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Mit Schmäh und schwarzem Humor

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Einen Mix aus einigen seiner früheren Programme präsentierte Josef Hader bei seinem Gastspiel in der ausverkauften Salzachhalle. (Foto: Heel)

Der 1962 im oberösterreichischen Waldhausen geborene Josef Hader ist nicht nur der erfolgreichste, österreichische Kabarettist, er hat auch als Schauspieler und (Drehbuch-) Autor bei einigen der erfolgreichsten, österreichischen Filmproduktionen mitgewirkt. Kultstatus erlangte er durch die Rolle des zerknautschten Ex-Polizisten und Irgendwie-Privatdetektivs Simon Brenner in den Verfilmungen der Krimis von Wolf Haas, und mit seinem Regiedebüt »Wilde Maus« (2017) hat er bewiesen, dass er auch hinter der Kamera ein Könner ist.


Jetzt war Josef Hader in der ausverkauften Salzachhalle zu Gast, wo er mit »Hader spielt Hader« einen Mix aus einigen seiner früheren Programme präsentierte, mal urkomisch und mal bitterböse und mit Liedern an der Orgel. Eine Nummern-Revue, in der Hader mit Gusto den spleenigen Misanthropen gab, wenn er nicht über seine Rolle als (gesellschaftskritischer) Kabarettist räsonierte, wobei das eine manchmal nahtlos in das andere überging. Angeschnitten wurde dabei vieles, speziell beim Thema Humanismus, mit dem er nach ein paar Liedern wie »Menschen samma alle« den Abend eröffnete. Etwa mit dem Hinweis, dass die Großstadt-Hedonisten von heute ihren Humanismus über ihr Kaufverhalten definierten, also Volvo fahren, auf Rucola stehen und ihren Pinot Grigio vom Biobauernhof holen.

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Aber ist der Mensch nicht ohnehin eine Fehlkonstruktion, fragte der Kabarettist sein Publikum. Er stinkt, wenn er sich nicht täglich wäscht, hält Delfine für intelligente Wesen und verzehrt massenweise Erdbeerjoghurt, über dessen Zutaten man besser nichts erfahren sollte, so wie über die Zustände in den Kellern so mancher österreichischen Dörfer. Nur logisch also, dass er vom Kinderwunsch seiner Frau nichts hält und ihr rät, stattdessen eine Therapie zu machen, »die ist auch teuer.« Apropos Frauen: Die wollen immer so viel Nähe, selbst im Sommer, »wenn alles pickt und klebt.«

Vorurteile sind dagegen »nix Schlechts.« Die sind gelebte Erfahrung, und Vorurteile hat der Kabarettist jede Menge auf Lager: über die Franzosen, die Österreicher, die Hälfte der Balkanländer, Politiker und Tierhalter. Denn ein Kabarettist muss sagen dürfen, wer schuld ist, sonst ist er kein Kabarettist.

Im letzten, »kritischen« Teil seines Auftritts kam er nach einem Seitenhieb auf die Wiener Gemeindebauten noch auf die Vorzüge des Landlebens zu sprechen (Hader ist auf einem Bauernhof aufgewachsen, sein Bruder ist Landwirt). Da schwärmte er von den rauschenden, oft tagelangen Festen dort, wobei es bei einer Beerdigung schon mal vergnügter zugehen kann als bei einer Hochzeitsfeier, weil eine Hochzeit ja nur das Glück zweier Menschen betrifft, sich bei so mancher Beerdigung aber der ganze Bezirk freut.

Mit dem »Ottakring«-Lied, einem Lied von der Nachbarschaft, ging der Abend dann zu Ende, und das Publikum hat einen Künstler erlebt, dem es gelang, die Menschen zu unterhalten und zugleich zum Nachdenken über die Welt und über sich selbst anzuregen – eine schwierige Kunst, die Josef Hader wie kaum ein anderer meisterlich beherrscht. Wolfgang Schweiger