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Frauenbund und Gruppe »Tee-nach-Sieben« veranstalten ökumenischen Gesprächsabend im evangelischen Pfarrsaal

Morgenland trifft Abendland

Berchtesgaden – Das diesjährige Thema des Gesprächsabends des Berchtesgadener Frauenbundes und der Gruppe »Tee-nach-Sieben« – »Morgenland trifft Abendland« – war an Brisanz kaum zu übertreffen. Und die aktive Gesprächsrunde zeigte auch das große Bedürfnis, über dieses historische Zusammentreffen von Islam und Christentum sprechen und diskutieren zu können.

Ökumenischer Abschluss eines ökumenischen Abends (v.l.): Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob, Elisabeth Bülow von »Tee-nach-Sieben«, Pfarrer Peter Schulz und die Vorsitzende des Katholischen Frauenbundes Berchtesgaden, Kathi Stanggassinger. (Foto privat)

Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob und Pfarrer Peter Schulz hatten es übernommen, mit Einstiegsreferaten ihre persönlichen Sichtweisen zum Thema aufzuzeigen. Um die heutige Situation besser zu verstehen, skizzierte Pfarrer Schulz zuerst grob die Entwicklung des Islam – vom Mittelalter, in dem es an jedem Königshof einen Botschafter aus der islamischen Welt gab, über die Sympathien in Europa für das Arabische im 18. und 19. Jahrhundert und dem schließlich in die Bedeutungslosigkeit gefallenen Islam, als europäische Staaten die übrige Welt kolonialisierten und damit dominierten.

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Mit dem Ende der Kolonialisierung sei das Selbstbewusstsein islamischer Staaten wieder gewachsen. Und damit auch der Wunsch, erneut einen Platz auf der Weltbühne zu besetzen. Mit dem aus ihrer Geschichte erfahrenen Minderwertigkeitsgefühl seien allerdings vor allem einfache Menschen auf dem Land auch heute noch politisch beeinflussbar – vergleichbar etwa der Situation der Deutschen nach dem verlorenen 1. Weltkrieg. Pfarrer Dr. Frauenlob fügte vor allem mit der Erinnerung an die Türken vor Wien die bis heute nachwirkende, angstvolle Erfahrung der Europäer mit dem Islam hinzu. Dem setzte er Auszüge aus dem 2. Vatikanischen Konzil entgegen, das über Gemeinsamkeiten im Glauben eine Annäherung an den Islam und damit einen Abbau von Urängsten versucht hatte. Beide Pfarrer definierten in diesem Zusammenhang auch die wesentlichen Elemente und Strömungen des Islam. Die Zusammenarbeit mit dem Christentum werde allerdings erschwert, weil der Islam zwar Rechtsgelehrte und einflussreiche Rechtsschulen kenne, jedoch keine gemeinsame Vertretung und zudem schon seit Mohammeds Zeiten die beiden großen Gruppen der Sunniten und Schiiten verfeindet seien.

Sehr lebhaft wurden auch provokante Fragen diskutiert, ob etwa eine Islamisierung Europas tatsächlich verheerend wäre, ob der christliche Wertekanon Menschen wieder mehr Sicherheit vermitteln könnte, wie es um den Missionierungseifer der Muslime bestellt sei oder warum deutsche Jugendliche zu Selbstmordattentätern und Kämpfern werden. Auch drängende Sorgen wurden nicht ausgespart angesichts von Terror des sogenannten Islamischen Staats: Wie ist vor allem mit dem damit verbundenen Rückschritt an Freiheit und Vertrauen in der Gesellschaft umzugehen? Als ermutigenden Ausblick und Abschluss zitierte Pfarrer Schulz aus der Bergpredigt, dass es genug sei, »dass jeder Tag seine Sorgen hat«, während Pfarrer Dr. Frauenlob seine Hoffnung auf den Sieg der Menschlichkeit setzte. Ukw