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Mitbringsel aus Buenos Aires

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Die Musiker von Quadro Nuevo hatten  auf  Schloss Pertenstein Musik aus Argentinien dabei, die keinen Zuschauer kalt ließ. (Foto: Benekam)

Es ist ja nicht unbedingt leicht, die leidenschaftliche Musik ferner Länder als europäischer Musiker umzusetzen. Tango ist heiß, ist Liebe und Leidenschaft pur, ist ausgelassene Lebensfreude sowie schwülstiger Liebeskummer. Tango reißt mit, fordert den Tanz, die Bewegung und geht mit seinem Rhythmus durch Mark und Bein.


Bei dem ausverkauften Open-Air-Konzert mit Quadro Nuevo bei der Theaterfabrik auf Schloss Pertenstein blieb kein Konzertbesucher leidenschaftslos und unberührt. Quadro Nuevo, 1996 gegründet, verschrieb sich zwar nicht nur dem Tango, beschloss aber Anfang 2014, sich samt Instrumenten nach Buenos Aires auf die Suche nach der Essenz des heißblütigen Musikgenres zu begeben.

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Ergebnis war eine neue CD mit Nummern von Astor Piazzolla, Carlos Gardel oder Eduardo Scalise, die ansprechend umarrangiert wurden und von Quadro Nuevo einen neuen Schliff bekamen. Auch viele Eigenkompositionen, wie etwa »Buenos Aires Taxi Drive« über die endlosen, höchst ereignisreichen Taxifahrten der Musiker oder »El Cielo«, die den sommerlichen Himmel von Buenos Aires und die niemals schlafende Hauptstadt des Tangos zum Thema hat, haben die Zuhörer als musikalische Mitbringsel ins Herz geschlossen.

Nicht nur die gute Stückauswahl mit immer wiederkehrenden Tempo-, Rhythmus- und Stimmungswechseln, sondern auch die große musikalische Variationsvielfalt mit abwechslungsreicher Instrumentalisierung garantierten in Verbindung zur optimalen Wetterlage auf Schloss Pertenstein ein unvergessliches Open-Air-Vergnügen.

Aufkommende Windböen, leises Donnergrollen – an den genau richtigen, zur Musik passenden Stellen – und argentinische Temperaturen verpassten dem heißen Tango Quadro Nuevos zusätzliche Authentizität. Dass gegen Konzertende schließlich doch noch ein Sommergewitter über Schloss Pertenstein hereinbrach, erwies sich bald als großes Glück. Veranstalter Mattias Mollner hatte mit einem Plan B gut vorgesorgt: In Windeseile brachte das Team der Theaterfabrik zusammen mit den Musikern und dem Publikum das gesamte Equipment ins Foyer des Schlosses. Nach reibungsloser Umbauaktion ging das Konzert unplugged im Trockenen weiter und so hatten die Quadro-Nuevo-Fans die Gelegenheit den Tango Argentino mit Mulo Francel (Saxophon, Klarinette, Gitarre), Andreas Hinterseher (Bandoneon, Vibrandoneon), Evelyn Huber (Harfe), Chris Gall (Piano) und D. D. Lowka (Kontrabass, Percussions) hautnah zu erleben.

Zuhörer und Musiker puschten sich gegenseitig, peitschten die Stimmung hoch und machten aus dem Konzert ein wahres Tango-Argentino-Fest. Stehend, wild klatschend und tanzend f bewies das europäische Publikum Heißblütigkeit und Quadro Nuevo darf sicher sein, dass die Expedition nach Buenos Aires süße musikalische Früchte trägt, an denen sich sein Publikum noch lange laben kann. Kirsten Benekam