Mit »viel Energie« und digitalen Treffen

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Auch der Trainer und Abteilungsleiter der Abteilung Ju-Jutsu vom TSV Bergen, Lukas Bombik, ist aktiv bei den Videotrainings dabei.
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Andreas Brandmann, Ju-Jutsu-Trainer des ESV München, hatte die Idee, einen Dummy für das Training ohne Partner zu bauen.

Die Ju-Jutsu-Abteilung des TSV Bergen setzt in Zeiten von Kontaktbeschränkungen ganz auf Online-Training. Dabei kooperieren die TSV-Sportler mit den Ju-Jutsu-Abteilungen des KSV Unterwössen und des ESV München.


»Wir haben schon im Frühjahr gute Erfahrungen mit dem Online-Training gemacht«, berichtet Steffen Waurig vom TSV Bergen. Doch während es zu Beginn der Corona-Pandemie vor allem Fitness-Trainings gab, ist das Angebot inzwischen deutlich größer: Nun werden auch Techniktrainings angeboten und Spezialtechniken digital vermittelt. »Den Trainern ist die Wissensweitergabe wichtig«, betont Steffen Waurig.

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Dafür lassen sie sich einiges einfallen. Die Trainer geben per Video Anleitungen, Tipps und Hilfestellungen. Sie bieten dabei eine große Vielfalt an Themen, weil sich viele auf die Ausbildung in bestimmten Bereich spezialisiert haben – wie etwa die Selbstverteidigung oder den Kampf mit Stöcken. Steffen Waurig hat erst kürzlich an einem vom KSV angebotenen Online-Training zum Thema Verteidigung gegen Messerangriffe teilgenommen. »Für so einen Lehrgang hätte ich sonst vielleicht nach Nürnberg fahren müssen«, erklärt er.

Aber auch für das Kindertraining gibt es spezielle Angebote. So zeigte Dennis Buttler vom ESV München, der bereits Bücher über Budo-Spiele für den Kampfsport geschrieben hat, den Teilnehmern Übungen, um ihr Gleichgewicht zu trainieren – dafür mussten sie beispielsweise seitliche Fußstöße auf einem Topf stehend ausführen – oder wie sie aus einer Trainingsjacke und Kissen einen Übungsdummy bauen können. »Die Techniken werden den Kindern spielerisch vermittelt«, erklärt Steffen Waurig.

Passend zur Adventszeit haben sich die Trainer darüber hinaus ein Weihnachtsbingo ausgedacht, bei dem die Sportler versuchen können, bis zum nächsten Online-Treffen Übungen in einer Reihe wie bei einem Bingo-Spiel zu absolvieren. Außerdem gibt es am Ende des Trainings auch mal eine Weihnachtsgeschichte zur Entspannung.

Steffen Waurig lobt, dass die Vereine »viel Energie« in das Online-Training stecken und versuchen, so die Mitglieder zu motivieren. »Alleine kann man laufen gehen oder sich auf Youtube Videos zu Techniken anschauen«, sagt er. »Und man muss seinen inneren Schweinehund überwinden.« So aber gebe es einen festen Termin, die Teilnehmer üben gemeinsam und tauschen sich auch in einer WhatsApp-Gruppe über die Inhalte aus – die Trainer kündigen dort Themen an oder fragen ab, was die Vereinsmitglieder interessiert. »So bleibt man in Kontakt und wird auch ständig an das Training erinnert.«

Trotzdem weiß auch Steffen Waurig, dass ein Online-Training gerade in einem Kontaktsport für das Training im Dojo (Trainingsraum) keine echte Alternative ist. »Das ist überhaupt kein Ersatz«, sagt er. Bergens Ju-Jutsu-Abteilungsleiter Lukas Bombik sieht das ähnlich: »Kampfsport ohne Körperkontakt ist ein Dilemma.«

Viele Übungen – wie Würfe – sind zu Hause und ohne Partner gar nicht möglich. »Ein Großteil der Mitglieder zieht nicht mit«, weiß Steffen Waurig. Zehn bis 15 Teilnehmer gebe es bei den Online-Trainings. »Es besteht auf jeden Fall die Gefahr, dass die Routine mit einem festen Termin fehlt« und deshalb auch Vereinsmitglieder dem Sport den Rücken zukehren.

Zudem fürchtet Steffen Waurig, dass es einen deutlichen Leistungsabfall durch das ausbleibende Training gibt. »Die Techniken verlernt man so schnell nicht, aber es fehlt die Übung«, betont er. Für ihn als Hobbysportler sei das fehlende Training nicht so tragisch, den Nachwuchs treffen aber besonders die fehlenden Gürtelprüfungen.

Wann es diese wieder geben wird, ist momentan noch unklar, schließlich werde den Teilnehmern »einiges abverlangt«, sagt Steffen Waurig. »Dafür braucht es viel Vorbereitungszeit.« Der TSV Bergen hatte bisher sogar immer zusätzliche Trainings für die Prüfungen angeboten.

Immerhin gibt es inzwischen sogar digitale Sichtungen für den Landeskader, berichtet Steffen Waurig. Weil die Kampfsportler beim Fighting auf einen Gegner verzichten müssen, wird dabei vor allem auf die Technik Wert gelegt. Auch beim Duo, bei dem zwei Paare gegeneinander antreten und versuchen, rund um einen angesagten Angriff eine technisch hochwertige Übung zu zeigen, die am Ende von den Wertungsrichtern mit Punkten bewertet wird, gibt es inzwischen die Möglichkeit, diese Übungen in Videos einzureichen oder gleich in einer Videokonferenz vorzuführen.

Steffen Waurig hält es für wichtig, dass Vereine und Verband solche Möglichkeiten bieten – nicht nur, damit die Mitglieder fit und motiviert bleiben, sondern vor allem, damit »es nächstes Jahr auch wieder weitergehen kann«. jom