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Momente der Muße und Unbeschwertheit

Günter Harras bei seiner mit Musik untermalten Lesung im Studio 16. (Foto: Mergenthal)

»Frauen im Garten« – unter dieses Motto hat Günter Harras aus Grassau seine musikalisch selbst am Klavier untermalte und mit Bildern unterlegte Lesung gestellt. Ein kleiner, aber sehr interessierter Kreis ließ sich von ihm im Studio 16 der Kulturfabrik NUTS in eine zauberhafte Welt entführen, die in der Kunst oft idealisierte Welt von Frauen und ihren Gärten.


Der ehemalige Haslacher Grundschullehrer hat während seiner Berufszeit zahlreiche Lieder für Kinder zu allen möglichen Themen geschrieben und greift nun im Ruhestand einmal pro Woche im Café Reber in Bad Reichenhall in die Klaviertasten. Seit 2008 entwickelt er darüber hinaus musikalische Lesungen für alle Sinne, die er auf Kreuzfahrtschiffen und in der Region vorstellt. Sonst stellte er immer einen Tag im Leben eines Malers wie Dürer oder eines Dichters wie Goethe und Hesse vor. Diesmal war die Rahmenhandlung die antike Erzählung von Amor und Psyche: Die sterbliche Königstochter verliebt sich in den Gott Amor. Durch Widrigkeiten des Schicksals werden die beiden Liebenden getrennt, und die untröstliche Psyche sucht ihn in der Lesung von Harras »in den Gärten dieser Welt«. Am Schluss gibt es natürlich ein Happy End.

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Inspiriert zum ungewöhnlichen Thema »Frauen im Garten« hat Harras ein gleichnamiger Bildband in der Bücherei Grassau. Darin und in seinen eigenen Bildbänden fand der musik- und kunstbegeisterte Pensionär zahlreiche ganz unterschiedliche künstlerische Umsetzungen dieses Themas. Der Garten als kleines Paradies oder Rückzugsort und Frauen als lebensspendende Wesen, die oft das kleinste Pflänzchen hegen und pflegen, passen für Harras gut zusammen.

Er hatte die gezeigten Bilder zu Themenblöcken geordnet und gestaltete die Übergänge durch passende, selbst vorgetragene Klavierstücke, unter anderem von Bach, Mendelssohn, Dvorak oder Toselli. Dazwischen trug er Gedichte vor wie »Julikinder« von Hermann Hesse oder »Juli« von Theodor Storm.

Der Lyrik-Liebhaber ließ Psyche und sein Publikum Frauen begegnen, die in ihren Träumen versunken zu sein scheinen, oder weiblichen Wesen, die im Liegestuhl, in der Hängematte oder neben einem Kornfeld die Ruhe in der Natur genießen. Sie scheinen eins zu sein mit der üppig wachsenden Pflanzenwelt und dem Spiel von Licht und Schatten, das gerade die französischen Impressionisten gekonnt eingefangen haben.

Mit »Dance of the Doll« von Claude Debussy untermalte Harras auf stimmige Weise Bilder von Frauen, die sich mit ihren Kindern im Garten beschäftigen. Andere Sujets sind Picknicks im Grünen, eine Teestunde von Frauen im Blumenparadies oder auch eine Freiluft-Malerin, die eine andere Frau als Aktmodell, in die Natur gebettet, malt. Beim mit viel Zartheit umgesetzten intimen Dialog zweier Freundinnen scheint man fast den Duft blühender Obstbäume wahrzunehmen.

Das Publikum genoss den Ausflug in eine Zeit, die noch die Muße hatte, im Augenblick zu verweilen, und nahm eine entspannte, unbeschwerte Stimmung mit nach Hause. Veronika Mergenthal