weather-image
22°
Ein Glanzpunkt der Ruhpoldinger Konzerttage beim »Musiksommer zwischen Inn und Salzach«

Mozart, Beethoven, Brahms und ein Teufelstanz

Einen wunderbaren Rahmen bot die Pfarrkirche St. Georg in Ruhpolding für das große Orchesterkonzert von »Pro Musica Salzburg« unter der bewährt-umsichtigen Leitung von Professor Wilfried Tachezi, das zugleich Teil der Ruhpoldinger Konzerttage und des »Musiksommers zwischen Inn und Salzach« war.

Mit viel Einfühlungsvermögen und immer im Dienste der Musik dirigierte Professor Wilfried Tachezi sein Orchester in Ruhpolding. (Foto: Janoschka)

Dass Musik ein Lebenselixier ist, zeigte der Dirigent anschaulich: Am Tag des Konzertes feierte er seinen 81. Geburtstag. Wilfried Tachezi strahlte vor Freude und übertrug dies im Funkenflug auf seine Musiker. So erlebte das Publikum ein engagiert musizierendes Orchester, bei dem sich jede Instrumentengruppe genau bewusst war, wie ihre musikalische Aussage zu gestalten war und wie sie zum großen Ganzen beitragen konnten. Auf diese Weise ergaben sich – je nach Werk – Transparenz bei den Dialogen zwischen Streichern und Bläsern oder aber ein gigantischer Spannungsaufbau bei der Entwicklung vom Pianissimo zum Forte.

Anzeige

Zu feiern gab es außerdem ein Jubiläum: Simon Nagl von der Kulturinitiative Ruhpolding und Cellist des Orchesters konzertiert seit zehn Jahren mit Professor Wilfried Tachezi in der Pfarrkirche St. Georg.

Höchste Präzision und ausdrucksstarke Gestaltung

Das Orchester zeichnete sich durch höchste Präzision und musikalisch-ausdrucksstarke Gestaltung aus. Die Einsatzbereitschaft bei den virtuosen ebenso wie bei den expressiven Passagen war wunderbar zu beobachten, nicht nur bei den Streichern, sondern vor allem auch bei der Soloflötistin, die sich vollkommen auf den Dirigenten konzentrierte und alle Bewegungen kongenial von ihm abnahm, bei der Solo-Oboistin, die sich ganz den melodischen Linien der Werke hingab, beim Solohornisten, der mit weichem Ansatz tief berührte, und bei den beiden Kontrabässen, die leidenschaftlich das Fundament aufbauten, auf dem sich die Klänge ihrer Musikerkollegen perlend betteten. Alle Orchestermusiker strahlten mit ihrem Musizieren die Bewusstheit aus, dass es auf jeden Einzelnen ankommt, und dass jeder den bestmöglichen Beitrag dazu leistet.

Die Sinfonie Nr. 40, g-Moll, KV 550 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) mit den vier Sätzen »Molto Allegro«, »Andante«, »Menuetto-Allegretto« und »Allegro assai« sorgte mit ihren bekannten Melodien, die auch in vielen Bereichen der Werbung und der Popmusik Eingang gefunden haben, sofort für eine heitere Stimmung, wenn auch Mozart zur Entstehungszeit eher von Sorgen geplagt war.

Natürlich spielt der Wiedererkennungswert beim Musikgenießen eine ganz besondere Rolle – und wenn dann noch die perfekte Interpretation dazukommt, steht dem Glücksempfinden nichts mehr im Wege. Ob es die kontrapunktische Ausarbeitung von Melodie- und Begleitinstrumenten oder ob es der spannungsreiche Kontrast beim Wechsel zwischen dem gesamten Orchester und einzelnen Registern war – wie etwa im ersten Satz – oder ob die Streichergruppen im zweiten Satz einen Klangteppich woben, auf den eine verspielte Melodie mit spitzbübischen Vorschlägen tropfte – die mozartsche Leichtigkeit tat wohl. Aber auch beim kräftigen Menuett mit seinen alpenländischen Anklängen und beim vierten Satz, der den Streichern einiges an Virtuosität abverlangte, zeigte sich ein agiler, energiegeladener Wilfried Tachezi.

Ein langer erster Ton des gesamten Orchesters leitete die Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 in C-Dur, op. 72, von Ludwig van Beethoven (1770-1827) ein. Es folgte eine langsame Abwärtsbewegung, ganz so, als wollte der Komponist den Abstieg in den Kerker zu Florestan musikalisch darstellen. Überhaupt ist diese Ouvertüre ein Abbild der Oper, die Gefühle und Handlung programmatisch einfängt. Dennoch besteht dieses Werk auch wunderbar als Konzertstück und bezieht seinen Reiz nicht nur aus einer einleitenden Funktion im Opernhaus.

Auch die Sinfonie Nr. 2 in D-Dur, op. 73, von Johannes Brahms (1833-1897) bestach durch gut herausgearbeitete Gegensätze in den verschiedenen musikalischen Parametern von Dynamik, Tempo und Phrasierung. Besonders im ersten Satz »Allegro non troppo« entwickelten sich aus verdichtetem Klang- und Rhythmusmaterial gesangliche Melodien.

Ausdrucksstark und mit samtenem Klang

Ausdrucksstark und mit samtenem Klang stellten die Celli das Thema des zweiten Satzes im »Adagio non troppo« vor, das die ersten Geigen und nach und nach alle anderen Instrumentengruppen variationsreich aufnahmen. Das Solohorn mit seinem gesanglich-weichen Klang war dabei einer der Höhepunkte, bevor das Thema ein letztes Mal in der Querflöte aufblitzte.

Im »Allegretto grazioso« hatte die Solo-Oboe viel Spannendes zu sagen, und mit dem »Allegro con spirito« ging das Programm des viel bejubelten Konzerts zu Ende. Der »Teufelstanz« von Josef Hellmesberger (1855-1907) – beliebtes Stück der Neujahrskonzerte der Wiener Philharmoniker – sorgte mit anspruchsvollen Raffinessen, Taktwechseln und einer großen solistischen Aufgabe für die Piccoloflöte für einen schwungvollen Schluss des Konzerts und einen Glanzpunkt der 12. Ruhpoldinger Konzerttage. Brigitte Janoschka