weather-image

Mitreißendes Konzert der Philharmonie

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Die Musiker der Reichenhaller Philharmonie folgten ihrem Dirigenten Tiberiu Soare mit äußerster Konzentration. (Foto: Janoschka)

Nach überwältigenden Begeisterungsstürmen im Anschluss an Ludwig van Beethovens (1770 - 1827) Sinfonie Nr. 3 in Es-Dur »Eroica« nahm der Dirigent Tiberiu Soare die Partitur vom Pult, hielt sie hoch und zeigte bescheiden darauf, so als wollte er sagen, ihm, dem Komponisten, gehöre der Applaus für dieses großartige Werk.


Die Musik-Anweisungen des Komponisten ausgeführt und sie in Klang und Rhythmus verwandelt hat – mit Elan und voller musikalischer Energie – die Bad Reichenhaller Philharmonie unter der Leitung des Tubisten und international tätigen Chefdirigenten des nationalen Radioorchesters und der rumänischen Nationaloper – ganz dem Motto »energico« des 5. Philharmonischen Konzertes entsprechend.

Anzeige

Tiberiu Soare dirigiert mit großer Überzeugungskraft

Soare dirigierte mit weich-fließenden Händen ohne Taktstock mit Bewegungsfreude, die augenscheinlich aus dem Innersten seiner Musikerseele kam, seine Vision der »Eroica« ebenso wie die Ouvertüre und einen Teil der Bühnenmusik aus »Ein Sommernachtstraum« op. 21 und 61 von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 - 1847) und das Konzert für Tuba und Orchester in f-Moll op. 49 von Ralph Vaughan Williams (1872 - 1958) mit solch einer Überzeugungskraft, dass der Funke nach allen Richtungen übersprang und jeden diesseits und jenseits der Bühne beflügelte.

Es war, als verkörperte er mit allen, ihm zur Verfügung stehenden Mitteln das Fließen der Musik. Mit sichtbarer Omnipräsenz vermittelte er Musikern wie Zuhörern durch aktiven Körpereinsatz, entsprechende Armbewegungen und vielsagende Mimik, wie er die Musik verstanden wissen wollte – die musikalischen Übergänge zwischen den einzelnen Themen waren für die Orchestermitglieder und die Zuhörer an ihm selbst ablesbar. In seinem Gesicht drückte sich jede musikimmanente Stimmung deutlich sichtbar aus. Das Ergebnis war hinreißender Musikgenuss für Ohr und Auge durch einen homogenen philharmonischen Klangkörper.

»Ein Sommernachtstraum« spiegelt musikalisch die vier Ebenen der Shakespeareschen Komödie wider: diejenige des Herrscherpaars Theseus und Hippolyta, der Liebenden Hermia und Lysander sowie Demetrius und Helena, der Elfen mit ihrem Königspaar Oberon und Titania und die der rüpelhaften Handwerker, die das Stück »Pyramus und Thisbe« aufführen möchten.

Diese Charaktere übertrug Mendelssohn in Musik und kreierte so ganz unterschiedliche musikalische Stimmungen: Bereits nach den vier, die Ouvertüre einleitenden, Bläserakkorden ebenso wie noch im anschließenden Scherzo webten die Streicher immer wieder einen zauberhaft-magischen Klangteppich im Pianissimo. Gefühlvoll-melancholisch war das Notturno und triumphierend der Hochzeitsmarsch in flottem Tempo.

Das Herzstück war mit Joseph Steinböck, Solotubist des Mozarteum Orchesters und Professor für Tuba und Blechbläserensemble an der Münchner Hochschule für Musik und Theater, das Solokonzert für Tuba und Orchester von Ralph Vaughan Williams.

Sowohl in den beiden großen Kadenzen der Ecksätze »Allegro moderato« und »Finale: Rondo alla tedesca – Allegro« als auch – und da besonders – im Mittelsatz »Andante sostenuto«, einer »Romanza«, ließ Steinböck sein »exotisches« Solo-Instrument mit großer Wendigkeit singen und ließ die Verschiedenartigkeit der in der Komposition angelegten Ausdrucksmöglichkeiten wunderbar erklingen. So arbeitete er auch im dritten Satz deutlich das Groteske des Dreivierteltakts im Zusammenhang mit der melodischen Gestaltung heraus.

Dynamisch und dramatisch präsentierte sich der erste Satz »Allegro con brio« von Beethovens »Eroica«, deren Harmonik schon nach wenigen Takten der Welt Mozarts entfleuchte: Nicht mehr formal orientiert, sondern ins Subjektive weisend, setzt Beethoven hier auch Gefühle in Musik um. Wie ein Bildhauer »meißelte er musikalisch einen Titanen aus einem Marmorblock heraus«, so Dr. Stephan Höllwerth in seiner Einführung.

Werk macht alle Ausführenden zu Helden

Auch der zweite Satz »Marcia funebre: Adagio assai« war als Trauermarsch in einer Sinfonie bei früheren Komponisten nicht üblich. Die Hörner haben nicht mehr nur Begleitfunktion, sondern treten thematisch auf. Der dritte Satz »Scherzo: Allegro vivace« schließlich weist klanglich schon in Richtung Mendelssohn, und der letzte Satz »Finale: Allegro molto – poco Andante – Presto« trägt die Idee des Heroischen, das nach der zornigen Zurücknahme der Widmung an Bonaparte Allgemeingültigkeit erhielt, mit dem Thema aus Beethovens eigenem Werk »Die Geschöpfe des Prometheus« bis zur Vollendung.

So ein Werk macht den Komponisten Beethoven selbst zum Helden, seine Interpretation aber auch alle Ausführenden, die sich der visionären Interpretation des außergewöhnlichen Dirigenten anschlossen. Brigitte Janoschka

Anzeige