weather-image
21°

Mitten ins BVB-Herz: FC Bayern holt Götze im Sommer

Dortmund (dpa) - Mit dem Super-Transfer von Mario Götze hat Bayern München mitten im Steuerskandal um Uli Hoeneß seinen Anspruch auf Alleinherrschaft im deutschen Fußball zementiert. Den Rivalen Borussia Dortmund traf die spektakuläre Verpflichtung von Pep Guardiolas Wunschspieler direkt ins Herz.

Königstransfer
Mario Götze stürmt ab der kommenden Saison für Bayern. Foto: Kevin Kurek Foto: dpa

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke war «über alle Maßen enttäuscht», die Bundesliga-Prominenz reagierte gespalten - die BVB-Aktie verlor sofort an Wert.

Anzeige

Nach ersten Gerüchten in der Nacht blieb dem BVB nichts anderes übrig, als den Wechsel des 20 Jahre alten Fußball-Juwels zum deutschen Rekordmeister in diesem Sommer offiziell zu bestätigen. BVB-Trainer Jürgen Klopp wirkte ziemlich zerknirscht, als er 30 Stunden vor dem Anpfiff des Champions-League-Halbfinals gegen Real Madrid am Mittwoch den für ihn enttäuschenden Abgang seines Jungstars kommentieren musste.

Er habe aber schon am Donnerstag nach dem Viertelfinal-Rückspiel gegen Malaga davon gewusst, so Klopp: «Die Zeit heilt nicht alle Wunden, aber sie hilft beim Heilen auf jeden Fall. Aber die Nachricht an sich ist nicht so gut.» Auch der Zeitpunkt der Veröffentlichung, von der er am Vorabend erfuhr, sei natürlich «nicht günstig». Trotzig fügte Klopp an: «Wir werden auf jeden Fall alles dafür tun, wer auch immer wollte, dass wir gestört werden in der Vorbereitung auf das Spiel, keinen Erfolg haben wird.»

Götze hat in Dortmund noch einen Vertrag bis 2016, kann den BVB für eine festgeschriebene Ablösesumme von angeblich 37 Millionen Euro verlassen. Laut Klopp habe für Götze die Chance, unter dem künftigen Bayern-Coach Guardiola zu reifen, die ausschlaggebende Rolle gespielt. Watzke reagierte in einer offiziellen Stellungnahme tief getroffen: «Wir sind natürlich über alle Maßen enttäuscht, betonen aber, dass sich sowohl Mario als auch sein Berater absolut vertragskonform verhalten haben.»

Kurz nach dem BVB bestätigten auch die Münchner den in vielfacher Hinsicht besonders pikanten Transfer. «Der FC Bayern ist bereit, die zwischen Borussia Dortmund und Mario Götze vereinbarte Ausstiegsklausel zu erfüllen», teilte der FCB nüchtern mit. Aus Rücksicht auf das anstehende Halbfinale der Dortmunder habe man dies erst nach den Halbfinals gegenüber dem BVB anzeigen wollen, versicherten die Bayern.

Im Werben um Götze habe sich der Branchenführer gegen starke Konkurrenz durchgesetzt, verriet Sportdirektor Matthias Sammer. «Mario Götze hatte unglaubliche Angebote von Vereinen, die waren Wahnsinn», sagte Sammer dem TV-Sender Sky. Der Zeitpunkt der Bekanntgabe sei jedoch «nicht optimal», räumte Sammer ein.

War das Durchsickern der Nachricht wirklich ein Versehen oder gar ein Zufall? Beim BVB und insbesondere dessen aufgebrachten Fans sorgte das Bekanntwerden vor der sportlichen Herkulesaufgabe gegen das Starensemble von José Mourinho für große Aufregung und Unruhe. Götze und Co. mussten das Abschlusstraining am Dienstag unter verstärkter Polizeipräsenz absolvieren. Harald Strutz, Präsident des FSV Mainz 05, sprach aus, was viele dachten: «Überhaupt nicht nachvollziehen kann ich den Zeitpunkt. Aber das hat wohl auch etwas zu tun mit der Diskussion um Uli Hoeneß.»

Tatsächlich war der Zeitpunkt der Veröffentlichung alles andere als ungünstig für die Bayern: Die Nachricht von der Götze-Personalie verdrängte die Steueraffäre um Präsident Hoeneß zumindest einige Stunden vor Bayerns Halbfinale gegen den FC Barcelona auf Platz zwei der Schlagzeilen. Wieder einmal hat der Branchenkrösus ligainterne Gegner geschwächt.

Die Reaktionen auf die abermalige Verpflichtung eines Ausnahmekönners von einem Bundesliga-Konkurrenten durch die Bayern deckten die ganze Meinungspalette ab. Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen sprach von einer «genialen Idee», Wolfsburgs Coach Dieter Hecking von einem «Supertransfer». Schalkes Manager Horst Heldt hatte sogar damit gerechnet, Bayerns Ex-Profi Lothar Mattäus zeigte sich dagegen «geschockt». Götze habe die BVB-Fans getäuscht, auch der FC Bayern spiele eine unwürdige Rolle. «Das schadet der Glaubwürdigkeit des Fußballs», meinte der bei Hoeneß in Ungnade gefallene Rekordnationalspieler bei Sky SportsNews.

Mit der Verpflichtung des «Jahrhunderttalents» (Sammer) erfüllen die Münchner nicht nur Guardiola einen Herzenswunsch, sondern wollen auch ihre nationale Vormachtstellung ausbauen. Wie dies zu der von Hoeneß geäußerten Befürchtung von «spanischen Verhältnissen» in der Liga passt, kann wohl nur der Bayern-Boss selbst beantworten. «Das war eine sehr gezielte und wunderbare Verpflichtung. Für die Dortmunder tut's mir leid, dass sie so einen großartigen Spieler verlieren», sagte Bayerns Ehrenpräsident Franz Beckenbauer bei Sky SportNews.

Sollten die in den Medien genannten Zahlen zum Transferpaket stimmen, ist Götze der teuerste Spieler, der je von einem Bundesliga-Club zu einem anderen wechselte. Bislang hielt Stürmer Mario Gomez diesen Rekord - die Münchner hatten 2009 30 Millionen Euro an den VfB Stuttgart überwiesen.

Der BVB-Jungstar und sein Berater Volker Struth hätten dem Club vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass «Götze von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch machen und zum 1. Juli 2013 zum FC Bayern München wechseln möchte», teilte der BVB mit. Die trotzigen Bemerkungen des BVB auf Facebook ließen keinen Zweifel am Unmut über den Zeitpunkt des Tiefschlags. Man lasse sich aber «jetzt erst recht nicht vom großen Traum ablenken», gegen Real «den Grundstein für eine Überraschung zu legen und ins Endspiel im Londoner Wembley-Stadion einzuziehen».

Ein weiterer Borussia-Seitenhieb dokumentierte den Ärger darüber, dass die Bayern den Coup im Verborgenen einfädelten, ohne mit einem Dortmunder Verantwortlichen direkt zu sprechen. «Vom FC Bayern hat sich bis zum heutigen Tag in dieser Angelegenheit kein Offizieller bei Borussia Dortmund gemeldet.» Sammer bestätigte am Abend, dass es in der Sache keinen Kontakt zwischen den Vereinen gab. «Warum soll es den gegeben haben?», fragte er kühl.

Wie die Anhänger am Mittwoch im ausverkauften Stadion auf Götze reagieren, ist unklar. Vorsorglich baten Klopp und Sportdirektor Michael Zorc die Fans, ihn in den letzten Spielen der Saison und im Halbfinale gegen Real «genauso bedingungslos zu unterstützen wie jeden anderen Dortmunder Profi».

Sollten sich Bayern und BVB in der Vorschlussrunde der Königsklasse durchsetzen, käme es am 25. Mai im Finale im Londoner Wembley-Stadion zum brisanten Showdown. Es wäre das letzte Spiel Götzes im Borussia-Dress - schon am 4. Mai spielen die beiden deutschen Vorzeigeclubs in der Bundesliga gegeneinander.

Nach dem Verlust von Götze will der BVB Torjäger Robert Lewandowski nicht auch noch gehen lassen. «Es ist mein absoluter Wunsch, dass er nächste Saison beim BVB spielt», sagte Watzke im Interview der «Sport Bild» (aktuelle Ausgabe). Auch über einen Wechsel des Polen nach München wurde immer wieder spekuliert. Das allerdings würde die Schwarz-Gelben endgültig zur Weißglut treiben.

Vereinsmitteilung

Stellungnahme Borussia Dortmund auf Facebook