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Bad Reichenhaller Mozartwoche mit Glanznummern aus Mozarts Da-Ponte-Opern eröffnet

Mozart-Hits mit jungen frischen Stimmen

Sassaya Chavalith (rechts) und Jennie Lomm im zauberhaften Briefduett, rechts Christian Simonis. (Foto: Aumiller)

Die Operngala zur Eröffnung der diesjährigen Bad Reichenhaller Mozartwoche war für Opernliebhaber ein genüssliches Wunschkonzert. Die Highlights aus den drei Da-Ponte-Opern des ewig jungen Wolfgang Amadeus Mozart den jungen Stimmen von Studierenden am Salzburger Mozarteum anzuvertrauen, erwies sich als glänzende Idee.


Neun ausgewählte Vokalsolisten aus der Klasse für »Oper und Musiktheater« von Prof. Karoline Gruber und Prof. Kai Röhrig vereinten sich mit der Bad Reichenhaller Philharmonie unter Christian Simonis zu einem Mozartensemble, das sich hören und sehen lassen konnte. Der Opernabend geriet zur Win-Win-Situation für die jungen Sängerinnen und Sänger ebenso wie für das Orchester und nicht zuletzt für das Publikum. Die Jungstars durften sich geborgen und gut getragen fühlen vom Orchester unter der warm und liebevoll führenden Hand von Christian Simonis und die Philharmonie konnte dem Publikum einen farbenreichen Opernabend bieten, der aus den Mozartopern einen musikalischen Höhepunkt an den anderen reihte.

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In »Cosi fan tutte« möchte Fiordiligi in ihren beiden großen Arien ihre Standhaftigkeit gegenüber den Versuchungen der die beiden Schwestern auf die Probe stellenden Liebhaber beweisen. »Come scoglio«, wie ein Felsen, will sie sich zur Wehr setzen: Die Thailänderin Sassaya Chavalit singt die anspruchsvolle Tessitura mit stolzer Haltung und mit intensivem Ausdruck ihrer schönen und gut geführten Sopranstimme. »Per Pieta«, verzeih Geliebter, bittet Fiordiligi ihren einstigen Geliebten, als sie spürt, dass sie schwach wird gegenüber dem neuen Liebhaber: Die Österreicherin Julia Rath singt die Bitte mit fast dramatischem Aplomb, mühelos die vokale Spannweite meisternd. An der Pianokultur und an der italienischen Aussprache könnte sie noch etwas feilen, aber insgesamt wusste sie mit Impetus und Stimmpotenzial zu überzeugen.

Die Schwedin Jennie Lomm gab die pfiffige Zofe Despina mit funkelndem hohen Sopran: Sie möchte ihre Herrinnen zur Leichtherzigkeit ermuntern, so wie sie, als »una donna a quindici anni, als 15-Jährige, die Beziehung zu den Männern sieht. Thomas Hansen, der italienische Bariton mit dänischen Wurzeln, zeigt die Qualitäten seiner lyrischen Stimme in der Bravourarie »Rivolgete a lui lo sguardo«, die Mozart ursprünglich für Guglielmo geschrieben hatte, die aber dann durch eine kürzere Arie ersetzt wurde und somit meist nur als Konzertarie zu hören ist. Stimmlich gut ausgewogen und vom Orchester zart untermalt, geriet das kompositorische Juwel »Soave sia il vento«, das Terzettino, in dem die Schwestern Fiordiligi und Dorabella zusammen mit Alfonso den scheidenden Geliebten sanften Wind für ihre Meeresfahrt wünschen: wunderschön gesungen von Aleksandra Raszynska, Reba Evans und Thomas Hansen.

Gut gemischt klang auch das Sextett aus dem 2. Akt »Don Giovanni«: Don Giovanni soll als Übeltäter entlarvt werden, aber Donna Elvira tritt für ihn als ihren Gatten ein, aber da wird Leporello entdeckt, der sich hinter der Maske seines Herrn versteckt hat und der dann einen günstigen Moment nutzt, um dem Zorn der enttäuschten Freunde zu entgehen. Die von Don Giovanni getäuschte und hintergangene Donna Elvira singt die Chinesin Hongyu Cui mit gut geführtem Sopran, leuchtend, intensiv und überzeugend. Hübsch gesungen das Duett Don Giovanni-Zerlina von Claire Austin und Thomas Hansen, darstellerisch fehlt es indes noch an verführerischer Erotik.

Liebreizend war die Australierin Claire Austin als Zerlina, die ihren eifersüchtigen Masetto mit »Batti, batti«, schlage dein Zerlinchen, wieder umschmeicheln und für sich einnehmen möchte. Lyrische Tenor-Qualitäten mit geläufiger Koloratur brachte der Südkoreaner Jungyun Kim in Don Ottavios Arie »Il mio tesoro«, in der er Donna Anna Trost und dem Verführer Rache schwört.

»Le nozze di Figaro«, Figaros Hochzeit war ebenfalls mit Arien und Ensembles vertreten, mit Reba Evans aus USA als schwärmerischem Cherubino, mit der Polin Aleksandra Raszynska als reizender Susanna und im zauberischen Briefduett vereinten Sassaya Chavalit und Jennie Lomm ihre klaren Sopranstimmen zu feinem Ohrenschmaus. Der aus Barbados stammende und in USA aufgewachsene Darian Anderson Worrel punktete in den Ensembles wie in seiner großen Arie mit gut sitzendem Bariton, der sowohl kerniger Qualität als auch flexibler Lyrismen fähig ist. Eine überzeugende Leistung.

Einleitung zu den beiden Gesangsreihen waren jeweils die Ouvertüre zu »Don Giovanni« und »Le nozze di Figaro«. Geriet Erstere zu Beginn des Abends noch etwas klangkompakt, so entfaltete die Figaro-Ouvertüre ihre moussierende Rhythmik und unwiderstehliche musikalische Kraft. Zum Höhepunkt der Operngala wurde das Finale der Figaro-Oper »Gente gente« mit seinem überschäumenden Schlussjubel »Corriam tutti a festeggiar«, lasst uns zum Fest eilen.

Ja, es war ein feines Fest, das hier zur Eröffnung der Mozartwoche gefeiert wurde. Der Applaus würdigte entsprechend den gelungenen Konzertabend. Zuletzt sei noch das schön gestaltete und informative Programmheft als dankenswerte Novität erwähnt. Elisabeth Aumiller