Mitarbeiter in den Testzentren müssen sich einiges anhören – Die Regelungen machen aber Bund und Land

Mitarbeiter in den Testzentren müssen sich einiges anhören – Die Regelungen machen aber Bund und Land
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Seitdem Corona-Tests kostenpflichtig sind, hat der Landkreis Traunstein in seinen beiden Testzentren und Trostberg bei PCR-Tests einen Rückgang um rund 70 Prozent verzeichnet.

»Warum kriege ich denn keinen kostenlosen PCR-Test mehr?« – das sei die häufigste Frage, mit denen die Mitarbeiter in den kommunalen Testzentren des Landkreises in Traunstein und Trostberg konfrontiert werden. »Weil es der Gesetzgeber so beschlossen hat«, erklärt dazu der Leiter des Traunsteiner Gesundheitsamts, Dr. Wolfgang Krämer. »Die Vorgaben und Verordnungen dazu stammen von Bund und Land, da haben wir als Landkreis überhaupt keinen Spielraum für Änderungen.«


Seit dem 11. Oktober gibt es generell keine kostenlosen Corona-Tests mehr – bis auf Ausnahmen. Dabei stelle man in den Testzentren in Traunstein und Trostberg einen Rückgang der PCR-Testzahlen um rund 70 Prozent fest, seit die Leute diese selbst zahlen müssen. »Vorher hatten wir im Schnitt pro Tag rund 800 bis 1100 PCR-Tests, am Wochenende vor Einführung der Kostenpflicht hatten wir ein 'Allzeithoch' von 1600 Tests am Tag. Jetzt sind es mal 200, mal weniger.« Davon seien in der Regel ein Drittel bis 45 Prozent bezahlte Testungen.

An beiden Zentren beide Testarten möglich

»Wir sind ja dank der Kooperation mit dem Roten Kreuz in der glücklichen Lage, an beiden Teststationen beide Tests anbieten zu können, und zwar sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Schnell- und PCR-Tests. Das ist in der Region tatsächlich ein Alleinstellungsmerkmal«, so Dr. Krämer. Während manche privaten Testanbieter die Angebote zurückfahren oder beenden mussten, habe der Landkreis die Zeiten wie zuvor beibehalten – in Traunstein kann man sich Montag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr testen lassen, in Trostberg von 7 bis 17 Uhr. Dabei gibt es für Kinder aber derzeit keine Lollitests, die Art der Testung sei ja vom Labor vorgegeben. Schnelltests habe man derzeit täglich rund 220 bis 350 an den beiden Standorten.

Große Erleichterung für Eltern kleiner Kinder

Dabei sei die jüngste Regelung der Bayerischen Staatsregierung für Kinderkrippen und Kindergartenkinder (wir berichteten) eine enorme Erleichterung auch für die Testzentren. Denn ab sofort können kleine Kinder mit Schnupfennasen die Betreuungseinrichtung auch dann besuchen, wenn sie nur einen von den Eltern gemachten Selbsttest nachweisen können. Dafür erhalten Eltern von der jeweiligen Einrichtung – von denen es im Landkreis 118 gibt – eine Bestätigung, mit der sie in der Apotheke kostenlose Schnelltests holen können, die sie dann morgens zuhause mit dem Kind machen.

»Das erspart den Eltern viel Fahrerei und schafft bei uns freie Kapazitäten«, so Dr. Krämer. »Das gilt natürlich nur für Kinder mit leichten Schnupfensymptomen. Kommen Fieber, Hals- oder Ohrenschmerzen oder starker Husten hinzu, ist der Kinderarzt der richtige Ansprechpartner.«

Positive Reaktionen gebe es leider nicht. Viele Leute könnten einfach nicht verstehen, dass sie sich nicht mehr kostenlos testen lassen können. »Da müssen sich unsere Mitarbeiter schon ein ganze Menge anhören. Das geht bis zu 'ich fotografier dich und beschwer mich über dich'«, so Dr. Krämer. »Manche werden regelrecht unverschämt. Dabei müssen unsere Leute Regelungen umsetzen, die wir nicht gemacht und auf die wir auch gar keinen Einfluss haben.«

So dürften sich in den Testzentren auch nur asymptomatische Menschen einem PCR-Test unterziehen. »Gibt es Symptome, dürfen nur noch die niedergelassenen Ärzte testen. Das wurde auch so kommuniziert. Mancher Hausarzt schickt aber halt noch aus Gewohnheit seine Patienten zu uns. Nur müssen wir sie dann leider abweisen.«

Anspruch auf kostenlose Antigen-Schnelltests haben laut Bundesgesundheitsministerium unter anderem: Kinder unter 12 Jahren und Jugendliche von 12 bis 18 Jahren, Schwangere noch bis Jahresende, Personen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können (etwa Schwangere im ersten Schwangerschaftsdrittel), Personen, die sich zum Zeitpunkt der Testung aufgrund einer nachgewiesenen Infektion in Quarantäne befinden, sofern die Testung zur Beendigung der Absonderung erforderlich ist, und enge Kontaktpersonen. Wenn zum Jahresende keine Neuregelung für die Schnelltests von Schwangeren oder stillenden Müttern getroffen wird, »laufen diese kostenlosen Tests dann halt auch aus.«

Die Kostenpflicht für Corona-Tests habe übrigens leider nicht den gewünschten Effekt erzielt. »Wir haben jetzt keinen 'Run' auf die Impfungen, weder bei den Hausärzten, noch im Impfzentrum oder dem Impfbus. Dabei ist die Impfung nach wie vor das wirkungsvollste Instrument.«

Denn jeder Test komme im Grunde genommen ja schon zu spät, wenn er ein positives Ergebnis bringe. »Dann ist ja die Prävention bereits vorbei. Andere anstecken kann ich bereits zwei Tage vor meinem eigenen positiven Test. Das heißt, die erste Verbreitungswelle ist 'rum. Ich kann nur noch die zweite Welle verhindern.«

Wer also zur allgemeinen, aber vielleicht auch nur zur eigenen Normalisierung des Alltags einen wirklich effektiven Beitrag leisten wolle, »den möchte ich nochmals intensiv dazu aufrufen, ein Impfangebot wahrzunehmen.«

coho