weather-image
28°

Mundharmonika und satter Blues

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Die Mundharmonika als Leadinstrument präsentierte Paul Lamb in Staudach

Haben Sie schon mal ein Mundharmonika-Konzert erlebt? Ich auch nicht. Wer nun ungläubig die Stirn runzelt, sollte weiterlesen. Mundharmonika, zwei Gitarren, die Leadgitarre (Ryan Lamb) davon mit einer unglaublichen Brillanz, ein satter, sauberer Bass und ein Schlagzeug im Hintergrund: Willkommen bei Paul Lamb und seinen King Snakes. Paul Lamb, wahrhaft kein unbeschriebenes Blatt, seit über vier Jahrzehnten im Geschäft, weiß den Blues zu zelebrieren, seine Mannen, einer davon sein Sohn Ryan, fügen sich nahtlos ein. So war wieder einmal ein besonderes Schmankerl im Gasthof Mühlwinkl auf der Musikbühne geboten. Zuletzt 2003 in Staudach, stellten Paul Lamb und seine Mannen abermals eindrucksvoll unter Beweis, dass der Blues lebt und auch eine Mundharmonika ein vollwertiges, ja, in diesem Falle sogar unverzichtbares Instrument ist.


Mit anderen Worten: Der Mann hat es drauf. Einerlei ob ruhige Balladen, die zu untermalen nur sanfte Töne erforderlich sind, oder stampfende, vorwärtspeitschende Bluesrhythmen, bei denen der Kanzellenkörper (umgangssprachlich »Kamm« für das Instrument) die Akkorde mit aller Wucht nach vorne bringt. Eindrucksvoll ist das passende Wort.

Anzeige

Eindrucksvoll aber auch das Programm der Band, welches sich auf der aktuellen Life CD »The Games People play« wiederfindet. Das schnelle »I got a Woman« oder das stimmige »Black Jack Game« waren nicht nur gerne gehört, sondern sorgten im ausverkauften Saal für große Begeisterung. Auch das Mundharmonika-Solo von Paul Lamb zu Beginn des zweiten Sets, bei dem die bekannte George Gershwin-Nummer »Summertime« ausschließlich auf dem kleinen mundgeblasenen Instrument dargeboten wurde, war perfekt, in gewisser Weise aber auch artistisch. Gelang es Paul Lamb doch tatsächlich, mit einem kleinen Versatz teilweise zeitgleich zu singen und zu spielen. Magisch.

Die Musiker sorgten mit entspannter Lässigkeit für ein Rundum-Sorglospaket. Der ältere Herr mit Strohhut am Bass (Rod Demick) konnte sowohl stimmlich als auch durch seinen sonoren Bass überzeugen. Am Schlagzeug zeigte Dino Coccia eine überzeugende, aber eher zurückhaltende Leistung, während die Gitarre von Sohn Ryan Lamb schon fast als virtuos bezeichnet werden darf. Auch Leadsänger und Gitarrist Chad Strentz war über jeden Zweifel erhaben, mit unglaublicher Coolness und Bravour war sein Part die konsequente Fortführung des Konzeptes: Blues at it's best. Paul Lamb ist ohnehin ein Meister seines Fachs, wie selbst Mark Knopfler bestätigt, indem er sagt: »Besser kann man keine Blues-Mundharmonika spielen«.

Einziger Wermutstropfen: Die schon fast minutiös eingehaltene Spielzeit von 2 x 45 Minuten und eine Zugabe zeigten, dass auch leidenschaftliches Musizieren als Profession betrieben nicht immer gleichbedeutend für unendliche Spielfreude steht. Nichtsdestotrotz ein phantastisches Konzert in hoher Qualität und die – für mich zumindest – überraschende Erkenntnis: Ein Konzert mit einer Mundharmonika in der Hauptrolle ist durchaus hörens- und erlebenswert. Udo Kewitsch