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Mourinho mit Pfiffen verabschiedet - Barça-Rekord

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José Mourinho steht vor einer Rückkehr zum FC Chelsea. Foto: Kiko Huesca Foto: dpa

Madrid (dpa) - Das Ende einer wenig glorreichen Ära: Trainer José Mourinho hat sich stillschweigend von Real Madrid verabschiedet. Nach seinem letzten Spiel als Trainer des spanischen Fußball- Rekordmeisters gab der Portugiese keine Erklärungen ab und erschien auch nicht zur Pressekonferenz.


Vor dem Anpfiff der bedeutungslosen Partie gegen CA Osasuna (4:2) hatte Mou dem Verein in einem knappen, dreizeiligen Statement alles Gute für die Zukunft gewünscht.

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Mourinho war vor drei Jahren von den Königlichen als Erfolgsgarant verpflichtet worden, aber die Bilanz fiel ziemlich mager aus: ein Pokalsieg, eine Meisterschaft und ein Supercup. Bei seinem vorigen Club Inter Mailand war er 2010 nach dem Gewinn des Triples von Champions League, Meisterschaft und Pokal als Triumphator verabschiedet worden, bei Real verschwand er eher durch die Hintertür.

Der Trainer hatte selbst eingeräumt, dass er in dieser Saison gescheitert sei: Der ersehnte zehnte Europacupsieg (La Décima) misslang, in der Primera División war der Titelkampf schon nach der Hinrunde praktisch zugunsten des Erzrivalen FC Barcelona gelaufen. Die Katalanen stellten am letzten Spieltag mit einem 4:1-Sieg über den FC Málaga den Rekord von 100 Punkten ein, den Mourinho vor einem Jahr mit Real erreicht hatte.

Die große Mehrheit der Zuschauer im Bernabéu-Stadion verabschiedete den Portugiesen am Samstagabend mit Pfiffen. Nur die radikalen Fans auf der Südtribüne ließen den Trainer hochleben und überreichten ihm eine Plakette. Der umstrittene Coach hinterlässt bei Real ein gefährliches Erbe: Er teilte nicht nur die Anhänger in zwei Lager, sondern auch den Vereinsvorstand und den Profi-Kader.

Mehrere Stars dürften über die Ablösung des Trainers erleichtert sein. Andere standen hinter dem Portugiesen, darunter Alvaro Arbeloa. Der Verteidiger schrieb seinen Teamkameraden ins Stammbuch: «Mourinho hat immer den Kopf hingehalten. Er dachte zuerst an den Verein und erst dann an sich. Ich weiß nicht, von wem man dies in dem Club - die Spieler eingeschlossen - sonst noch sagen kann.»

Das Scheitern des Portugiesen bedeutet auch einen Rückschlag für den Clubchef Florentino Pérez. Der Real-Präsident hatte sich persönlich für die Verpflichtung des Trainers stark gemacht, obwohl dessen rüden und provokatorischen Umgangsformen nicht unbedingt zu den sportlichen Idealen der Königlichen passten.

Pérez investierte 160 Millionen Euro für neue Spieler und stellte Mourinho den teuersten Kader der Vereinsgeschichte zur Verfügung. Der erhoffte Erfolg blieb aus, dennoch wird der 66-jährige Chef des Baukonzerns ACS an diesem Dienstag für weitere vier Jahre im Amt des Clubpräsidenten bestätigt werden. Es meldete sich kein Gegenkandidat. Die Frist lief am Sonntag ab.

In der offenen Frage nach Mourinhos Zukunft verdichten sich seit Wochen die Gerüchte über eine Rückkehr zum FC Chelsea. Der Premier League unterlief dabei eine peinliche Panne. Am Sonntag war für einige Stunden auf der Internetseite der englischen Top-Liga ein Artikel mit Datum vom Montag (3. Juni) zu lesen, wonach Mourinho zu dem Londoner Club zurückkehrt. «Portugiesischer Trainer ist zurück an der Stamford Bridge nach Unterzeichnung eines xx-Jahres-Vertrages», lautete die Überschrift. Auf Anfrage der BBC teilte die Premier League mit, dass es sich um einen Herausgabe-Fehler gehandelt habe.

In Spanien wurden bei Barça trotz des Titels, des 100-Punkte-Rekords und der Vereinsbestmarke von 115 Toren zum Saisonausklang Tränen vergossen. Sie galten dem Franzosen Eric Abidal, der nach einer Lebertransplantation keinen neuen Vertrag erhielt. Das Publikum im Camp-Nou-Stadion feierte den 33-Jährigen nach dessen Einwechslung in der 75. Minute bei jeder Ballberührung. «Ich werde Euch immer im Herzen tragen», sagte der Verteidiger nach seinem letzten Einsatz im Barça-Trikot.

Statement Mourinhos