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Moby: Noch Hoffnung vor dem Weltuntergang

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Moby macht sich über die Krisen der Welt düstere Gedanken. Foto. Albert Olive/EFE Foto: Albert Olive Foto: dpa

Er blickt auf eine lange Karriere als DJ und Songschreiber zurück. Nun ist Moby, Urgestein der elektronischen Musik, etwas tourmüde. Der »ältere Mann« bleibt lieber daheim im Studio. Auf seinem neuen Album gibt er den Welterklärer - und scheut auch keine düsteren Prognosen.


Berlin/Los Angeles (dpa) - Ein Beschwörer des reinen, unbeschwerten Spaßes war Moby eigentlich nie. Schon in den alten Rave- und Dance-Zeiten hat das Multitalent Wert auf Texte mit Tiefgang gelegt, von seinem politischen Aktivismus für Tierrechte und gegen mehrere republikanische US-Präsidenten ganz zu schweigen.

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Auf seiner neuen Platte schlägt der 52-Jährige jetzt aber sehr nachdenkliche, teils dunkle Töne an. »Es gibt durchaus noch Gründe, optimistisch zu sein«, räumt Moby am Telefon ein. In Los Angeles ist es erst früher Morgen - als »schon etwas älterer Mann« sei er ja mittlerweile ans zeitige Aufstehen gewöhnt. »Doch es gibt auch viele gefährliche Dinge und Aussichten, die mich beschäftigen.« Genau diese musikalisch anzupacken, sei die Idee, die hinter dem jüngsten - seinem 15. - Longplayer steht.

»Everything Was Beautiful, And Nothing Hurt« (Alles war schön, und nichts tat weh) - der Titel klingt ein wenig nach dem Schwelgen in Erinnerungen an eine behütete Kindheit. Dass ein Bullen-Vater auf dem Cover seinem Kind eine Geschichte vorliest, mag da angesichts der Grundhaltung des überzeugten Veganers Moby noch ins Bild passen.

Gleich zu Beginn des Anhörens wird allerdings klar: Der Name - ein Zitat des Romans »Schlachthof 5« von Kurt Vonnegut - kann bestenfalls ironisch gemeint sein. »Ich liebe die Naivität und Utopie daran«, erklärt Moby. »Es zeigt die Geschichte unserer Spezies. Heute haben wir die Fähigkeit, nach all dem Leiden früherer Zeiten ein Paradies zu erschaffen. Stattdessen erschaffen wir neue Höllen.« Der erste Song »Mere Anarchy« beschreibt eine chaotische, postapokalyptische Welt, in der Außerirdische die verlassene, verwüstete Erde besuchen.

Am anderen Ende schließt »A Dark Cloud Is Coming« den Bogen. Was für eine finstere Wolke da genau heranzieht, will Moby nicht verraten. Er deutet nur an: »Die meisten von uns in Nordamerika und Westeuropa wuchsen in stabilen Verhältnissen auf. Aber es ist ein Trugschluss zu glauben, dass alles so bleibt, nur weil es heute so ist, wie es ist.« Er sehe große Gefahren am Horizont - Resistenzen von Bakterien gegen Antibiotika, gezüchtete Killerviren, nukleare Kriege. Er sehe aber auch Hoffnung: »Wir lernen langsam Methoden, um Dinge zu verbessern.«

In einem Punkt wird für Moby aus dem allgemeinen Menetekel jedoch eine handfeste Überlebenskrise: beim Klimawandel. Der sei ein »echtes Existenzproblem«, sagt er. Das Interesse daran steige auch wegen der Regierung Trump, die die Erderwärmung in weiten Teilen leugnet, in den USA nur mäßig. Kein Wunder, dass sich auch in Teilen des Albums eine gewisse Traurigkeit und Verwirrtheit findet.

Zu negativ wolle er nicht sein. »Es kommt mir aber nicht darauf an, einen starken, erfolgreichen Typen darzustellen«, erklärt der Hobby-Restaurantbetreiber und -schriftsteller. Er dürfe gern auch mal verletzlich rüberkommen. Das hört man etlichen Stücken an. Fröhlich ist anders. Mehr sei ihm daran gelegen gewesen, Widersprüche zwischen der menschlichen Wahrnehmung und der »Natur des Universums« offenzulegen. »All unsere Probleme resultieren aus dieser Trennung. Die Hoffnung besteht, dass wir sie irgendwie überwinden können.«

Ein möglicher Weg dorthin laut Moby: innere Einkehr, mehr Rücksicht auf die Umwelt und Belange anderer. Sonst drohen Leere, Einsamkeit, Entfremdung - wie die erste Single-Auskopplung »Like a Motherless Child« zeigt. Das Lied, das schon Sklaven in Amerikas Süden sangen, interpretierten bereits Kollegen wie Eric Clapton oder Van Morrison. Moby holte sich nun Unterstützung von der Sängerin Raquel Rodriguez. Im Video irrt er durch einen kahlen Beton-Dschungel, ein Vexierspiel mit Licht und Schatten soll die Zerrissenheit greifbar machen.

Der Einfall dazu sei ihm vor einiger Zeit bei einem Abendessen mit dem inzwischen gestorbenen Lou Reed gekommen, erzählt Moby. Ein alter Mann sei währenddessen aufgestanden, habe plötzlich den Song gesungen. Auch bei vielen anderen Titeln hat Richard Melville Hall, so der bürgerliche Name des Künstlers, wieder nicht nur komponiert, programmiert und Samples besorgt. Er spielt auch Instrumente wie das oft auftauchende Piano.

Was kommt als Nächstes? Begonnen hat er als Punkmusiker, erst später kam der Wechsel ins elektronische Metier. In dieser Richtung werde es wohl keine Überraschung geben, schätzt Moby. Und mit der frischen Platte dürfte er in Deutschland zunächst nicht zu sehen sein. »Meine erste Tour war 1983, ich habe das seitdem beständig gemacht. Aber das Leben ist kurz. Ich möchte nicht immer wieder dasselbe tun.« Eines sei immerhin denkbar, ergänzt er mit Blick auf Ende 2018/Anfang 2019: »Vielleicht etwas mit akustischer oder mit Orchestermusik.«

Website Moby