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Mozartwoche mit »Fest der Stimmen« eröffnet

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Das Solistenensemble mit (v. l.) Carl Rumstadt, Danae Kontera, Magdalena Hinterdobler, Moon Yung Oh, Ludwig Mittelhammer und Dorothea Spilger. (Foto: Bauregger)

Mit einem Feuerwerk an Stimmen und einem bestens vorbereiteten, präsenten Orchester der Bad Reichenhaller Philharmonie unter Leitung von Professor Christoph Adt wurde die diesjährige Mozartwoche im Königlichen Kurhaus in Bad Reichenhall eröffnet. Regisseur Dr. Wolfgang Lackner geleitete das Publikum in einer erklärenden, witzigen Moderation durch die beiden Akte der Oper »Così von Tutte« von W. A. Mozart, nach einem Text von Lorenzo da Ponte. Mit unverbrauchten, frischen Stimmen, gepaart mit stimmiger Körpersprache schlüpften Magdalena Hinterdobler (Sopran) in die Rolle der Fiordiligi, Dorothea Spilger (Mezzosopran) in die der Dorabella; Guglielmo wurde von Ludwig Mittelhammer (Bariton), Ferrando von Moon Yung Oh (Tenor) und Don Alfonso von Carl Rumstadt (Bassbariton) gesungen Danae Kontera (Sopran) verkörperte kesse Despina.


Professor Christoph Adt schaffte es, in bemerkenswerten 80 Sekunden den Inhalt der Oper in Kurzform zu kommunizieren. Die Handlung spielt am Hofe des Fürsten Alfonso d'Este von Ferrara. Don Alfonso bietet dort den beiden jugendlichen Hitzköpfen Ferrando und Guglielmo eine Wette an. Er will beweisen, dass »Keine Frau zur Treue fähig ist – schon gar nicht die eigene!«. Die Männer sind zum Gegenbeweis bereit und täuschen den beiden Damen ihrer Herzen, den Schwestern Dorabella und Fiordiligi vor, kurzfristig, auf Geheiß des Königs, in den Krieg ziehen zu müssen. Verkleidet kehren sie zurück und machen der jeweils anderen Geliebten den Hof. Die Damen weisen die Herren jedoch vorerst standhaft zurück. Erst die in Sachen Treue sehr »liberalen« Ratschläge der kessen Dienerin Despina bringen die Prinzipien der Damen ins Wanken und liefern den Beweis: »Così fan tutte – so machen es alle.«

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Bereits bei der lieblichen Ouvertüre zur Oper präsentierte sich das Orchester unter Leitung Adts, sehr gut vorbereitet, hervorragend eingestimmt, präsent, harmonisch, und in prickelnder Spiellaune. Die Orchestermusiker verstanden es während des Konzertabends zudem exzellent, die Gesangssolisten unaufdringlich und einfühlsam zu begleiten und ihnen so eine tragfähige Basis für ihre Gesangspartien zu bieten. Beste Voraussetzungen um »die entfesselte Dynamik des Eros im Brennspiegel der Musik« zu transportieren, kommentiert und konterkariert von Mozarts großartiger Musik.

In der Rolle der Fiordiligi überzeugte Magdalena Hinterdobler, die u. a. als Solistin mit dem Münchner Kammerorchester und den Nürnberger Philharmonikern arbeitet, mit ihrer kräftigen, über die ganze Stimmlage ausgewogenen, fesselnden Sopranstimme, die insbesondere im Rondo des 2. Aktes brillant aufblitzte. Die stimmlichen Stärken der Mezzosopranistin Dorothea Spilger als Dorabella, seit 2009 Stipendiatin der Hanns-Seidel-Stiftung und 2012 Preisträgerin des Wettbewerbs Kammeroper Schloss Rheinsberg, zeigten sich auch eher im höheren Timbre, was ausdrucksstark in den Duetten mit Fiordiligi und Ferrando zur Geltung kam. Bariton Ludwig Mittelhammer, u. a. zweimaliger Bundespreisträger bei »Jugend musiziert« in der Kategorie Duo-Kunstlied und Gesang Solo, fühlte sich in der Rolle des Guglielmo hörbar wohl. Moon Yung Oh überzeugt mit seiner aussagekräftigen, ausgewogenen Tenorstimme in der Rolle des Ferrando sowohl als Solist als auch besonders in den Duetten mit seiner Fiordiligi.

Ein besonderes Klangerlebnis, gepaart mit spritzigem schauspielerischem Pfiff, Charme und Verwandlungstalent, bescherte dem Publikum die Sopranistin Danae Kontera als kess auftretende Despina. Das Gesangs-Sextett komplettierte an diesem Abend der Bassbariton Carl Rumstadt der den intriganten Don Alfonso, mit seiner markant tiefen Stimme überzeugend zu spielen verstand. Auf der Opernbühne verkörperte er u. a. den Sarastro und Dr. Bartolo (Mozart), Tarabotto (Rossini) und den Vater in Humperdincks »Hänsel und Gretel«.

Dass das Gesangsensemble, der Moderator und das Philharmonische Orchester es hervorragend verstanden, die Thematik und des Flair der Mozartoper auszudrücken, bestätigte ihnen das Publikum immer wieder mit spontanem Zwischenapplaus und einen rauschende, begeisterte Ovation am Schluss der Aufführung. Der Abend machte auf alle Fälle »Lust auf noch mehr Mozart«. wb