fantasievollen und hinreißenden Weisen von deren Leben und den Eindrücken, die die faszinierenden Landschaften und fremden Geschichten und Kulturen hinterließen. Ihre wunderschönen »Liedergeschichten« wurden immer bekannter, begehrter und beliebter, ihre Konzerte waren fast immer ausverkauft, und so reisen die Vier auch heute noch mit vielen Instrumenten und Ideen von Stadt zu Stadt – durch die ganze Welt.


Ihre Fangemeinde wächst beständig und auch in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS sind wie seit vielen Jahren auch heuer alle Vorstellungen ausverkauft. Die Rede ist – natürlich – von »Quadro Nuevo«, die mit ihrer vielschichtigen, nach allen Seiten offenen »Weltmusik« seit Jahren ihre Zuhörer verzaubern. Was sich wie ein Märchen liest, ist tatsächlich »harte Realität«. Ob Jazz und Weltmusik aus dem alten Europa, Abstecher in den Vorderen Orient oder nach Südamerika – das Markenzeichen des Ausnahmequartetts ist die stete musikalische Veränderung, sie erweitern fortwährend ihren Horizont und bleiben sich dabei doch selbst immer treu.

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Mit Percussion und Kontrabass wandert D. D. Lowka durch die Straßen von Antakya, Mulo Francel strebt mit Klarinette und diversen Saxofonen auf verschlungenen Pfaden Batumi entgegen, während Evelyn Huber neben ihrem berauschenden und kraftvollen Harfenspiel auch gelegentlich ihr feuerrotes Hackbrett auf die Reise schickt und Andreas Hinterseher mit seinen Handzug-Instrumenten, nicht nur, aber gerne, auf den Pfaden Astor Piazollas wandelt. Neben Jazz, Chansons und einer Komposition von Hirsch Glik, die »das Weihnachtsprogramm überdauert hat«, wie Mulo Francel schmunzelt, haben Quadro Nuevo noch ein weiteres Ass im Ärmel! Sie waren nämlich auf »Tangofortbildung in Buenos Aires«.

Mulo Francel und Andreas Hinterseher geben einen recht unterhaltsam-anschaulichen Kurzbericht mit kleinen Anekdoten zum Besten. Sie haben einem der ältesten Tangoorchester des Landes zugeschaut, selbst viel geübt und mit einem recht jungen Ensemble ein Konzert gespielt. »In einem Haus, das nicht so aussah, als ob sie dafür Miete bezahlen würden. Aber es wurde dort auch gekocht, gegessen und getrunken und irgendwann auch lange, sehr lange Musik gemacht.« Die »wichtigste Lehre« der Reise: Im Tango ist alles erlaubt, und der klassische Tango, wie wir ihn aus der Tanzschule kennen, ist in Argentinien verpönt – heißt es.

Wie dem auch sei, Tatsache ist, dass der Tango Argentino mit sehr viel Freiheit. Kreativität und noch mehr Leidenschaft zelebriert wird, und Quadro Nuevo sich sehr viele Anregungen für ihre eigenen Stücke und Interpretationen aus Carlos Cadells und Astor Piazollas Federn geholt haben. Dafür haben sie ihr komplexes Zusammenspiel um eine weitere schillernde Facette erweitert und den Pianisten Chris Gall ins Tangoboot geholt. Die fabelhafte und unglaublich kurzweilige Reise über den schillernden Regenbogen der Quadro Nuevoschen Musik gipfelt neben anderen Zugaben in einer atemberaubenden Interpretation des »Libertango«.

Akkordeon und Saxofon jagen keck die Harfe vor sich her, bis sich diese in einem kraftvollen, fingerstrapazierenden Ausbruch über die gesamte Saitenanzahl wieder Freiheit verschafft. Das Ende des Regenbogens ein Topf voll (musikalischen) Goldes oder doch ein Tor zu einer anderen Welt? Das ist wohl eher eine Interpretationsfrage, in jedem Fall aber ein märchenhafter Zauber. Maria Ortner